Grüne Tulpe - SG Deutscher Bundestag

Am Geburtstag des Grundgesetzes gegen die SG Deutscher Bundestag. Strahlend blauer Himmel. Angenehme 20 Grad Celsius; ein Hauch von Wind, der über den gepflegten Kunstrasen dahinweht. Die Kulisse suchte ihresgleichen. Selbst Familie Wienges war angereist, um sich das Parlamentsderby anzusehen, was nun schon zum dritten Mal in diesem Jahr stattfinden sollte.

Und kam dieser Gegner für die Tulpe nicht wie gerufen? Nach einer derben Klatsche in der vorherigen Woche und eingedenk der souveränen Siege gegen die SG im laufenden Jahr gab sich die Tulpe selbstbewusst. Dieses Selbstbewusstsein schien jedoch fließend in fahrlässige Unachtsamkeit überzugehen. Aber dazu sogleich.

Zunächst sei das Ausgangsszenario verdeutlicht. Die Tulpe in grün, die SG in schwarz. Der Platz liegt aufgrund umstehender Bäume hälftig im Schatten und nachdem grün am Tag zuvor die Bremenwahl gegen schwarz gewonnen hatte, verliert die grüne Tulpe nunmehr gegen schwarz die Seitenwahl und blickt für die ersten 45 Minuten in die gleißende Abendsonne. Aber das ficht die Tulpe nicht an, Keeper Jochen Schieborn lässt sich mit Schirmmütze, neudeutsch Cappy, versorgen und gut ist.

Doch nichts ist gut. Obwohl die Tulpe im gewohnten 4-4-2 System aufläuft und im Trainingscamp vor einem Monat ausgiebige Taktikschulungen erfuhr; und obwohl in der Abwehr von links nach rechts mit Markus Meyer, Sebastian Wienges, André Bornstein und Stefan Witt eine erprobte und leistungsstarke Abwehrriege zur Tat schreitet, brennt es von Beginn an lichterloh im Sechzehner der Tulpe.

Das ist jedoch weniger der Leistung besagter Abwehrrecken geschuldet, als vielmehr dem Umstand, dass die Tulpe nach zaghaften Vorstößen in die Nähe des gegnerischen Strafraums nicht hurtig genug den Rückwärtsgang einlegt und das Mittelfeld in der Folge von spritzig-lauffreudigen Spielern des Bundestages überrollt wird. Dadurch entstehen kontinuierlich Überzahlsituationen zugunsten des Bundestages, dessen Spieler das geschickt nutzen und mit zwei, drei Querpässen regelmäßig einen freien Mitspieler am langen Pfosten finden.

So auch in Spielminute fünf. Nur dass die Situation vorm letzten gefährlichen Querpass eigentlich von André Bornstein erkannt wird und er in den Passweg rennt, um den Ball galant abzufangen.

Um nachzuvollziehen, was sich dann ereignete, mussten wir im Exklusivinterview in der Kabine nachfassen. Denn für die außenstehende Wienges-Family musste es den Anschein erwecken, André habe den Ball schlichtweg verstolpert, weil er von der Abendsonne geblendet wurde. Dazu aufklärend Bornstein: "Es erschien mir zu banal, den Ball einfach wegzuschlagen. Ich wollte die Situation spielerisch lösen." 

Festzuhalten bleibt jedenfalls, dass Bornstein zu Boden geht und der Ball damit für den Gegenspieler verfügbar wird, der sein Glück kaum fassen kann und auch ohne zu fackeln abzieht. Allerdings hatte sich der Tulpen-Gigant Schieborn todesmutig wie eh und je in die Flugbahn geworfen. Der Ball prallt dann aber ungünstig ab und einem anderen Spieler der SG Bundestag vor die Füße, welcher das Leder kaltblütig und präzise links ins Tor schiebt. 0:1 und lange Gesichter bei der Tulpe.

Was den Rest der ersten Halbzeit anbelangt, so lässt sich das mit der frustrierten Halbzeitanalyse der Mittelfeldspielerin Frauke Prüser gut zusammenfassen: Das Spiel der Tulpe war (zu) hektisch. Leider fehlten der Mut und die Geduld, Bälle mal zu halten, sich der Mitspieler zu vergegenwärtigen und sich über Kurzpassspiel Vertrauen zu holen, Gefährlichkeit auszustrahlen und via Spielzug vorm gegnerischen Tor aufzutauchen.

Und in der Tat - irgendwie gelingt der Transfer von der Abwehrkette zum Mittelfeld nicht, in dem Jan Landmann, Frauke Prüser und Finn Gerlach zwar bemüht wirken und wirbeln, aber nur selten Pässe aus der eigenen Abwehr gezielt zu den Sturmspitzen, Andrea Pürstinger und dem Routinier Markus Kurdziel, weiterzuleiten vermögen. Weil die SG Bundestag auch nahezu Vorchecking spielt und entsprechend weit in die Hälfte der Tulpe aufrückt, wird stattdessen von der Abwehr oder dem tief stehenden Mittelfeld der Tulpe regelmäßig ein langer Pass in den Raum gespielt, den es dann vom Sturmduo der Tulpe zu erlaufen gilt. Diese Variante raubt Kräfte, führt aber immerhin zu einigen Torabschlussversuchen und diversen Eckstößen für die Tulpe.

Aber auch die Ecken bringen die Tulpe maximal gefühlt dem Toreinschlag näher. Zwei Mal in Folge touchiert André Bornstein bei Ecken den Ball mit dem Kopf, bekommt aber keinen Druck hinter den Ball, so dass er (der Ball) in Richtung Toraus fliegt. Die wohl verheißungsvollste Szene hat der bis hierhin zu Unrecht unerwähnte Jürgen Stark, der der Tulpe nach einer längeren Verletzungspause wieder zur Verfügung steht und auf der Sechser-Position eine hervorragende Figur machte. Nach Flanke von rechts fasst sich Stark ein Herz und zieht ab, wobei der Schuss geblockt wird. Der Ball kommt jedoch retour und Stark nimmt intuitiv die zweite Gelegenheit wahr, um per Dropkick-Vollspann loszuballern. Der Schuss peitscht durch die Luft, verfehlt aber die Latte um Haaresbreite.

Als man sich allseits auf den Pausenpfiff einstellt, werden die Bemühungen der Tulpe dann doch noch belohnt. Symptomatischer Weise entsteht das Tor durch Kampfgeist und Zufall und nicht durch Zuspiel: Abermals kommt der Ball per Flanke von der rechten Seite in hohem Bogen, woraufhin André Bornstein mit einem Gegenspieler gleichzeitig zum Kopfball hochsteigt. Der Ball springt sodann Finn Gerlach im Sechzehner glücklich auf den Fuß, der seine wuchtigen 75 Kilo einsetzt, um den Ball erst abzuschirmen und dann rechts am Torwart der SG Bundestag vorbei einzunetzen. Neuer Spielstand 1:1.

Pausenpfiff. Ansprache des Teamchefs Sebastian Wienges. In gewohnter Manier und ohne Rücksichtnahme auf Befindlichkeiten analysiert Wienges das Geschehen, redet auf einzelne SpielerInnen ein und stellt schließlich auf ein defensiveres 5-3-2 um.

Obwohl mit Lennart Krause, einer jungen Nachwuchshoffnung der Tulpe, und Sebastian Tschirbs, dem Sturmjoker par excellence, frischer Wind ins Spiel kommt, ist die Lernkurve der Tulpe erschreckend niedrig, zumal sie den gleichen Start wie zu Beginn des Spiels hinlegt.

Keine 5 Minuten sind gespielt. Ein Ball des gegnerischen Rechtsaußen gelangt ins Mittelfeld, wo ein junger Spieler der SG Deutscher Bundestag den Ball annimmt, noch drei bis vier Schritte macht, nicht ernsthaft angegangen wird – was wohl auch seiner unscheinbaren Statur und dem zarten Alter geschuldet war – und einfach mal aus 25 Metern drauf hält. Der Ball segelt links knapp neben dem Pfosten ins Tor. Selbst Tulpe-Adler Schieborn kann da nichts ausrichten. Ein Sonntagsschuss. Könnte man meinen, aber die bittere Wahrheit ist, dass in der Folge noch mindestens drei weitere solcher Kaliber ihren Weg aufs gefährdete Tor der Tulpe finden und allesamt Aluminium streifen.

Die Tulpe läuft dann dem 1:2 hinterher. Eine ernst zu nehmende Antwort bleibt aus. Das Spiel flaut etwas ab und man hat noch wenige Begegnungen erlebt, bei denen derart häufig der Schiedsrichter um Ansage der verbleibenden Spielzeit gebeten wurde. Circa 10 Minuten vor Schluss vermag der wohlgesinnte Spielbetrachter noch einmal ein nennenswertes Aufbäumen der Tulpe zu erkennen. Die Tulpe sucht ihr Heil in bedingungslosem Kick and Rush. Ein Kick – nach einem selten zu beobachtenden, schnellen Umschalten der Tulpe von Verteidigung auf Angriff – findet den rushenden Sebastian Tschirbs (oder war es Andrea Pürstinger, die den Ball bekam und frauschaftsdienlich wie stets den Sturmpartner bediente?).  Tschirbs eins gegen eins mit dem Torwart, der sich aufplustert und Tschirbs dadurch veranlasst, frühzeitig den Abschluss zu suchen. Der Ball geht knapp am Tor vorbei. It was just that kind of day!

Am Ende müssen die Tulpen eingestehen, dass das Ergebnis schmeichelt. Denn in den letzten  Minuten ist die Kehrseite der Tulpenoffensive eine Vielzahl an Konterchancen für die SG Bundestag. Oftmals scheitert der Bundestag aber am glänzend aufgelegten Stefan Witt, der mit seinen 2 Meter langen Beinen noch manchen raffiniert gemeinten Pass zu Nichte macht und insgesamt ein tadelloses Spiel zeigt. Auch der Schiedsrichter meint es gut mit der Tulpe und verhindert mit zahlreichen Abseitspfiffen, bei denen er sich nahe Mittellinie aufhält, ein deutlicheres Spielergebnis.

Fazit: Eine Spielgemeinschaft Deutscher Bundestag, die etwas mehr Laufbereitschaft zeigt, dadurch regelmäßig das Tulpe-Mittelfeld bei Tempogegenstößen überläuft und dann in Überzahl Chancen herausspielt. Die Tulpe bleibt weit hinter ihren Möglichkeiten und kassiert die zweite Niederlage in Folge. Aber mit Blick auf die kommende Woche hält es der Berichterstatter mit Andi Möller: "Vom Feeling her hab' ich ein gutes Gefühl!"