LebensmittelkennzeichnungSkandal ohne Konsequenzen

Fleischereifachverkäuferin füllt Mett in eine Schale

Im Januar 2013 wurde in Irland Pferdefleisch in Hamburgern entdeckt, die eigentlich aus Rindfleisch bestehen sollten. Der Betrug weitete sich aus, insgesamt ging es nach jüngsten Ermittlungen um 300.000 Kilogramm Pferdefleisch, das falsch deklariert als Schweine- oder Rindfleisch in Lasagne und anderen verarbeiteten Fleischprodukten in ganz Europa landete. Über eine Konsequenz schien man sich einig: Um Betrugsfälle wie diesen in Zukunft zu erschweren, sollte eine Herkunftskennzeichnung für Fleisch auch in verarbeiteten Produkten eingeführt werden. Diese Forderung wurde von der grünen Bundestagsfraktion schon zwei Jahre früher gestellt. Zu dieser Zeit wurde in Europa noch über neue Lebensmittelkennzeichnungsregeln diskutiert. Doch nun, ein Jahr später, ist es ruhig um diese Forderung geworden.

Die EU-Kommission hat im Dezember 2013 einen Bericht zur Herkunftskennzeichnung von Fleisch vorgelegt. Doch sie hat es vermieden, sich darin für eine Kennzeichnungspflicht auszusprechen. Stattdessen hat sie verschiedene Kennzeichnungsmöglichkeiten beleuchtet und die Auswirkungen dargelegt. Ihr Fazit: Das Interesse der Verbraucher an einer Herkunftsangabe sei groß, es bestehe jedoch kaum Zahlungsbereitschaft dafür. Gleichzeitig seien die Kosten einer Kennzeichnungspflicht sehr hoch, bis zu 50 Prozent könnte sie die Betriebskosten erhöhen. Billiger sei es mit einer Kennzeichnung zu haben, die nur zwischen „aus der EU“ und „nicht aus der EU“ unterscheide.

Wann kommt die verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Fleisch in Lebensmitteln?

Wir meinen: Die EU-Kommission, aber auch die Mitgliedsländer, die sich während des Pferdefleischskandals für eine Herkunftsangabe ausgesprochen haben, dürfen sich jetzt nicht drücken. Gerade bei Fleisch ist die Betrugsanfälligkeit groß. Eine Herkunftskennzeichnung bringt Transparenz nicht nur für Verbraucher, sondern auch in die Produktionskette, und sie ermöglicht eine schnellere Rückverfolgbarkeit im Betrugsfall. Eine Kennzeichnung, die nur nach EU und Nicht-EU unterscheidet, ist nichtssagend für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Wir fordern daher Landwirtschaftsminister Friedrich auf, das Versprechen seiner Vorgängerin Aigner ernst zu nehmen und sich in der EU für die Einführung einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung für Fleisch in Lebensmitteln einzusetzen.

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