Fairer WettbewerbShare Economy

Kleinwagen an einer Ladestation
Teilen statt Besitzen, das ist die Grundidee der Share Economy. Dabei gilt es allerdings, Rebound-Effekte zu vermeiden. Zum Beispiel dürfen günstige Car-Sharing Angebote in Großstädten nicht dazu führen, dass sich wieder mehr Menschen hinter das Steuer setzen. Nicht nur hier braucht es einen ganzheitlichen und nachhaltigen Ansatz.

Dinge zu teilen anstatt sie zu besitzen, ist der Grundgedanke der Share Economy. Sie werden getauscht, verschenkt oder weiterveräußert. Auch Dienstleistungen werden getauscht oder geteilt. Die Digitalisierung hat die Möglichkeiten, zum Beispiel Werkzeuge, elektronische Geräte, Wohn- und Arbeitsbereiche oder Mitfahrgelegenheiten zu teilen, entscheidend ausgeweitet. Share Economy ermöglicht so ressourcenschonende Lebensentwürfe, nachhaltige Mobilität und lässt neue Einstellungen zu Konsumgütern entstehen. Sie stärkt die Rolle der Zivilgesellschaft in der Ökonomie, eröffnet neue Geschäftsfelder und kann einen wichtigen Beitrag zur ökologisch-sozialen Modernisierung der Wirtschaft leisten. Diese Chancen wollen wir nutzen. In unserem Antrag machen wir Vorschläge, wie das gelingt.

Ökologische Chancen nutzen

Rund um die Idee des Teilens entstehen neue nachhaltige Geschäftsideen und eine vielfältige unternehmerische Szene, darunter zahlreiche innovative Social Entrepreneurs und grüne Gründungen. Aber auch im Konsumverhalten ändert sich vieles: Immer mehr Menschen nutzen das Rad, steigen in Bus und Bahn – und immer öfter entscheiden sie sich auch für Car-Sharing anstatt für die Anschaffung eines eigenen Autos. Viele nutzen Angebote der Share Economy in der Überzeugung, dass für ihre persönliche Lebensqualität die Verfügbarkeit von Dingen entscheidend und Eigentum kein Selbstzweck ist. Modelle des Teilens haben das Potential, unser Konsumverhalten quer durch die Branchen ökologischer auszurichten. Diesen grünen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft wollen wir unterstützen.

Effizienzgewinne sinnvoll einsetzen

Wo Teilen dazu führt, dass Ressourcen besser ausgelastet und sparsamer eingesetzt werden können, entstehen Effizienzgewinne. Dabei gilt es, Rebound-Effekte, also das Phänomen, dass diese Effizienzgewinne zu einem erhöhten Ressourcenverbrauch an anderer Stelle führen, durch eine konsequente politische Steuerung zu vermeiden. Damit zum Beispiel günstige Car-Sharing-Angebote in Großstädten insgesamt nicht wieder mehr Menschen hinters Lenkrad locken als bisher, wollen wir ein ganzheitliches und nachhaltiges Mobilitätskonzept, dass die gemeinsame Nutzung von Car-Sharing und ÖPNV attraktiv macht.

Für fairen Wettbewerb und gute Standards sorgen

Wir wollen die Share Economy in ihrem eigenen Grundverständnis als Teil einer solidarischen Wirtschaft stärken und dafür sorgen, dass technische und soziale Innovationen Verbesserungen für die Allgemeinheit und die einzelnen Nutzerinnen und Nutzer erzielen. Digitale Vermarktung von Leistungen und Produkten alleine ist noch keine Share Economy. Geschäftsmodelle, die dann erfolgreich sind, wenn sie Gesetze umgehen, Steuerpflichten nicht nachkommen oder Standards unterlaufen, führen die solidarische Idee des Teilens ad absurdum. Hier muss der Gesetzgeber entsprechende Standards setzen und deren Einhaltung garantieren. Wir fordern zudem eine moderne Wettbewerbspolitik, die verhindert, dass sich Monopole durch Netzwerkeffekte bilden und es dadurch bestimmten Plattformen ermöglicht, einseitig zulasten der Allgemeinheit oder der Nutzerinnen und Nutzer Bedingungen zu diktieren.

Modelle des gemeinwohlorientieren Teilens stärken

Wir wollen die Rahmenbedingungen für die zahlreichen engagierten Privatpersonen, Kreative, Start-ups und etablierte Unternehmen verbessern, die nicht ausschließlich auf Wachstum und Rendite setzen sondern auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit - ohne dabei auf eine solide Unternehmensführung zu verzichten. Ihnen soll unter anderem ein fester Teil der Gründungsförderungen zustehen. Denn insbesondere allgemeinwohlorientierte Modelle des Teilens erfahren momentan noch zu wenig politische Unterstützung. Weil sie an die etablierten Strukturen eines gewinnorientierten Mainstreams oftmals nicht anschlussfähig sind, finden viele Gründerinnen und Gründer für ihre Ideen keine ausreichenden Verbreitungs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten.

Freiräume für eine Ökonomie des Teilens schaffen

Soziale Innovationen und allgemeinwohlorientierte Modelle des Teilens brauchen Freiräume für die Umsetzung ihrer Ideen. Wir wollen sie gezielt von überflüssiger Bürokratie entlasten, veraltete Vorschriften überarbeiten, den Stillstand beim E-Government beheben, gemeinnützigen Rechtsformen einfache digitale Lösungen anbieten sowie offene Standards, offene Schnittstellen, offene Daten und offene Software als Leitprinzip für digitale Modelle des Teilens verankern und entsprechend fördern.

Strategie „Solidarische Wirtschaft“ vorlegen

Wir fordern die Bundesregierung auf, eine Strategie „solidarische Wirtschaft“ vorzulegen und die Zuständigkeit für deren Umsetzung einer Staatssekretärin oder einem Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium zu übertragen. Zudem muss das Thema der sozialen Innovationen umfassend Eingang in die Forschungsprogramme und Innovationsstrategien der Bundesregierung finden. Denn die Ideen einer solidarischen Wirtschaft finden insgesamt zu wenig Beachtung in der Bundespolitik. Wir wollen sicherstellen, dass gemeinwohlorientierte Modelle der gemeinschaftlichen Nutzung von Gütern und Dienstleistungen gleichwertige Rahmen- und Förderungsbedingungen vorfinden, wie sie auch der herkömmlichen Privatwirtschaft zugutekommen.

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