Familie und ArbeitszeitKinderZeit Plus - damit Eltern mehr für ihre Kinder da sein können

Ein familienfreundliches Land macht es leicht, Kinder und Beruf zu vereinbaren. Doch in Deutschland tun sich Eltern oft schwer damit. Wer mangels Betreuungsplätzen oder Ganztagsschulen seine Arbeitszeit verringert oder gar aussteigt, muss um den beruflichen Anschluss fürchten. Arbeitsverhältnisse sind oft nicht auf die Bedürfnisse von Eltern zugeschnitten.

Wer Kinder beim Großwerden begleitet, braucht gezielte Unterstützung. Die grüne Bundestagsfraktion setzt sich für familienfreundliches Land ein, damit Mütter oder Väter im Job zeitweise kürzertreten können. Die Hindernisse sind derzeit unterschiedlicher Art. Sie reichen von den immer noch zu geringen Angeboten an Kinderbetreuung und Ganztagsschulen, über eine Arbeitskultur, in der am weitesten kommt, wer am längsten anwesend ist, bis hin zu Klischees, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um eine Führungsaufgabe übernehmen zu können.

Die Zeitbedarfe junger Eltern sind nach dem ersten Geburtstag des Kindes keineswegs verschwunden. Der Liebeskummer des 14-Jährigen verlangt schließlich genauso viel Aufmerksamkeit wie die Mittelohrentzündung der Jüngsten. Nichtsdestotrotz wollen oder müssen in vielen Familien beide Elternteile berufstätig sein. Ein Großteil der Eltern von Kindern im Alter zwischen einem und drei Jahren (1,7 Millionen Familien) beklagt die schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mehr als die Hälfte der Eltern hat eigenen Angaben zufolge große oder sehr große Probleme, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Vor allem Frauen werden derzeit auf alte Rollenmuster verwiesen. Sie leisten im Durchschnitt fast doppelt so viel unbezahlte Arbeit wie Männer. Während der Mann meist über das höhere Einkommen verfügt und nach der Elternzeit wieder einsteigt, kehrt die Frau mit verringerter Stundenzahl oder gar nicht in den Beruf zurück. Den Wünschen junger Paare entspricht das nicht. Gut 60 Prozent der Eltern wünschen sich eine partnerschaftliche Aufteilung der Sorgearbeit. Dies können jedoch nur 14 Prozent der Eltern in ihrem Alltag auch realisieren – nicht zuletzt, weil sie sich die Arbeitszeitreduzierung nicht leisten können. Wenn Frauen mehr erwerbstätig sind und Männer ihre Arbeitszeit reduzieren können, hat das darüber hinaus wichtige Effekte: Mehr Frauen würden ihre Existenz eigenständig sichern können, die Chancen für den beruflichen Aufstieg auch von Müttern würden steigen und Frauen wären im Alter besser finanziell abgesichert. Mit diesen Vorschlägen wollen wir es Frauen und Männern erleichtern, sich die Sorge und Verantwortung für Kinder genauso wie die Erwerbsarbeit fair aufzuteilen.

Zeit für Kinder – Familie und Beruf gehen zusammen

Immer mehr Eltern sind berufstätig. Sie wünschen sich mehr Zeit für ihre Kinder. Dabei ist es ihnen wichtig, Erwerbs- und Sorgearbeit partnerschaftlich untereinander aufzuteilen. Diese Ziele unterstützt die KinderZeit Plus: Das bestehende Elterngeld, der finanzielle Schonraum im ersten Lebensjahr, soll weiterentwickelt werden. Jedes Elternteil erhält acht Monate Unterstützung – weitere acht Monate können sie sich frei untereinander aufteilen. Alleinerziehenden stehen die 24 Monate selbstverständlich auch zur Verfügung. Im ersten aufregenden und anstrengenden Lebensjahr des Kindes können beide Elternteile – nacheinander oder gleichzeitig – für maximal zwölf Monate vollständig aus dem Beruf aussteigen. Danach federt die KinderZeit Plus eine Arbeitszeitreduzierung finanziell ab, damit alle – auch Menschen mit niedrigerem Einkommen - sich eine solche Reduzierung leisten können. Nutzen Eltern die KinderZeit Plus, um Teilzeit zu arbeiten, verlängert sich die Bezugszeit entsprechend. Die KinderZeit Plus hilft Eltern zudem, wenn das Kind bei der Ein- oder Umschulung mehr Aufmerksamkeit braucht. Denn sie lässt sich bis zum 14. Geburtstag des Kindes nehmen. Die KinderZeit Plus gibt Eltern größere Entscheidungsspielräume, erleichtert Müttern einen schnellen Wiedereinstieg in den Job oder die Ausbildung und unterstützt eine vollzeitnahe Teilzeit beider Eltern nach dem ersten Lebensjahr eines Kindes.

Mehr zum Thema Zeitpolitik

Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.

4398543