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SUMMARY:Ernährung für alle – Wege aus der Polarisierung
DESCRIPTION:VeranstaltungsberichtWie schaffen wir eine Ernährungspolitik, die Gesundheitsfragen ernst nimmt, soziale Realität abbildet und gesellschaftliche Gräben überwindet?Diese Frage stand im Mittelpunkt des Fachgesprächs „Ernährung für alle – Wege aus der Polarisierung“, zu dem die grüne Bundestagsfraktion am Freitag eingeladen hatte. Wissenschaft, Praxis und Politik kamen zusammen, um Wege für ein zukunftsfestes Ernährungssystem zu diskutieren.Politischer Rahmen: Ernährungspolitik wird zur GerechtigkeitsfrageZum Auftakt machte unsere Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann deutlich, dass der politische Status quo nicht ausreicht, um die Herausforderungen im Landwirtschafts- und Ernährungsbereich zu bewältigen. Sie kritisierte, dass wichtige Reformen wie bessere Haltungsbedingungen, verlässliche Öko-Regelungen oder der Umbau der Ställe ausgebremst würden. Viele Maßnahmen seien „Rückschritte, die weder den Betrieben noch den Verbraucher*innen helfen“. Statt Lösungen werden „alte Konflikte neu befeuert“.Anschließend hob Zoe Mayer, Leitung der AG Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, hervor, dass gesunde Ernährung nicht allein durch individuelle Entscheidungen bestimmt wird: „Viele Menschen wollen sich gesund ernähren – können es aber nicht, weil Preise, Verfügbarkeit oder Kantinenangebote ihnen Grenzen setzen.“ Politik bestimme längst die Rahmenbedingungen, und diese müssten stärker an Gesundheits- und Umweltzielen ausgerichtet werden.Blick aus der Wissenschaft: Gesellschaft weiter als der politische StreitEinen anderen Akzent setzte Ernährungspsychologin Britta Renner (DGE). Sie widersprach dem häufig erweckten Eindruck, das Land sei beim Thema Ernährung tief gespalten. Studien und auch der kürzlich tagende Bürgerrat zeigten vielmehr: „Die Menschen kombinieren tierische und pflanzliche Lebensmittel ganz selbstverständlich. Von einer echten Polarisierung können wir im Alltag kaum sprechen.“Der Ernährungsmediziner Hans Hauner sah dagegen vor allem Überforderung bei vielen Bürger*innen. Bei einer Flut an Ratschlägen und Moralappellen bleibe oft unklar, was überhaupt empfohlen wird. Er sprach sich für klarere Informationsangebote und konsequente politische Maßnahmen aus – etwa gegen Kindermarketing für ungesunde Lebensmittel oder bei der Weiterentwicklung von Kennzeichnungen. Eine Zuckersteuer sei „international längst Standard – Deutschland läuft hinterher“.Praxis und Beispiele: Transformation ist möglichWie Veränderungen gelingen können, zeigten Stimmen aus der Praxis:Philipp Stierand (Kantine Zukunft) berichtete, wie Großküchen in mehreren Bundesländern mit professioneller Beratung ihren Bio-Anteil erhöhen, den Einsatz tierischer Produkte reduzieren und gleichzeitig Kosten sparen können. Konflikte seien dabei selten ein Thema: „Wenn das Essen gut ist, wird es auch angenommen.“Landwirtschaftliche PerspektivenAuch aus der Landwirtschaft kamen aus dem Publikum wegweisende Beispiele:– Ein Betrieb, der von der Schweinemast zur Pilzproduktion umgestellt hat, zeigte, wie neue Geschäftsmodelle entstehen können – wenn Beratung und Förderung stimmen.– Ein weiterer Hof berichtete vom erfolgreichen Wechsel zu biozyklisch-veganer Bewirtschaftung, stieß aber auf strukturelle Probleme bei der Weiterverarbeitung: „Der Markt ist noch nicht auf Betriebe wie unseren eingestellt.“Diese Erfahrungen machten deutlich, dass viele Bäuer*innen bereit sind, neue Wege zu gehen – solange sie nicht allein gelassen werden.Europäische Perspektive: Faire RahmenbedingungenStephanie Wunder (Agora Agrar) brachte den europäischen Vergleich ein. Schweden mit kostenloser Schulverpflegung oder Spanien mit Null-Prozent-Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse zeigten, wie politische Maßnahmen gesunde Ernährung erleichtern können. Entscheidend seien „faire Ernährungsumgebungen“, also Rahmenbedingungen, die gesunde Produkte leicht zugänglich, bezahlbar und attraktiv machen.Fazit: Die Gesellschaft ist bereit – die Politik muss nachziehenDas Fachgespräch machte deutlich: Die Menschen verändern ihr Ernährungsverhalten längst. Wissenschaft, Praxis und Landwirtschaft verfügen über erprobte Lösungen. Was fehlt, sind verlässliche politische Leitplanken, die Gesundheit, Klima, Soziales und Wirtschaft zusammendenken.Die Diskussion endete mit einem gemeinsamen Eindruck: Der Weg zu einer gerechten, nachhaltigen Ernährung ist machbar – wenn Politik ihn entschlossen eröffnet.VeranstalterFB 2-Koordinationsbüro (Ökologie)Platz der Republik 1, 11011 BerlinTEL 030/227 59406fachbereich2@gruene-bundestag.de
LOCATION:Deutscher Bundestag, Paul-Löbe-Haus, (Eingang Süd) Europasaal 4.900
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