Grüne Tulpe - DIHK

Knappe Kammerspiele

Teamchef Sebastian Wienges versuchte vor dem Spiel vergeblich den in Vermessenheit abdriftenden Optimismus der Tulpen-Spieler zu dämpfen. In der Tat waren die letzten Spiele ein einziger unerwarteter spielerischer und faktischer Aufschwung. Da war es nur eine Frage der Zeit bis Medien, Umfeld und schließlich auch die Spieler selbst von größeren Zielen sprechen.

Wienges hingegen sprach vor dem Spiel ein klares Verbot aus von höheren Ambitionen und Rekordserien zu sprechen. Die volle Konzentration solle dem heutigen Spiel gelten. Denn heute wartete ein altbekannter und gefürchteter Gegner auf die Tulpe: Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag gab sich die Ehre.

Aufgrund der regelmäßigen und oft knappen Aufeinandertreffen war in den Anfangsminuten der Respekt auf beiden Seiten zu spüren. Es dauerte eine Weile bis es zur ersten Halbchance auf Seiten der Kammern-Clubs kam. Die Tulpen standen wie schon in den letzten Spielen hinten sehr sicher.

Die von Wienges eingeführte taktische Innovation "Spiel 2010", also das Agieren aus einer Vierer-Kette heraus zahlte sich wieder aus. In der Verteidigung und Balleroberung konnte die Tulpe an ihre Leistung aus den vorherigen Spielen anknüpfen. Bei Ballbesitz schien es jedoch, als hätte man alles in den letzten Wochen Gelernte und Praktizierte vergessen. Das zuletzt so sichere Spiel von hinten heraus über die Flügel in die Spitze wollte einfach nicht ins Rollen kommen. Der Tulpen-Express stockte.

Doch dann reichen manchmal zehn Sekunden, um dem Spiel einen Stempel aufzudrücken. Nach einem Einwurf von Daniel entlang der Linie in den Raum kam André auf der Grundlinie der rechten Seite zur Flanke, die er trotz Wahl der no-look Variante millimetergenau auf den Kopf von Tulpen-Beckenbauer Markus Kurziel schneiderte, der im Fünf-Meter-Raum freistehend und mit Wohlwollen zur 1:0 Führung einnickte. Die Tulpe profitierte hier etwas vom DIHK-Schlussmann, der sich auf den ersten Pfosten orientierte.  Aber es waren einfach jene zehn Sekunden, in denen wirklich alles passte. Übrigens erzielte der Tulpen-Präsident mit diesem Kopfballtreffer sein 214. Tor im grünen Dress.

In der Halbzeitpause versuchte sich die Tulpe an der taktischen Feinjustierung. Durch eine Umstellung von der Doppelsechs auf die Raute im Mittelfeld versuchte man das "Spiel 2010" so zu variieren, dass man zu mehr Ballsicherheit komme. Zudem gab es die Vorgabe "einfach mal draufzuhalten": der Eintopf unter den Taktikrezepten.

Aber auch in der zweiten Hälfte wollte das Angriffsspiel der Tulpe nicht richtig ins Rollen kommen. Die Ballsicherheit fehlte, nicht zuletzt, weil die technisch versierten Spieler den Weg ins Poststadion, genauer in die Raute der Grünen heute nicht gefunden haben. Trotz der knappen Führung spielten beide Mannschaften mit zunehmender Spieldauer mit zunehmend offenen Visier.

Der DIHK schaffte es nun häufiger als in der ersten Hälfte durch schnelles Spiel die Abwehr der Tulpe in Verlegenheit zu bringen, aber zu gefährlichen Abschlüssen kam man nicht. Im Tulpe-Angriffsspiel war es nach wie vor die Ballsicherheit die fehlte. André hatte noch die größte Chance als er im DIHK-Strafraum nach großem Gestocher an den Ball kam. In bester Torjägermanier versuchte er Abwehr und Tormann durch einen Schuss gegen die Laufrichtung zu überwinden. Aber ein Kammern-Bein des angesprochenen Gewühls durchkreuzte diesen Plan mit Erfolg. Das Gewühl war dann auch gleichzeitig die letzte sehenswerte Aktion des zumindest bis zum Schluß spannenden Spiels.

Fazit: Abpfiff und Zittersieg für die Tulpe. Sollten die Grünen hier und heute ihr ganz persönliches Ghana-Spiel erleben oder ist das "Spiel 2010" an seine Grenzen gestoßen? Fakt ist: Die Tulpe ist nunmehr fünf Spiele in Folge ungeschlagen. Eine Serie, die es in der kommenden Woche gegen die SG Deutscher Bundestag auszubauen gilt.