FachgesprächFaire Kleidung - wie geht das?

Seite 2: Faire Kleidung - eine Frage des Siegels?

Im Panel 2 diskutierte Nicole Maisch, Sprecherin für Verbraucherpolitik mit Claudia Kersten vom "Global Organic Textile Standard" (GOTS), Mark Starmanns, Gründer der Online-Plattform "Get Changed", und Brigitte von Puttkamer, Inhaberin des glore Shops in München.

Dabei ging es vor allem darum, ob und wie VerbraucherInnen am besten erkennen können, unter welchen Bedingungen die Kleidung, die sie kaufen, hergestellt wurde und welche Rolle Label dabei spielen. Angesichts der über 120 Siegel im Textilbereich und zahlreicher weiterer Zeichen, die Nachhaltigkeit suggerieren, hätten BürgerInnen kaum verlässliche Orientierungshilfe.

Claudia Kersten sprach sich deshalb dafür aus, dass es – ähnlich wie im Lebensmittelbereich – auch im Textilbereich eine Definition von „Bio“ beziehungsweise „Öko“ geben sollte. In den USA gibt es bereits seit 2011 eine entsprechende Regelung.

Mark Starmanns plädierte dafür, den wahren Preis der Kleidungsstücke offenzulegen und kenntlich zu machen, wie hoch beispielsweise die Kosten für den Wasserverbrauch eines T-Shirts oder einer Jeans sind. Außerdem sprach er sich dafür aus, dass sich die Umwelt- und Sozialkosten stärker im tatsächlichen Preis des Kleidungsstücks widerspiegeln müssten.

Brigitte von Puttkamer wies darauf hin, dass nachhaltige Kleidung nicht unbedingt teurer sein müsse – gerade im Vergleich zu Markenprodukten, bei denen viel Geld in die Werbung fließe. Sie plädierte außerdem dafür, mehr in Verbraucherbildung zu investieren. Es sei wichtig, bereits in der Schule die Wertigkeit von Lebensmitteln und Alltagsprodukten vermittelt zu bekommen.

Übereinstimmend wurde festgehalten, dass einfachere und verständlichere Informationen über die Herstellungsbedingungen nötig seien. Kontrovers diskutiert wurde dabei die Frage, ob es sinnvoller sei, einzelne Produkte zu zertifizieren oder ganze Unternehmen. Die Neuschaffung eines staatlichen Nachhaltigkeitslabels für Textilien wurde eher abgelehnt. Label seien wichtig zur Sensibilisierung und Transparenz, könnten aber kein Ersatz für dringend notwendige, verbindliche Menschenrechts- und Umweltstandards sein.

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