FachgesprächFaire Kleidung - wie geht das?

Seite 3: Eckpunkte für eine faire internationale Textilproduktion

Zu Beginn des dritten Panels mit Gisela Burckhard von der Kampagne für Saubere Kleidung, Tchibo-Vertreter Achim Lohrie und der Gewerkschaftsaktivistin Nazma Akter aus Bangladesch betonte Uwe Kekeritz, entwicklungspolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, wie wichtig es sei, dass sowohl Industrie- als auch die Produktionsländer aktiv werden müssen, um bessere Arbeitsbedingungen in der globalen Lieferkette zu erreichen.

Hierbei verwies er darauf, dass die kürzlich von der UN definierten Sustainable Development Goals (SDGs) explizit gesellschaftliche und politische Veränderungen in den Schwellen- und Entwicklungsländern aber auch von den Industriestaaten einfordern. Alle müssten an einem Strang ziehen und nicht immer nur reagieren, wenn es in einem Produktionsland zu Katastrophen kommt. Wichtig sei, beim Thema Lieferkette global zu denken und lokal zu handeln.

Gisela Burckhardt stimmte dieser Einschätzung zu und erläuterte, dass hierzu eine Veränderung der Gesetze in den Industriestaaten wünschenswert sei. Da sich dies jedoch derzeit schwierig gestalte, halte sie das Textilbündnis von Entwicklungsminister Müller für eine unterstützenswerte Initiative. Achim Lohrie von Tchibo erklärte, die Unternehmen könnten nicht so weitermachen wie bisher. Tchibo verfolge daher einen richtungsweisenden, neuen Ansatz, um die Arbeitsbedingungen in der globalen Lieferkette zu verbessern. Das Bündnis des Entwicklungsministeriums sei zwar aller Ehren wert, in der jetzigen Form für Unternehmen aber nicht unterschriftsreif. Gisela Burckhardt bezeichnete die Weigerung der Unternehmen der Initiative beizutreten als Skandal.

Nazma Akter, die als Gewerkschaftsaktivistin in Bangladesch für bessere Arbeitsbedingungen kämpft, betonte, dass die Gesetzeslage in Bangladesch gar nicht schlecht sei, es mangele lediglich an der Umsetzung. Neben gesetzlichen und freiwilligen Initiativen müsse vor allem die Ausbeutungslogik der Konzerne durchbrochen werden. Zentral sei hierbei, dass endlich existenzsichernde Löhne bezahlt und Gewerkschaften zugelassen werden. Das Brandschutzabkommen ("Accord"), das etliche Unternehmen unterzeichnet haben, sei ein Schritt in die richtige Richtung aber nicht ausreichend. Zudem müssten endlich Entschädigungszahlungen für die Opfer der Katastrophen von Tazreen und Rana Plaza geleistet werden. In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde deutlich, dass sowohl die Politik, die Unternehmen aber auch die Verbraucherinnen und Verbraucher in der Verantwortung stehen.

Uwe Kekeritz betonte zum Abschluss, es müssten die Verpflichtungen der Industriestaaten und die Eigenverantwortung der Produktionsländer zusammen gebracht werden. Dies gelte im Übrigen nicht nur für Textilien sondern für etliche Produkte aus Bergbau, Landwirtschaft und Industrie. Komplexe Lieferketten dürften hierbei nicht als Ausrede dienen. Vielmehr müsse endlich entschieden gehandelt werden.

Grünes Fazit

In ihrem Fazit der Veranstaltung bewertete Renate Künast das große gesellschaftliche Interesse am Thema Faire Kleidung als positiv. Noch nie sei die Bewegung so stark und so weit gewesen wie heute. Das Fachgespräch habe aber klar gezeigt, dass jetzt grundsätzliche Strukturen verändert werden müssen.

Wir brauchen einen Ordnungsrahmen für die Zukunft globalen Handelns. Ein rechtebasierter Ansatz muss einheitliche EU-Standards sowie Rechte und Pflichten der Akteure definieren. Die wichtigsten Ansatzpunkte:

  • Verbesserung der Transparenz für VerbraucherInnen, zum Beispiel durch verlässliche, leicht verständliche Siegel,
  • Stärkung der Gewerkschaften und NGOs an den Produktionsstätten,
  • Definition klarer Sorgfaltspflichten für Unternehmen als Grundlage für Haftungsregeln und Klagemöglichkeiten,
  • Einheitliche Definition der CSR-Berichtspflichten von Unternehmen,
  • Klare Offenlegungspflichten in Form einer EU-Transparenzrichtlinie, die entlang der gesamten Lieferkette funktioniert.

Die grüne Bundestagsfraktion wird weiter an dem Thema arbeiten. Die Abgeordneten der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen danken allen TeilnehmerInnen und ExpertInnen für ihre Zeit und die gute Diskussion.

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