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SUMMARY:Muslimisches Leben in Deutschland
DESCRIPTION:Parlamentarischer Abend: Muslimisches Leben in DeutschlandAm 16. März 2026 fand im Deutschen Bundestag erstmals ein Parlamentarischer Abend zum Thema muslimisches Leben in Deutschland statt. Im Rahmen eines gemeinsamen Fastenbrechens während des Ramadans kamen auf Einladung der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen zahlreiche Gäste aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um über Sichtbarkeit, Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sprechen.Austausch und Begegnung im Zeichen des RamadansDie Veranstaltung wurde von Lamya Kaddor, Beauftragte für Religionspolitik der Grünen Bundestagsfraktion, eröffnet, die die besondere Bedeutung dieses Abends hervorhob: Erstmals stand muslimisches Leben im Bundestag im Mittelpunkt eines parlamentarischen Abends. In ihrer Begrüßungsrede betonte Britta Haßelmann, Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen, die Bedeutung von Vielfalt, gegenseitigem Respekt und einem friedlichen Zusammenleben. Ziel des Abends sei es, Räume für Begegnung zu schaffen und den Austausch über den Alltag muslimischer Menschen in Deutschland zu fördern. Zugleich verwies sie auf bestehende Herausforderungen wie Islamfeindlichkeit und Alltagsrassismus, von denen Musliminnen und Muslime überdurchschnittlich häufig betroffen sind. Muslimisches Leben müsse stärker sichtbar werden, politische Beteiligung und gleichberechtigte Teilhabe seien entscheidend für eine lebendige Demokratie.Muslimisches Leben als Teil DeutschlandsIn ihrer Rede unterstrich Lamya Kaddor die historische und gesellschaftliche Verankerung muslimischen Lebens in Deutschland. Rund 5,6 Millionen Musliminnen und Muslime prägen das Land in vielfältiger Weise – in Politik, Kultur, Wissenschaft und im Alltag. Gleichzeitig kritisierte sie einen häufig verengten öffentlichen Diskurs, der sich vor allem auf Sicherheitsthemen konzentriere und die Vielfalt muslimischer Lebensrealitäten ausblende.Sie formulierte konkrete politische Forderungen, um Gleichberechtigung und Teilhabe zu stärken. Dazu zählen unter anderem der Ausbau des islamischen Religionsunterrichts, die Ausbildung von Imamen und Imaminnen in Deutschland, eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Staat und muslimischen Organisationen sowie die konsequente Bekämpfung von Islamfeindlichkeit. Zugleich wurde betont, dass der Kampf gegen Extremismus eine gemeinsame Aufgabe sei, die nur im Dialog mit den muslimischen Communities gelingen könne.Entwicklungen und Herausforderungen der IntegrationspolitikDer Islamwissenschaftler Bekim Agai gab in seinem Vortrag einen Überblick über zentrale Entwicklungen der deutschen Islam- und Integrationspolitik der vergangenen zwei Jahrzehnte. Er verwies auf die Staatsangehörigkeitsreform, die Deutsche Islamkonferenz sowie die sicherheitspolitischen Verschiebungen nach den Anschlägen vom 11. September 2001.Zugleich machte er auf aktuelle Herausforderungen aufmerksam: den Anstieg rechtsextremer Gewalt, die Instrumentalisierung internationaler Konflikte im Inland sowie bestehende Defizite bei der Bekämpfung von Extremismus. Neben diesen Problemlagen hob er auch positive Entwicklungen hervor, etwa den Ausbau islamischer Theologie an Universitäten, Fortschritte im Bildungsbereich und neue Strukturen in der Wohlfahrtsarbeit.Perspektiven für eine pluralistische GesellschaftDie Sozialwissenschaftlerin Meltem Kulaçatan entwarf in ihrem Beitrag eine Zukunftsvision für das Jahr 2046. Sie skizzierte eine Gesellschaft, in der religiöse und ethnische Vielfalt selbstverständlich ist und Kategorien von Mehrheits- und Minderheitsgesellschaft zunehmend an Bedeutung verlieren. Der Fokus liege auf einem gemeinsamen gesellschaftlichen Miteinander, in dem Unterschiede nicht trennen, sondern bereichern.Literatur, Erinnerung und ZugehörigkeitEine literarische Lesung von Lale Öztürk griff zentrale Themen wie Identität, Zugehörigkeit und die Geschichte der Gastarbeiter*innen auf. Sie thematisierte die spirituelle Bedeutung des Fastens und stellte den Ramadan-Abend im Bundestag als symbolischen Ort des gemeinsamen Erlebens und der Verbundenheit dar.Stimmen aus der Praxis: Herausforderungen vor OrtIm anschließenden Podiumsgespräch wurden konkrete Erfahrungen und Herausforderungen diskutiert. Dabei ging es unter anderem um die Situation muslimischer Communities im ländlichen Raum, wo häufig Infrastruktur und Begegnungsorte fehlen.Persönliche Einblicke, etwa in Flucht- und Migrationserfahrungen, verdeutlichten die Bedeutung von Gemeinschaftsstrukturen wie Moscheegemeinden als soziale Anker. Gleichzeitig wurde auf eine wachsende Bedrohung durch Rechtsextremismus und gesellschaftliche Polarisierung hingewiesen. Diskutiert wurde auch ein zunehmendes Gefühl der Entfremdung gegenüber staatlichen Institutionen in Teilen der muslimischen Bevölkerung.Ein zentrales Thema war die Frage, wie Engagement gestärkt werden kann, ohne dass Menschen Angst vor Anfeindungen haben müssen. Zugleich wurde betont, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt eine gemeinsame Aufgabe aller Akteurinnen und Akteure ist.Ein wichtiger Schritt für Sichtbarkeit und DialogDen Abschluss bildeten das gemeinsame Fastenbrechen und sowie die persönlichen Gespräche der Gäste beim anschließenden Empfang. Der Abend wurde von vielen als wichtiger Impuls für mehr Sichtbarkeit muslimischen Lebens und für einen offenen Dialog im politischen Raum begrüßt.Der Parlamentarische Abend hat deutlich gemacht: Eine vielfältige Gesellschaft braucht Begegnung, gegenseitiges Verständnis und den politischen Willen, Teilhabe und Gleichberechtigung aktiv zu gestalten.Veranstalter:FB 3-Koordinationsbüro (Demokratie und vielfältige Gesellschaft)Platz der Republik 1, 11011 BerlinTEL 030/227 58900fachbereich3@gruene-bundestag.de
LOCATION:Deutscher Bundestag, Marie-Elisabeth-Lüders-Haus , Veranstaltungsfoyer 1.101, Adele-Schreiber-Krieger-Str. 1, 10117 Berlin
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