FachgesprächWie messen wir unseren Wohlstand?

Der wirtschaftliche Erfolg in unserem Land kommt bei vielen Menschen zu wenig oder gar nicht an. Weder die Einkommen noch die Zukunftschancen sind fair verteilt. Die wirtschaftliche Prosperität kann allzu oft nur auf Kosten von Mensch, Natur und Umwelt erhalten werden.

Grüner Wohlstandsbericht

Eine konzeptionell umfassendere Perspektive auf Wohlstand ist erforderlich und wird international auch diskutiert. Die Grünen im Bundestag machen einen Anfang und legen einen neuen Wohlstandsbericht vor. Darin werden neben ökonomischen auch ökologische, soziale und gesellschaftliche Entwicklungen anhand messbarer Kriterien dargestellt. Er soll helfen, die Debatte über Fehlentwicklungen und politische Handlungserfordernisse zu versachlichen und zu intensivieren. Damit wird zugleich auch ein Anliegen der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages zu „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ fortgeführt.

Fachgespräch

In unserem Fachgespräch am 25. April 2016 haben wir mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Ministerien, Journalisten sowie interessierten Bürgerinnen und Bürgern über die Weiterentwicklung und Kommunikation des Konzeptes diskutiert. Wir gingen der Frage nach, wie sich der Wohlstandsbericht am besten in der wirtschaftspolitischen Berichterstattung verorten lässt und welche Ansprüche Medien an eine solche Berichterstattung stellen.

Der Jahreswohlstandsbericht wurde von allen Beteiligten als wertvolle und gelungene Weiterentwicklung der Debatte in der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität“ bestätigt. Wichtige Anregungen kamen von Professor Miegel, der auch Mitglied in der Enquete war. Er unterstützte den Ansatz, sich auf wenige Indikatoren zu konzentrieren. Professor Miegel ermutigte uns, an der Fokussierung auf 8 Kernindikatoren festzuhalten. Die größte Herausforderung von solchen Berichten sei es, die Komplexität der Welt auf wenige aussagekräftige Indikatoren zu reduzieren. Ein verbreitetes Manko bei der Entwicklung von indikatorgestützten Berichten sei eine gewisse Beliebigkeit, was die Einbeziehung von Indikatoren anbelangt. Dies wurde mit dem ausgewogenen Bericht sehr gut vermieden.

Aus seiner Sicht müssten aber auch Indikatoren zur demografischen Entwicklung und zur Verschuldung der Gesellschaft in einen Wohlstandsbericht integriert werden. Diese könnten zum Beispiel die Indikatoren Exportanteil an den Umweltgütern und die subjektive Lebenszufriedenheit ersetzen.

Hannes Koch, freier Journalist, gab die Empfehlung, den Bericht noch stärker auf einfache Botschaften herunterzubrechen und diese nach vorne zu stellen. Material dafür liefere der Bericht reichlich. „Popularisieren“ und „inszenieren“ seien wesentliche Voraussetzungen, damit der Bericht besser von Medien aufgenommen wird und bei den Bürgern ankommt.

Der Jahreswohlstandsbericht 2016 ist der Start einer regelmäßigen Bilanzierung des Wohlstands in Deutschland. Der nächste Bericht wird Anfang des Jahres 2017 erscheinen. Längerfristiges Ziel ist es, den traditionellen Jahreswirtschaftsbericht und den Jahreswohlstandsbericht zu einer neuen Berichtsform zu verschmelzen.

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