Grüne Tulpe - Rank Xerox

Ein Gutes hatte es ja, dass die Tulpe "nur" zu Elft ins erste Saisonspiel ging: Immerhin musste an der Seitenlinie keiner frierend die Spielminuten bis zum Einsatz runterzählen. Die Xeroxianer lösten ihr "Luxus-Problem" übrigens auf eine ganz besondere Weise. Schließlich hatte der Schiri ja zwei Fähnchen mitgebracht und so verdingten sich die Auswechselspieler kurzerhand als Linienrichter auf Ballhöhe. So hatte auch der Unparteiische etwas vom "Warmlaufen". Wenn das mal keine Win-Win-Situation ist.

Der Kunstrasen auf dem Lichtplatz war aufgrund der bitterkalten Temperaturen der letzten Tage natürlich bretterhart gefroren. Er sah nicht nur aus, sondern fühlte sich auch an, wie ein grünweißer Betonplatz. Doch beide Teams waren so heiß auf das erste Spiel des Jahres, dass es auf beiden Seiten niemanden gab, der sich über die schwierigen Platzverhältnisse beschwerte.

Als das Bällchen dann schließlich erstmalig im neuen Jahr über das harte Grün zu hoppeln begann, merkte man zumindest der Grünen Tulpe die lange Zwangs-Winterpause an. Ballannahme und Passgenauigkeit ließen zunächst zu wünschen übrig. Doch der Wille zum gepflegten Kurzpassspiel war immerhin zu erkennen. 

Auch der Gegner Rank Xerox hatte mit Startschwierigkeiten zu kämpfen, wobei ihr langer Kapitän allerdings für mächtig Dampf im grünen Mittelfeld sorgte. Bei ihm landeten zunächst alle Bälle, die er auch gekonnt zu verteilen wusste. Die Doppelsechs der Tulpe- Finn Pelke und Hartwig Mayer - mussten schon in der ersten Spielphase ihre Defensivstärken beweisen.

Offensiv sorgten an diesem Abend das Tulpe-Sturmduo Andrea Pürstinger und Jürgen Stark für Gefahr vor dem Rank-Xerox-Gehäuse. Erstmalig in der 8. Minute, als Andrea wunderschön in den Lauf auf Jürgen passte und der aus gut 11 Metern ohne Zögern auf Tor abzog. Leider direkt in die Arme des gegnerischen Torhüters. Doch damit war ein erstes grüne Ausrufezeichen gesetzt.

Die grüne Mannschaft kam von da an immer besser ins Spiel. Über die Außen sorgten Aaron Greicius und Kristoffer Born mit ihren gefährlichen Flanken für Gefahr und auf Höhe des 16ers lauerte immer ein Grüner zu mAbschluss bereit. In der 12. Minute versuchte es Finn Pelke mit einem ebensolchen Weitschuß, der aber auch direkt in die Arme des guten Xerox-Keepers flog.

Apropos Keeper. Nachdem auch der grüne Stammtorhüter Jochen Schieborn für den Abend wegen Krankheit leider absagen musste und kurzfristig kein Torwart-Ersatz mehr zu bekommen war, erklärten sich vier Feldspieler bereit, mal für jeweils eine halbe Halbzeit den Schlußmann zu spielen. Das Torwartwartproblem war so schnell gelöst worden. Das Torwart-Handschuh-Problem- es waren keine im Ersatz-Trikotsatz vorhanden- konnte glücklicherweise auch schnell gelöst werden. Der Platzwart hatte noch ein Paar warme Torwarthandschuhe für solche Fälle in Peto.

Als erster der vier "Greenkeeper" stand Ralf Südhoff im Tor. Der hatte bis zur 14. Minute auch einen ruhigen und kalten Abend. Dann jedoch flog die erste Xerox-Ecke lehrbuchmäßig in den grünen Strafraum. Der Ball mit Effet segelte über Ralf und seine Recken hinweg. Am langen Pfosten wartete das Köpfchen des langen Rank-Kapitäns und der nickte souverän zur überraschenden Gästeführung ein. 0:1

Die Tulpe ficht das Gegentor nicht an und sie spielt munter weiter nach vorne, als wäre nix passiert. Und das mit Erfolg. Immer besser wurde nun der freie Platz im Mittelfeld genutzt. Finn und Hartwig stießen immer wieder mit ihren schnellen Vorstößen in die Drucker-Zone und wirbelten so die gegnerische Verteidigung ordentlich durcheinander.

Einige gute Torchancen waren Folge. Eine führt in der 19. Minute zur Ecke. Und bei dieser zeigt sich, dass erfolgreiches Kopieren nicht nur eine Spezialität von Rank Xerox ist. Auch die Tulpe beherrscht das Handwerk. Kristoffer Born schlägt auch eine Ecke auf den langen Pfosten. Dort steht mit Stefan Witt -wie sollte es anders sein- der längste Grüne bereit und köpft unbedrängt zum verdienten 1:1- Ausgleich ein. Köpfchen muss man haben und dann klappts auch mit dem Kopieren.

Bevor aber wieder angepfiffen wurde, wechselte wie vorher abgesprochen Hartwig Mayer ins Tor und Ralf Südhoff übernahm seine Rolle im zentralen Mittelfeld. Ralfs erster Pass auf Andrea einige Minuten später war es dann auch, der zur nächsten gefährlichen Situation vor dem Xerox-Gehäuse führte. Die flinke Andrea war in Richtung Rank-Tor unterwegs und konnte auf Höhe des 16ers nur noch durch ein Foul gestoppt werden.

Der folgerichtige Freistoß war dann eine Sache für den grünen Kapitano Kristoffer Born. Der legte sich das Leder für sein linkes Füßchen zurecht, guckte kurz über die Mauer, um dann mit einem gezielten und strammen Schuß ins rechte Eck zu verwandeln. 2:1. Auch ein Icke Häßler hätte das nicht besser machen können. Der hatte seiner Zeit als Jugendlicher im Dress von Meteor Berlin auch solche Freistöße im Poststadion getreten. Heiliger Boden also.

Für Tulpe-Rückkehrer Jürgen Stark ist das Poststadion ebenfalls heiliger Boden. In seinem Abschiedsspiel 2006 hatter er gegen die SG Deutscher Bundestag nicht weniger als 6 Mal getroffen. Jetzt wieder zurück in Berlin und im Tulpe-Dress spielte er wieder munter auf und nutzte in der 37. Minute eine Unachtsamkeit der Rank-Defensive. Sein Schuß aus kurzer Distanz prallte vom Verteidiger ab, traf den Torhüter und von dort wieder Jürgens Bein. Der erneute Abpraller rollt dann seelenruhig zum 3:1 über die Linie. Mit diesem kuriosen Tor war die Tulpe auf der Siegerstraße und Jürgen konnte sich nach ein paar Jahren Torpause über seinen 48 Treffer freuen. 

Doch nun hieß es für ihn erstmal die Torwarthandschuhe überzustreifen. Es war nämlich Pause und er musste nun den Keeper geben. Hartwig kehrte dafür ins defensive Mittelfeld zurück. Kapitän Kristoffer Born, der sich beim tollen Freistoßtor leider eine leichte Zerrung zugezogen hatte, wechselte vom linken ins zentrale Mittelfeld. So konnte er immerhin noch als Ballverteiler wirken.

Rank Xerox erhöhte nach Wiederanpfiff den Druck und wollte natürlich unbedingt den Anschlusstreffer erzwingen. Die grüne Abwehr war jetzt erstmals richtig gefordert. Die beiden Innenverteidiger Stefan und Stephan mussten einige Male in Unterzahl klären. In der 56. Minute wurde einer aus der Druckerkolonne im Tulpe-Strafraum unsanft von den Beinen geholt und der Schiri entschied ohne Zögern auf Elfmeter. Diese Chance ließ sich Rank Xerox nicht nehmen und verkürzte auf 2:3

Das Spiel war wieder offen. Als Keeper Jürgen in der 69. Minute dann einen vom Schiri als Rückpass gewerteten Ball aufnahm, gab es quasi erneut Elfmeter. Allerdings diesmal indirekten Elfmeter mit grüner Mauer kurz vor der Torlinie. Zum Glück für die Tulpe war diese Standardsituation keine Spezialität der Berliner Papiertiger. Beinahe kläglich vergaben sie die große Chance auf den möglichen Ausgleich.

Wenige Spielzüge später pfiff der Unparteiische schon wieder Elfmeter. Diesmal allerdings auf der anderen Seite. Finn Pelke hatte sich schön in den Rank-Strafraum durchgetankt, war aber vor seinem Abschluss nur noch durch ein Foul zu stoppen. Der Gefoulte trat selbst an und wollte natürlich die Etnscheidung klar machen. Doch der RX-Keeper ahnte die Ecke und hielt seine Mannschaft mit einer tollen Parade weiter im Spiel.

Allerdings nur für ein paar Minuten. Ein schöner Angriff in der 75. Minute über die linke Seite mit einer wunderbaren Hereingabe von Hartwig Mayer landet in der Mitte genau im Fuß des inzwischen wieder stürmenden Jürgen. Der fackelt nicht lange und haut das Leder unhaltbar zum 4:2 in die Maschen der Rankianer.

Mit Tor Nummer 49 für Jürgen glaubten die Tulpen fünfzehn Minuten vor Schluss den Sieg schon sicher in der Tasche zu haben. Doch da hatte man die Rechnung ohne die Drucker gemacht. Xerox konterte geschickt und erzielte tatsächlich drei Minuten vor Schluss noch das 3:4. Kurz wurden die grünen Tulpen nervös, aber der Anschlusstreffer von Rank Xerox kam an diesem Abend zu spät und die grüne Fraktionsmannschaft hatte den ersten Saisonsieg eingefahren.

Fazit: Der erste Sieg im ersten Spiel war zwar ein knapper, aber auch ein verdienter grüner Sieg. Trotz der langen Winterpause lief das Bällchen gegen Rank Xerox erstaunlich gut durch die eigenen Reihen. Nur im konditionellen Bereich sah man der ein oder anderen Tulpe an, dass es noch ein paar Spiele braucht, bis wieder gute 90. Minuten machbar sind. Daher ist bei den nächsten Spielen besonders wichtig, wieder auf die Möglichkeit des Auswechsels zurückgreifen zu können.