Grüne Tulpe- SG Deutscher Bundestag

Männer auf Eis

Dem leidgeprüften englischen Fußballer Gary Lineker ist das große Zitat zu verdanken, das für Fußballdeutschland vor der EM im Sommer diesen Jahres wie neu erfunden erscheint: „Fußball ist ein Spiel, bei dem 22 Spieler hinter einem Ball herjagen und am Ende gewinnt immer Deutschland.“

Und so war es mal wieder, als die Grüne Tulpe an einem immer noch winterlich kalten Montagabend auf die Sportgemeinschaft des Deutschen Bundestages traf. Nach dreiwöchiger, durch strengen Frost erzwungenen, Winterpause war deutlich Bewegungsfreude auf beiden Seiten zu erkennen. Diese wurde jedoch durch eisig hart gefrorenen Boden in ihrer Zielgerichtetheit deutlich eingeschränkt, womit auch schon eine schlüssige Erklärung für die vielen unfreiwilligen Bodenberührungen in einem sonst vorbildlich fairen Freundschaftsspiel gegeben war (das von Schiedsrichterobmann Alexander Krause - um diesen auch einmal in einem Spielbericht ausdrücklich zu würdigen - ebenso souverän wie gewohnt wortreich geleitet wurde).

Trotz der widrigen Bedingungen ergaben sich eine Reihe durchaus sehenswerter Spielzüge, was eine mutige Feststellung ist, weil es dafür – wie eigentlich jeden Montagabend - auch an diesem an einem möglicherweise unvoreingenommenen Betrachter fehlte, um dies tatsächlich objektiv beurteilen zu können. Deshalb bleibt es an dieser Stelle bei dieser subjektiven Wertung eines der Teilnehmer, die sich auch im Kampf gegen Erfrierungen mehr als gewöhnlich als Anspielstation anbot.

Auf alle Fälle hatte die Grüne Tulpe ihren Gegner in der ersten Hälfte ziemlich im Griff, spielte durchaus variantenreich immer wieder nach vorne und hatte aus aussichtreicher Situation mehrfach neben das gegnerische Tor geschossen rsp. geköpft (Namen sind der Redaktion bekannt). Und so stand zur Pause ein torloses Unentschieden zu verzeichnen; das hatte für die SG Bundestag zum gleichen Zeitpunkt schon mal schlechter ausgesehen (z.B. vor drei Wochen, siehe Spielbericht).

Während Schiri Krause in die Kabine eilte, um verständlicherweise von kurzer auf lange Hose zu wechseln, übte sich die Grüne Tulpe in Selbstzufriedenheit, wie gut man doch stehe und laufe, wie knapp doch das Tor immer verfehlt worden wäre, und dass der Ausfall von Stammtorwart Jochen Schieborn durch Tresfore Dambé ja beinahe kompensiert worden sei.

Dann kam Schiri Krause wieder aufs Feld, für die Tulpe opferte sich Ralf Südhoff als Torhüter und es bewahrheitete sich eine weitere Fußballwahrheit: das Spiel hat 90 Minuten und Hochmut… kommt vor dem ersten Gegentreffer. Denn ein frecher Bundestagsstürmer – wie seine Kollegen irritierend schwarz-giftgrün gekleidet – erkannte, dass der Tulpen-Ersatzkeeper, wahrscheinlich wegen gefühlter 2,70 Meter Körpergröße, etwas zu weit vor seinem Kasten stand. Was auf der Linie stehend vielleicht eine Herausforderung geworden wäre, war so unhaltbar:  0:1.

Aufmunternde Worte, noch war das Spiel ja nicht zu Ende. Und schon fast im Gegenzug stand es 1:1. Nach einem Eckball, bei dem der Ball rätselhafterweise an Freund und Feind vorbei, aber immer der Linie entlang sprang, stand Mittelstürmer Markus Kurdziel an der richtigen Stelle und hatte keine Mühe, den Ball über die Linie zu drücken. Freude allenthalben, sollte es wieder enden wie immer?

Doch nur wenige Minuten später lag der Ball schon wieder im Tulpen-Netz. War es ein tödlicher Rückpass oder lag es doch am gefrorenen Boden? Auf alle Fälle ging dann erst einmal kein Ruck mehr durch die Mannschaft, sondern Lähmung zog ein in die ermüdenden und auskühlenden Knochen. Es begann eine etwa fünfzehnminütige Depressionsperiode, die alle Tulpen-Selbstzufriedenheit in der Pause Lügen strafte. Da halfen auch kein aufmunterndes Schwingen mit dem Fotoapparat oder der Hinweis auf das Antritts-Freibier durch den neuen Tulpen-Coach Toffi Born (erkältungsbedingt zum Zuschauen verdammt).

Durchaus munter dagegen – und nur durch permanentes eigenes Wechseln geschwächt – erspielten sich die Bundestags-Kollegen einige Chancen, wenn auch nicht wirklich zwingende.

Noch waren 20. Minuten zu spielen. Tulpen-Trainer Born reagierte und löste die Vierer-Kette auf, um wieder mehr Druck ins grüne Offensivspiel zu bringen. Er beorderte Ralf Südhoff, der inzwischen von Simon Bruhn im Tor abgelöst war, auf die Zehner-Position. Und so nahm das Spiel bald wieder den gewohnten Lauf des parlamentarischen Klassikers: Tim Mahler (ein körpersprachlicher Doppelgänger des verdienstreichen Dietrich Brockhagen) spielte sich rechts durch, flankt und den Ball erläuft sich halblinks Ian Darcy. Der tankt sich in seiner unnachahlichen Art durch und schon steht es dank eines satten Flachschusses ins rechte Eck 2:2.

Vielleicht war es auch einfach nur perfide, bei den vorherrschenden Außentemperaturen die Abwehr der Sportgemeinschaft so lange in Sicherheit zu wägen. Denn kaum war der Jubel über den Ausgleich verklungen, da preschte Tulpenneuerwerbung Ian Darcy wieder unwiderstehlich nach vorne. Sein Schuß kann gerade noch  zur Ecke geklärt werden. Die anschließende Ecke fliegt zur Überraschung aller Umstehenden auch über den Bundestagstorhüter hinweg, auf den Fuß von Andrea Pürstinger, die locker zur 3:2 Tulpe-Führung einschiebt.

Nun brachen alle Dämme, hektisches Tauschen beim Bundestag brachte nicht mehr die Wende, und wenig später folgte dann der letzte Streich: physikalisch eigentlich unerklärlich, erlief sich Ian in der gegnerischen Hälfte wieder einen langen Ball und legte eine solche Beschleunigung auf das eisige Parkett, dass ihm dafür nicht nur durch die Tulpen Staunen und Anerkennung zu Teil wurden. Unwiderstehlich ist sein Drang nach vorne, und souverän seine Ballbehandlung. Und so war der Endstand mit 4:2 markiert.

Lag es am gerade erst wenige Tage zurückliegenden Groundhog-Day, dass sich die Bundestags-Kicker nicht mehr aufbäumten? Wir werden es vielleicht erfahren – denn im Berliner Parlamentsfußball sieht man sich bekanntlich mehrfach im Jahr. Und das immer wieder gerne. Nicht nur wegen des Ergebnisses.