PestizideKunden vor Krebs schützen

Ein Baumarkt mit vielen Regalen.

Der Fraktionsvorsitzende Dr. Anton Hofreiter und Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik der Bundestagsfraktion, haben einen offenen Brief (pdf) an die Zentralen der großen deutschen Baumarktketten Bauhaus, Hagebau, Hellweg, Hornbach, Obi und toom geschrieben. Sie appellieren darin an die Märkte, ihre Unternehmensverantwortung ernst zu nehmen und alle Glyphosat-Unkrautvernichter aus ihren Sortimenten zu nehmen.

Hier folgt der Brief im Wortlaut:

Kunden vor Krebs schützen - Verkaufsstopp für Unkrautvernichtungsmittel mit Glyphosat

Sehr geehrte …

seit einem Monat gilt für das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat eine neue Alarmstufe. Es wurde von den Krebsexperten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „wahrscheinlich krebserregend für Menschen“ eingestuft. Das ist die die zweithöchste Risikokategorie für karzinogene Stoffe, zu der auch Blei, Nitrosamine und Acrylamid gehören.

Trotzdem sind glyphosathaltige Mittel in Baumärkten und Gartencentern bundesweit erhältlich. Allein im Jahr 2012 wurden in Deutschland 811 Tonnen davon an Privatanwender verkauft. 51 glyphosathaltige Mittel sind für den Haus- und Kleingartenbereich zugelassen – viele davon gehen auch bei Ihnen über den Tresen.

Die kurze Kundenberatung beim Verkauf, wie sie gesetzlich vorgeschrieben ist, genügt einfach nicht, um Laien das nötige Fachwissen zu vermitteln, mit diesem Pflanzengift zu hantieren. Das haben Berichte in Verbrauchermagazinen gezeigt.

Glyphosat wird häufig falsch angewendet. Erhebliche Teile des Giftes können durch Fehl-Anwendungen bei Regen in Flüsse und Seen gelangen. Noch gefährlicher ist, dass auf mit Glyphosat gespritzten Flächen Kinder und andere nichtsahnende Personen sehr leicht mit dem Gift in Kontakt kommen können.

Aus diesen Gründen hat sich der Bundesrat bereits im November 2013 für ein Verbot glyphosathaltiger Herbizide für den Haus- und Kleingartenbereich ausgesprochen, das aber von der Bundesregierung bis heute nicht umgesetzt wurde – trotz der neuen Erkenntnisse. Wir werden erneut eine Abstimmung über Glyphosat im Bundestag beantragen.

Angesichts der Erkenntnisse der Krebsexperten der WHO appellieren wir an Sie: Warten Sie nicht auf eine gesetzliche Regelung, handeln Sie jetzt. Solange die Bundesregierung untätig bleibt, können Sie eine Vorreiterrolle einnehmen. Wir bitten Sie, Ihre Unternehmensverantwortung wahrzunehmen und Ihre Kundinnen und Kunden zu schützen, indem Sie alle Glyphosat-Herbizide aus Ihrem Sortiment entfernen.

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung und stehen Ihnen gerne für eine weitere Diskussion zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Anton Hofreiter
Harald Ebner

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