Alles unter einen HutDie Grüne Zeitpolitik

Die Grüne Zeitpolitik - alles unter einen Hut

Das Leben macht Tempo. Gehetzt zu sein ist für viele Menschen ein alltägliches Gefühl. Die Beschleunigung und Verdichtung hat unser Leben verändert – das berufliche wie das private. Immer erreichbar sein zu müssen, gehört inzwischen zum Alltag vieler ArbeitnehmerInnen. Menschen, die sich um andere kümmern, um ihre Kinder, alt gewordene Eltern oder Nachbarn, um in Deutschland Schutz suchende Menschen, spüren diesen Zeitdruck besonders. Sie müssen viele Aspekte des Lebens gut unter einen Hut bringen. Die Vorschläge der grünen Bundestagsfraktion sollen ihnen dabei helfen.

Wer die Arbeitszeiten beweglicher macht, hilft, Frauen und Männer gleichzustellen – im Beruf wie in der Familie. Heute wollen sich gut ausgebildete Frauen nicht mehr mit der Rolle als Zuverdienerin zufrieden geben. Und auch die Arbeitgeber wissen, dass sie die Frauen brauchen, wenn sie ihren Fachkräftebedarf decken wollen.

Die grüne Politik bietet einen Weg raus aus der statischen Norm - Vollzeit für Männer, Teilzeit für Frauen und zwar ab der Geburt des ersten Kindes dann ein Erwerbsleben lang. Die Arbeitszeit soll beweglicher werden - gerade in Phasen, in denen Menschen Zeit für anderes brauchen. Gleichzeitig wird damit eine Arbeitskultur gefördert, in der nicht derjenige am weitesten kommt, der am längsten am Schreibtisch sitzt.

Wenn Frauen mehr erwerbstätig sind und Männer ihre Arbeitszeit reduzieren können, hat das darüber hinaus wichtige Effekte: die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern würde allmählich abgebaut, die Chancen für den beruflichen Aufstieg auch von Müttern würden steigen und Frauen wären im Alter besser finanziell abgesichert.

Leben und Arbeiten gehören zusammen. Veränderungen in einem Bereich erfordern Flexibilität im anderen. Wir brauchen eine Balance zwischen den verschiedenen Bereichen des Lebens. Viele sind mit ihrem Arbeitszeitumfang unzufrieden. Vollzeiterwerbstätige Väter und Mütter wünschen sich eher kürzere Arbeitszeiten, viele bislang Teilzeit arbeitende Frauen hingegen Bedingungen, die es ihnen ermöglichen, ihre Erwerbstätigkeit auszuweiten.

Das Leben ist ein Puzzle aus unterschiedlichen Bereichen – der Job, unentgeltliche Arbeit, die Familie, die Partnerschaft, der Haushalt, die Freundinnen und Freunde, das gesellschaftliche Engagement, die Hobbies. Erwerbsarbeit sollte so gestaltet werden können, dass Zeit für alle Bereiche bleibt. Denn das Leben ist bunt. Und das Leben verändert sich über die Jahre. Der Lehrling hat andere Bedürfnisse als der Vater von zwei kleinen Kindern. An die Filialleiterin richten sich neue, zusätzliche Anforderungen, wenn ihre alt gewordenen Eltern Unterstützung brauchen. Ein einziges Arbeitszeitmodell reicht nicht aus für ein ganzes Erwerbsleben.

Die grüne Zeitpolitik ermöglichen Menschen ihre Arbeitszeit beweglicher zu gestalten - gerade in Phasen, in denen sie Zeit für anderes brauchen. Sie hilft ihnen, alles gut unter einen Hut zu bringen.

Flexible Vollzeit – damit Leben und Beruf besser zusammenpassen

Wir schlagen einen Vollzeit-Arbeitszeitkorridor im Bereich von 30 bis 40 Stunden vor. Innerhalb dieses Korridors sollen Beschäftigte – unter Einhaltung von Ankündigungsfristen - ihren Arbeitszeitumfang frei bestimmen können. Nur dringende betriebliche Gründe sollen das verhindern können. Der bestehende Rechtsanspruch auf Teilzeit soll um ein Rückkehrrecht auf den früheren Stundenumfang ergänzt werden.

KinderZeit Plus - damit Eltern mehr für ihre Kinder da sein können

Jedes Elternteil erhält acht Monate Unterstützung – weitere acht Monate können sie sich frei untereinander aufteilen. Alleinerziehenden stehen die 24 Monate voll zur Verfügung. Im ersten Lebensjahr des Kindes können beide Elternteile – nacheinander oder gleichzeitig – bis zu zwölf Monaten vollständig aus dem Beruf aussteigen. Arbeiten Eltern Teilzeit, verlängert sich die Bezugszeit entsprechend.

PflegeZeit Plus - damit Menschen Verantwortung für Alte und Kranke übernehmen können

Menschen, die Verantwortung für pflegebedürftige Angehörige, Nachbarn oder FreundInnen übernehmen, erhalten eine bis zu dreimonatige Freistellung. Mit einer steuerfinanzierten Lohnersatzleistung soll dies für alle Erwerbstätigen finanziell abgesichert werden, auch für Selbständige und Beamte. Über die gesamte Dauer der Pflegedürftigkeit hinweg sollen Pflegende sich jährlich bis zu zehn Arbeitstage freistellen lassen können.

Bildungszeit Plus - damit Luft bleibt, den Horizont zu erweitern

Mit einem auf ihr Einkommen zugeschnittenen Mix aus Darlehen und Zuschuss werden Erwachsene, die sich weiterbilden wollen, unterstützt. Um die Teilnahme an Weiterbildung für Berufstätige zu ermöglichen, soll die Arbeitszeit im Rahmen des grünen Modells für eine Flexible Vollzeit oder auf Basis des Teilzeit- und Befristungsgesetzes reduziert werden können. Ein Rückkehrrecht auf den früheren Stundenumfang soll sicherstellen, dass diese Reduzierung befristet ist.

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