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Jahreswohlstandsbericht 2019Wohlstand ist mehr als Wirtschaftswachstum

Blick in den Handelssaal der Börse in Frankfurt am Main am Montag (22.03.2010)
Die Ergebnisse des diesjährigen Jahreswohlstandsberichts sind alarmierend: Wenn wir so weitermachen wie bisher, steht unser Wohlstand auf dem Spiel.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist „blind“ dafür, ob unser Wirtschaften auch seine sozialen, ökologischen und gesellschaftlichen Quellen erhält oder ob es ihnen Schaden zufügt. Das BIP eignet sich deshalb nicht, die Entwicklung unseres Wohlstands in seiner ganzen Breite abzubilden. Um eine moderne Wirtschaftsberichterstattung voranzubringen und ein umfassenderes und realistischeres Bild zu zeichnen, legen wir nun schon zum dritten Mal einen Jahreswohlstandsbericht vor, der weitere ökonomische, ökologische, soziale und gesellschaftliche Faktoren mit einbezieht.

Die Ressource Zukunft wird knapp

In den Dimensionen ökologisch, sozial und ökonomisch bleiben unsere Indikatoren weit von den Zielwerten entfernt. Lediglich in der gesellschaftlichen Dimension ist das Bild positiv, doch auch hier zeigt der Teilindex „Politische Stabilität“ einen Rückgang. In der Gesamtschau reichen einige zaghafte Verbesserungen nicht aus, um eine Trendwende einzuleiten. Mit dem Verharren im Status quo riskieren wir - ähnlich wie beim Klimawandel - Kipppunkte zu erreichen, nach denen sich negative Entwicklungen dynamisch beschleunigen. Die Ressource Zukunft wird knapp.

Keine Trendwende in Sicht

Geht es so weiter, wird sich die Kluft zwischen unserem ökologischen Fußabdruck und der verfügbaren Biokapazität erst in 100 Jahren schließen. Hier ist keine Trendwende in Sicht. Artenvielfalt und Landschaftsqualität leiden besonders unter Intensivlandwirtschaft, hohen Nähr- und Schadstoffeinträgen, und auch die weitergehende Zersiedlung wirkt sich negativ aus. Der Anteil der Umweltschutzgüter an der Wertschöpfung ist auf den tiefsten Stand seit über zehn Jahren gefallen. Der ökologische Wandel zu einer Green Economy, der wirtschaftliche Vorteile und eine bessere Lebensqualität bietet, verliert an Dynamik.

Fehlende Investitionen in Zukunftsressourcen

Die Einkommensschere hat sich nur wenig geschlossen. Die gute konjunkturelle Situation ist offensichtlich an den kleinen Einkommen weitgehend vorbeigegangen, zudem wurden sie nicht gezielt entlastet. Und auch bei guter und chancengleicher Bildung geht es nur langsam voran. Der Anteil der Bildungsausgaben am BIP stagniert. Auch im internationalen Vergleich investiert Deutschland zu wenig in die Zukunftsressource Bildung. Zwar geht es bei den Investitionen zaghaft nach oben, doch der langfristig negative Trend bleibt ungebrochen. Mit Blick auf die verfestigten Unterschiede in den regionalen Lebensverhältnissen und die digitalen Herausforderungen fehlen hier klare Prioritäten. Die ökonomische Basis unseres Wohlstands erodiert weiter.

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