Grüne Tulpe - Georg und Georg

Vom "schönen Spiel"

Fußball ist das schöne Spiel – zweifellos wenn man dieser WMF-Mannschaft zuschauen darf. Aber wie Albert Camus schon sagte: "Fußball wird durch den Gegner komplizierter." Und so konnte eine aufopferungsvoll kämpfende Grüne Tulpe dem technisch und spielerisch übermächtigen WMF einen ebenbürtigen Gegner bieten.

Schnell war klar, dass diese Auseinandersetzung höchste Qualität haben würde: Zunächst standen sich da zwei Teams in grünen Trikots gegenüber. Die Wer-Mit-Fdp Farben spielt zogen sich daher gelbe Leibchen über, was sicherlich beizeiten eine kleine aber entscheidende Störung in ihrer geistigen Bewegungsfreiheit zeitigte. Immerhin muss sich ein eingespieltes Team erst an die neue Farbe gewöhnen, bevor die Pässe auf den Mitspieler im Augenwinkel rechtzeitig kommen.

Dennoch gehörte ihnen die erste Viertelstunde komplett. Die Tulpen konnten kaum einmal einen Fuß in die gegnerische Hälfte setzen, geschweige denn eine Chance erspielen. Umgekehrt zeichnete sich aber auch ab, was die Grünen an diesem Abend in die Waagschale werfen würden: eine kompakte und disziplinierte Mannschaftsleistung, einen überragenden Libero Stefan Witt, kontrollierte schnelle Angriffe über die Außen und – nun ja – einen Schiedsrichter, der bei knappen Abseitsentscheidungen grundsätzlich für die Defensive entschied, in der sich die Tulpe ebenso wie die politische Avantgarde die meiste Zeit befand. Torchancen blieben so erst einmal sehr selten, zumal die Distanzschüsse der WMFler allesamt das Tor verfehlten oder problemlos von Keeper Jochen Schieborn entschärft werden konnten.

Doch allmählich lösten sich die Tulpen aus dem Zentrum, verzichteten auf Dribblings und verlegten sich auf kurze Pässe die Seitenlinien entlang mit diagonalen Spieleröffnungen auf die Stürmer. Was meist erfolglos blieb, brachte doch erste Torraumsituationen, wenn einzelne Grüne ihre Schnelligkeit nutzen konnten. So gelang es ihnen auf links mit Aaron Greicius und auf rechts mit Thomas Strehlau geschickt aus der Defensive den Ball nach vorne zu spielen, statt nur lange Bälle zu schlagen.

Umgekehrt konnten auch die (grün-)gelben Brasilianer ihre besten Szenen verzeichnen, wenn sie das kompakte Zentrum mit ihren schnellen, technisch brillanten Spielern mieden, außen bis zur Grundlinie vorstießen und die Bälle zurücklegten. Aber heute zeigten sich die Grünen hellwach und kein Argument der Gelben wollte verfangen. Spätestens beim Torschuss blockte ein grünes Bein den Ball.

In der Halbzeitpause stärkten die Grünen dann ihre Offensive und gewannen dadurch zusätzliche Ballsicherheit. Die Gelben blieben überlegen, aber letztlich ratlos, wie sie die Grüne Konzept-Abwehr knacken könnten. Kurze Pässe in die Frontlinie wurden allesamt als Abseits abgepfiffen, Distanzschüsse blieben ungefährlich und das gefällige Spiel im Mittelfeld letztlich brotlos.

Auf der anderen Seite erspielten sich die Grünen ihrerseits nun erste Torchancen. Ihre Distanzschüsse blieben zwar vor allem auf Distanz zum Tor, aber ein ums andere Mal konnten sie nur durch die Schnelligkeit der WMF-Verteidiger am Abschluss gehindert werden. Und das Rezept der Grünen war denkbar einfach: sie nutzten ihre Flügel und stießen von dort in die Mitte vor. Wenn das schnell genug gelang, war eben jene Mitte nicht immer optimal besetzt. Flanken auf Thomas Strehlau strahlten so durchaus Gefahr aus, auch wenn die Kopfballabnahme letztlich doch nicht aufs Tor kam.

Schließlich, als alle Beteiligten schon begannen, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass dieses Spiel 0:0 enden sollte, gelingt den Grünen ein herrlicher Angriff über rechts. Thomas Strehlau flankt über die Abwehr auf Asgar Ergin auf Höhe des linken Pfostens. Der legt sich den Ball mit der Brust in den Lauf und – rutscht aus.

Und dann bricht die schicksalhafte 87. Minute an. Ein 0:0 wäre für die Tulpe zweifellos gegen diesen Gegner ein Erfolg. Schon kein Gegentor bis jetzt bekommen zu haben ist eine hervorragende Leistung. Endlich sind alle Grünen immer voll konzentriert, in jeder Situation hellwach und kämpfen um jeden Ball. Keine individuellen Fehler führen zu überflüssigen Gegentoren und es gelingt, den überlegenen Gegner vor echte Probleme zu stellen.

Doch jetzt schlägt der Torwart den Ball weit nach vorne. Er trumpft einmal auf, ein verlorenes Kopfballduell, der Ball tropft dem Zehner schon im Strafraum in den Lauf und der schießt am Torwart vorbei gegen den Pfosten. Keeper Schieborn versucht zu retten, was zu retten ist. Doch das Leder tänzelt die Linie entlang und dann ins Netz. 0:1. Und danach haben die Grünen sogar noch eine vage Chance zum Ausgleich, doch es bleibt bei der knappen unglücklichen Niederlage.

Fazit: Dieses 0:1 geht mehr als in Ordnung und ist ein großes Kompliment an die Kraft der besseren Argumente. In diesem Spiel ist vor allen anderen der Fußball der Sieger – anders als im großen Duell, wo die Politik der Verlierer war. Aber wen wundert das schon, wenn am Ende das Gelbe wieder abgestreift wird und die Sieger in grünen Trikots dastehen.