Gesundheitlicher VerbraucherschutzBundesregierung ignoriert Hormongifte

Bunte Gummistiefel
Weichmacher wie in Gummistiefeln und andere endokrine Disruptoren sind gefährlich für das Hormonsystem des Menschen. Der Staat muss seiner Schutzfunktion nachkommen.

In vielen Alltagsprodukten wie Lebensmitteln, Spielzeug, Kleidung oder Kosmetika stecken Weichmacher, Konservierungsstoffe, Pestizide und andere Schadstoffe, die einen gefährlichen Einfluss auf unser Hormonsystem haben – besonders bei Kindern und schwangeren Frauen. Wir fordern die Bundesregierung in unserem Antrag auf, sich für wirksame Hormongift-Verbote einzusetzen.

Die Weltgesundheitsorganisation und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen sprechen bei hormonell wirksamen Stoffen von einer „globalen Bedrohung“. Denn wissenschaftliche Studien belegen einen Zusammenhang dieser Stoffe („endokrine Disruptoren“) mit Gesundheitsschäden wie Unfruchtbarkeit, Stoffwechselerkrankungen, Prostata- und Brustkrebs sowie Diabetes.

Noch immer fehlt eine wirksame Regulierung dieser Chemikalien. Mit zweieinhalb Jahren Verspätung hat die EU-Kommission diesen Sommer endlich Kriterien vorgelegt, welche Stoffe als endokrine Disruptoren einzustufen sind. Doch die Kriterien sind unzureichend und werden dafür sorgen, dass nur sehr wenige dieser Schadstoffe erfasst und verboten werden können. Trotzdem verweigert die Bundesregierung in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen Bundestagsfraktion eine Stellungnahme zu den Kommissionsvorschlägen. Sie redet sich bei fast allen Fragen mit anhaltendem Prüfbedarf heraus, obwohl im Herbst die Beratungen auf EU-Ebene anstehen und andere europäische Regierungen wie Frankreich, Schweden und Dänemark längst Nachbesserungen zum Schutz von Umwelt und Gesundheit gefordert haben.

Kritik an den Kommissionsvorschlägen kommt auch von den Umwelt- und Verbraucherverbänden. Damit ein Stoff als hormonell wirksam gilt, soll - anders als beispielsweise bei krebserzeugenden Chemikalien - ein direkter Wirkmechanismus für eine Schädigung beim Menschen nachgewiesen werden. Experten gehen davon aus, dass diese extrem hohe Beweislast kaum zu erfüllen ist. Damit würde faktisch das Vorsorgeprinzip außer Kraft gesetzt, dies bestätigt auch ein juristisches Gutachten.

Forderungen:

  • Die Bundesregierung muss sich im EU-Ministerrat für Kriterien im Sinne des Vorsorgeprinzips aussprechen, die den Schutz von Mensch und Umwelt vor hormonell wirksamen Stoffen sicherstellen und ermöglichen, diese gefährlichen Substanzen aus dem Verkehr zu ziehen.

  • Die Bundesregierung sollte parallel auch nationale Maßnahmen ergreifen und hormonell wirksame Stoffe aus Lebensmittelverpackungen und Babyartikeln verbieten, so wie es andere europäische Länder wie Frankreich oder Dänemark bereits getan haben.

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