Grüne Tulpe - Rank Xerox

Ein Hauch von Wembley

101. Minute in der Verlängerung, ein ausgeglichenes Spiel und dann das:  Der Schuss knallt an die Unterkante der Latte und springt von dort senkrecht nach unten. Bevor ein Spieler klären kann entscheidet der Schweizer Schiedsrichter auf Tor für den Gegner.

Aber beginnen wir von vorne. Pünktlich zum Anpfiff fanden sich die Tulpe und Rank Xerox im Stadion der Hauptstadt ein (eine weitere Parallele). Einzig und allein der Schiedsrichter fehlte. Dankenswerterweise erklärte sich der Trainer von Rank Xerox bereit, das Amt zu übernehmen. Er erwies sich als wesentlich neutralerer Leiter des Spiels als sein Schweizer! Pendant anno 1966. Somit konnte die Partie mit leichter Verspätung beginnen.

Es entwickelte sich sofort ein munteres Spiel mit Chancen auf beiden Seiten. Rank Xerox bewies zum wiederholten Mal, dass sie den Ball gut laufen lassen können. In der Nähe des Tulpenstrafraums war jedoch meist Endstation. Die etatmäßige Vierkette um Rückkehrer Stefan Witt (wurde yum dritten Mal Vater -nochmal Glückwunsch!, Anm. der Red.) zeigte sich gut erholt von letzter Woche und ließ lediglich Fernschüsse zu. Diese hatten es jedoch in sich, so dass Xerox allein in der ersten Halbzeit 2 Lattentreffer aus solchen Aktionen verzeichnete. Nach einem Eckball landete zudem noch ein Kopfball am kurzen Pfosten.

Doch auch die Tulpe (und nicht nur die Nationalmannschaft) scheint ein unerschöpfliches Reservoir an guten Torhütern zu haben. Diesmal war es der souveräne Andre Bornstein, der den leider noch verletzen Jochen Schieborn vertrat und eine klasse Leistung zeigte. In der 15. Minute bewahrte er mit einer tollen Parade die Tulpe vor einem Rückstand, als er in einer 1:1 Situation in Neuer-Manier klärte.

Auf der Gegenseite ließ aber auch die Grüne Tulpe den letzen Biss vor dem Tor vermissen und ihre Chancen liegen. Gute Spielzüge wurden so nicht von Erfolg gekrönt. Präsident Markus Kurdziel und Spielertrainer Kristoffer "Toffi" Born scheiterten allein vor dem Torhüter der Gäste. Toffi hatte kurz in der 24. Minute die beste Chance der ersten Hälfte. Nach einem wunderschönen Pass von Tim Mahler in die Spitze sprintete Toffi allein auf das Tor zu. Kurz vor dem 16er lupfte er das Bällchen über den herauslaufenden Torhüter. Doch der gute Xerox-Keeper berührte das Leder noch leicht mit den Fingerspitzen und so segelte es nicht ins Netz sondern patschte auf die Latte und von dort ins Toraus. 

Gegen Mitte der ersten Halbzeit begrüßte die grüne Mannschaft dann mit Alex Bögle eine altverdiente Tulpe. Nach 4 Jahren Abstinenz lief Alex damit wieder im Dress der Tulpe auf, was entsprechend mit viel Beifall gewürdigt wurde. Sein Kurzeinsatz und somit sein kleines Comeback im grünen Trikot wurde durch einen kurzfristigen Berlin-Besuch möglich. Alex fand sich Mitte der 1. Hälfte dann auf der 6er Position wieder. Eine Position, die es zu seiner Spielzeit bei der Tulpe noch gar nicht gab. Dies war vielleicht auch ein Grund, warum er kaum Bindung zum Spiel der Tulpe fand. Doch wie immer kämpfte sich Alex durch, gab alles und erreichte mit seiner Tulpe den wohlverdienten Halbzeitpfiff. Folgerichtig ging es mit 0:0 in die Pause. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand die Parallele zu Wembley vorher.

Die Seiten wurden obligatorisch getauscht aber das Spiel blieb auf Messers Schneide. Bald wussten alle Beteiligten, dass heute das erste Tor entscheiden kann. Xerox blieb gefährlich, doch auch die Chancen der Tulpe häuften sich. Immer wieder erwies sich jedoch der Torwart der "Drucker" als unüberwindbar in 1:1 Situationen. Die Männer in den Grünen Trikots dagegen hatten Glück, als nach einem Eckball der Ball die Linie entlang trudelte, ehe er von Ian Darcy in letzter Sekunde noch vor dem bereit stehenden Xerox-Füßchen geklärt werden konnte.

Die Tulpe erhöhte darauf hin nocheinmal den Druck. Das grüne Mittelfeld um die sehr stark spielenden 6er Simon Bruhn und Tim Mahler drückten dem grünen Spiel den Stempel auf und wussten mit cleveren Tempowechseln und tollem Passspiel das grüne Offensivspiel zu steuern. In der 70. Minute war der Bann dann auch endlich gebrochen. Besagter Tim Mahler spielte einen wunderbaren Pass auf den in der Mitte gestarteten Toffi Born, der diesmal alleine vor dem Tor nicht lange fackelte und zum vielumjubelten 1:0 traf.

Jetzt musste Rank Xerox alles nach vorne werfen und es kam zur Szene des Spiels. Ein Flachpass in den Strafraum wurde gekonnt aufs Tor gelenkt. Torhüter Andre Bornstein bekam gerade noch die Fingerspitzen an den Ball. Doch der Schuss des "Geoff Hurst von Xerox" knallte an die Latte und von dort zurück ins Feld. Wie wir alle heute Wissen war der Ball NIE im Tor, weder am 30. Juli 1966 in London, noch am 27. Juni 2010 in Bloemfontein und auch nicht am 05. März 2012 in Berlin. Selbst ein Xeroxer gab noch an Ort und Stelle zu, dass der Ball nicht im Tor war.

Zum Glück hatte es diesmal auch der Referee richtig gesehen und entschied auf weiterspielen. Ein Lob an den Unparteiischen, wohl gemerkt Trainer der leid -und aluminiumgeprüften Xeroxianer.

Nach dieser Aktion war klar, dass kein weiteres Tor mehr fallen würde. Die Tulpe vergab noch beste Konterchancen und Rank Xerox musste dem hohen Tempo und dem höheren Durchschnittsalter Tribut zollen. Damit gelang es dem grünen Team den knappen Vorsprung über die Zeit zu retten und einen 1:0 Sieg einzufahren. Eine Verlängerung mit einer 101. Minute und eine weitere folgenschwere Fehlentscheidung blieben Fußballdeutschland somit erspart.

Fazit: Der knappe Sieg der Grünen Tulpe geht in Ordnung. Angesichts der guten Chancen von Rank Xerox hätte die grüne Mannschaft das Spiel aber auch 0:1 verlieren können. Es war über weite Strecken ein sehr ausgeglichenes Spiel, mit einem leichten Chancenplus für die Tulpe in der 2. Halbzeit. Die Zuschauer hatten eine wirklich spannende, hochklassige und überaus faire Partie gesehen, die erst spät durch den Treffer des Tages entschieden wurde.