StickoxideWer Grenzwerte lockert, spielt mit der Gesundheit unserer Kinder

Autos bei Nacht auf einer schneebedeckten Straße. Es sind starke Abgase zu sehen.
Wer behauptet, Menschen dürften in Büros viel höheren Belastungen mit Stickoxid ausgesetzt werden als auf der Straße, scheint den Überblick verloren zu haben.

In der Debatte um die Belastung der Luft mit Stickoxiden wird zunehmend mit Halbwahrheiten gearbeitet. Stickoxide sind gesundheitsschädlich, egal ob am Arbeitsplatz oder auf der Straße. Namhafte Institute und Organisationen, wie etwa das Helmholtz Zentrum München für Gesundheit und Umwelt oder die Weltgesundheitsorganisation, weisen darauf hin, dass Stickoxide als Gesundheitsrisiko sehr ernst zu nehmen sind. Die über den Grenzwerten liegenden Stickstoffdioxid-Konzentrationen sind vor allem für Asthmatiker ein Problem, da sich eine Bronchialkonstriktion (Bronchienverengung) einstellen kann. Oder anders gesagt, sie bekommen keine Luft mehr. Bei gesunden Menschen kann es zu Kopfschmerzen und leichtem Schwindel kommen.

Wer Grenzwerte von Schadstoffen relativiert, spielt mit der Gesundheit von Kindern

Wer nach dem Motto „Was nicht passt, wird passend gemacht“ den Grenzwert in unseren Städten relativieren oder lockern will, spielt mit der Gesundheit unserer Kinder. Es ist einfach nur zynisch, den Grenzwert für besonders belastete Industriearbeitsplätze von Erwachsenen mit den Grenzwerten für Kleinkinder und Babys zu vergleichen, die auch einen höheren Stoffwechselumsatz haben. Außerdem werden Äpfel mit Birnen verglichen und man ignoriert unterschiedliche Bestimmungen für den Verkehr, Industrie- und Büroarbeitsplätze sowie private Wohnungen. Gesunde Atemluft in unserer Lebenswelt, unseren Städten und Innenräumen ist unsere Lebensgrundlage.

Unterschiedliche Grenzwerte für Schadstoffe auf der Straße und im Büro

Wer behauptet, Menschen dürften in Büros viel höheren Belastungen mit Stickoxid ausgesetzt werden als auf der Straße, scheint den Überblick verloren zu haben. Richtig ist, dass es unterschiedliche Werte für die Belastung mit Stickstoffdioxid gibt und zwar für die Straße, für Industriearbeitsplätze sowie für Büros und Wohnungen die aufgrund der unterschiedlichen Gesundheitsauswirkungen auf die Betroffenen ausgerichtet und in verschiedenen Regelungen festgehalten sind.

Weiterhin ist richtig, dass der Grenzwert für Industriearbeitsplätze in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe 900 (TRGS 900) bei 950 Mikrogramm pro Quadratmeter Luft sehr hoch liegt. Dieser Grenzwert gilt etwa bei den Arbeitsplätzen, bei denen tätigkeitsbedingt diese Stickoxide in höheren Konzentrationen entstehen. Aber eben nicht in Büros oder Eisdielen. An Industriearbeitsplätzen dürfen erwachsene Menschen, die mit Gefahrstoffen arbeiten, für einige Stunden pro Tag an 5 Tagen die Woche höheren Werten ausgesetzt sein und erhalten zusätzlich eine arbeitsmedizinische Betreuung. An den restlichen Stunden des Tages erholen sie sich dann von dieser Belastung. Wer nachlesen möchte, wie die zuständige Kommission zu dem Wert kommt, kann dies hier machen.

Die Luft in den Städten muss sauber sein

Die zeitliche Belastung über 24 Stunden am Tag ist ein Grund, dass der Grenzwert für den Straßenverkehr bei deutlich niedrigeren 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegt. Ein weiterer Grund ist, dass auf der Straße alle betroffen sind, auch Babys, kranke und alte Menschen. Messungen, die von uns beauftragt waren, zeigen deutlich, dass diese Belastungen nicht nur auf der Straße sondern auch direkt von den Fenstern auftreten. In Büros gilt laut Arbeitsstättenregeln der gleiche Grenzwert wie auf Straßen und Plätzen.

Auch gesunde Menschen müssen sich nach der Arbeit von den belastenden Gasen wieder erholen. Daher muss die Luft in den Städten sauber sein. Dies gilt nicht nur für Stickoxide sondern auch für Feinstaub. Verschiedene Luftschadstoffe gegeneinander auszuspielen ist ebenso wenig im Sinn der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger, die ein Recht auf saubere Luft und eine unversehrte Gesundheit haben. Um es deutlich zu sagen: Für Arbeitsplätze in Büros oder Wohnungen haben die hohen Grenzwerte der TRGS 900 keine Gültigkeit. Hier gelten grundsätzlich die gleichen Werte wie bei der Außenluft, dies ist in den Arbeitsstättenregeln festgehalten.

Reizgas Stickstoffdioxid

Stickstoffdioxid ist ein Reizgas, das für Entzündungen der Atemwege verantwortlich ist. Dies kann von Atemnot, Husten, Bronchitis, über Lungenödeme, steigende Anfälligkeit für Atemwegsinfekte bis hin zu einer Minderung der Lungenfunktion gehen. Dies ist wissenschaftlich gut untersucht, mit Beobachtungsstudien in der ganzen Welt und in experimentellen Studien

Wer es noch genauer wissen möchte, kann hier weiterlesen:

https://www.umweltbundesamt.de/themen/unterschied-zwischen-aussenluft

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