PflegePflegeZeit Plus - damit mehr Menschen Pflege und Beruf vereinbaren können

In Deutschland wächst die Zahl der Menschen, die Unterstützung und Pflege brauchen. Wer sich um seine demente Mutter kümmert oder dem alleinstehenden älteren Nachbarn zur Hand geht, übernimmt eine gesellschaftliche Aufgabe und verdient unsere Wertschätzung und Unterstützung. Das zeigt sich auch darin, dass wir Frauen und Männer entlasten, die sich um Ältere kümmern, und sie finanziell unterstützen, wenn es nötig ist.

Häufig leisten Frauen diese Aufgabe neben ihrem Beruf oder unterbrechen für längere Zeit ihre Berufstätigkeit, nehmen Verdienstausfälle, langfristige Einkommenseinbußen und geringere Rentenansprüche in Kauf. Ein Wiedereinstieg auf dem vorherigen Niveau ist oft schwer möglich. Es muss in Zukunft leichter werden, die Sorge für andere Menschen mit Berufstätigkeit zu vereinbaren und Phasen des Komplettausstiegs kurz zu halten.

Zur Wertschätzung dieser wichtigen Aufgabe gehört es auch, die Fürsorgearbeit in der Arbeitswelt aufzuwerten. Denn pflegende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen wichtige Erfahrungen in die Unternehmen ein und verdienen Unterstützung.

Die sozialen Beziehungen und Netzwerke von Menschen haben sich in den letzten Jahren verändert. Familie zum Beispiel sind nicht länger nur Eltern und Kinder. Deshalb sollen auch Menschen ohne verwandtschaftliche Beziehung einen Anspruch auf Pflegezeit für pflegebedürftige Person anmelden können und Lohnersatzleistungen erhalten, wenn sie sich etwa um die alte Freundin, den langjährigen Vereinskameraden oder die Nachbarin kümmern wollen.

Gute Arbeitszeitmodelle allein sind nicht ausreichend, damit Menschen Pflege und Beruf verbinden können. Die gesamte pflegerische Versorgungsstruktur muss besser und mehr auf die Bedarfe der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen abgestimmt werden. Damit es überhaupt möglich ist, bei gleichzeitiger Berufstätigkeit zu pflegen, müssen flankierende Angebote an Beratung, Betreuung und Unterstützung ausgebaut werden.

Zeit für alte Menschen – Für andere sorgen, verdient Unterstützung

Die grüne PflegeZeit Plus ermöglicht eine bis zu dreimonatige Freistellung für Menschen, die Verantwortung für pflegebedürftige Angehörige, Nachbarn oder FreundInnen übernehmen: Damit wird ihnen die Möglichkeit gegeben, sich um die Organisation der Pflege zu kümmern, den Pflegebedarf einzuschätzen, sich über Leistungsangebote und -ansprüche zu informieren, diese zu beantragen und die jeweils notwendigen Hilfen zu organisieren. Die grüne PflegeZeit Plus soll ausreichend Zeit geben, um einen sterbenden Menschen in seinen letzten Wochen begleiten und pflegen zu können. Mit einer steuerfinanzierten Lohnersatzleistung - ähnlich wie beim Elterngeld - soll dies für alle Erwerbstätigen finanziell abgesichert werden, auch für Selbständige und Beamte. Diese Leistung müssen die Angehörigen – im Gegensatz zu den Darlehen, die das jetzige (Familien)Pflegezeitgesetz vorsieht – nicht zurückzahlen.

Da die Lohnersatzleistung der grünen Pflegezeit sich am Einkommen orientiert, wird sie auch für Besserverdienende – und anderem auch für mehr Männer zur Option.

Auch wenn alles gut organisiert ist, kann es nötig sein, kurzfristig zu reagieren. Ein wichtiger Arztbesuch steht an, der alte Vater hat sich eine schwere Erkältung eingefangen, die Freundin ist gestürzt. Dafür sollen Pflegende sich – im Gegensatz zum geltenden Pflegezeitgesetz – über die gesamte Dauer der Pflegedürftigkeit hinweg jährlich bis zu zehn Arbeitstage freistellen lassen können, bei Zahlung einer Lohnersatzleistung ähnlich wie für Eltern, deren Kind krank ist.

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