Grüne Tulpe - Georg und Georg 0:3

"Die Kappadozier" oder: "Der Niedergang eines Namens"

Fußball ist eine Charakterfrage. Jeder Personalchef kann bei seiner Bewerberauswahl auf Assessment-Center, Dinieren mit Vorstandanwärtern oder graphologische Gutachten verzichten. Eine Halbzeit auf dem Platz gibt Einblicke in die tiefsten seelischen Abgründe: Teamfähigkeit, Selbstbeherrschung, Umgang mit Frustration, Führungsqualitäten, individuelle Klasse und Einordnung in soziale Zusammenhänge, Belastbarkeit. All dies zeigt sich auf dem Platz schon nach kürzester Zeit, und kaum einem gelingt es selbst in belanglosesten Freundschaftsspielen zwischen Thekentruppen, Betriebssportlern und ähnlichen Breitensportlern und manchmal auch inzwischen breiten Sportlern, sein oder ihr wahres Gesicht zu verbergen. Auch die Tulpen und ihre über die Jahre lange Liste von Spielern und noch längere Liste von Gegenspielern wissen davon zu berichten.

Georg & Georg kamen tatsächlich mit nicht viel mehr Spielern, aber das kennen wir auch kaum anders von ihnen und wer will schließlich heute noch Georg heißen. Also wurden schnell vier Spieler vom Bolzplatz weg verpflichtet und komplettierten die Startelf. Da aber auch die Tulpen heute auf ihren Sturmführer, den am Sonntag Vaterfreuden ereilt hatten, und zwei weitere Stammspieler der letzten Wochen verzichten mussten, entwickelte sich zu Beginn ein eher müder Kick, in dem Torchancen Seltenheitswert hatten.

Ein weiter Einwurf wurde vom Georg-Libero unterlaufen und eröffnete Alex Bögle allein vor dem Torwart die Chance, mit einem Heber das 1:0 zu markieren, doch der strich knapp am Tor vorbei.

Kurz darauf nach schöner Kombination über den hinten wie vorne laufstarken Arne Jungjohann über links, eine gefühlvolle Flanke von Hartwig Mayer, an die Stürmer Ralf Südhoff gerade nicht mehr heran kam und den Ball so knapp einen Meter am langen Pfosten passieren lassen musste.

Eine ähnliche gefühlvolle Hereingabe von Arne Jungjohann aus dem Halbfeld in den Strafraum genau auf den Fuß von Ralf Südhoff platzierte dieser etwas zu genau knapp neben dem Tor.

Doch allmählich konnten die Drachentöter – auf welch dummen Vorurteilen dieser Beruf beruht, ist in der Dokumentation Dragonheart eindrucksvoll dargelegt – aufgrund guter Einzelleistungen sich ein Übergewicht im Mittelfeld erarbeiten, das ihnen aber kaum zu nennenswerten Chancen verhalf. Insgesamt recht einfallslos spielten sie den Ball nach einigen Pässen im Mittelfeld steil auf ihre eingekauften Stürmer, die sich dann aber meist den schnellen Tulpen-Manndeckern gegenüber sahen, die spätestens die Torschüsse abblockten. Und kam ein Georg einmal bis zur Grundlinie verhallten seine hilflosen Flanken knapp unter Kniehöhe im Niemandsland.

Einen sehr vielversprechenden Konter mit drei gegen eins Situation vertändelten die Bauern – das ist die griechische Übersetzung des Namens – kläglich. Als der Ball dann doch noch mehr zufällig zum Neueinkauf Georghe Hagi kam, schoss der den Ball unbedrängt von innerhalb des Strafraums nur gegen die Latte.

Aber irgendwann geschah das Unvermeidliche dann doch: ein Seitenwechsel, ein Deckungsfehler und der Stareinkauf Georghe Hagi stoppt den Ball und hängt ihn technisch perfekt über den ansonsten gerade beim Herauslaufen aufmerksamen in dieser Situation aber chancenlosen Tulpen-Torhüter Christian Meuschke hinweg unter die Latte zum 1:0.

In der Folge wussten die Tulpen sich kaum gegen das erdrückende Übergewicht im Mittelfeld zu erwehren, doch andererseits wussten György&Co ebenso wenig damit anzufangen.

Lediglich durch eine starke Einzelleistung von Hartwig Mayer, gegen den der Neueinkauf Giorgio fast an der eigenen Grundlinie im Strafraum den Ball vertändelte, kam noch einmal so etwas wie Gefahr auf.

Ratlosigkeit zur Halbzeit: Die einen wollen offenbar nicht, die anderen können nicht. Was will man da als Personaler machen, empfehlen tat sich niemand. Doch die zweite Hälfte sollte Klarheit bringen und der "heilige Georg, ein vermutlich aus Kappadozien stammender Krieger" (Duden. Das große Vornamenlexikon, 2003, S. 138) würde sich die Maske vom Gesicht reißen und seine hässliche Fratze zeigen.

Die Tulpen verstärkten das Mittelfeld, wollten das Spiel wieder mehr selbst in die Hand nehmen, doch die Kappadozer wichen geschickt auf die Flügel aus, von wo sie nun ihre weiterhin einfalls- wie brotlos vorgetragenen Angriffe lancierten.

Umgekehrt stachen die Tulpen nun wieder vermehrt bis an den gegnerischen Strafraum, ohne dass daraus jedoch klare Chancen entstanden. Bei einem dieser Vorstöße durch den schnellen offensiven Mittelfeldspieler Tresfore Dambe begannen die Krieger ihr Spiel aufzugeben und sich auf ihre ureigensten in Kappadozien vermutlich geschätzten Tugenden zu besinnen. Der mit dem Ball Richtung Tor schon vorbeigezogene Tresfore – nur noch Libero Giorgio vor sich - wurde durch den ebenso dummen wie unfairen Georges mit einem Foul auf einen Flug Richtung Kunstrasen geschickt. Die Verwarnung folgte umgehend. Keine fünf Minuten später begegneten sich dieselben Protagonisten wieder, Georges zeigte sich lernunfähig wie wohl auch lernunwillig und hakte wieder beim schon passierten Tresfore Dambe in die Beine ein. Nun schnelle Bewegungen mögen nicht jedem liegen, Georges nutzte die folgende gelb-rote Karte, um sich neben dem Spielfeld von der ganzen Hast zu erholen.

Doch damit nicht genug Jiri hält Tulpe-Verteidiger Sebastian Wienges fest, der hält dagegen, da ist auch schon die Frustrationsschwelle bei Jiri erreicht und er schubst den Gegenspieler lauthals um. Wie dumm so den Schiedsrichter auf die eigene fehlende Selbstbeherrschung in selbst erzeugten Stresssituationen noch hinzuweisen. Der beließ es aber dann bei einem Freistoß und überhörte auch geflissentlich die anschließend über den halben Platz gebrüllte Beleidigung.

Um im Rhythmus zu bleiben, wollte Jerzy sich keine weiteren fünf Minuten später darüber beschweren, dass er im Zweikampf zwar austeilte, aber keineswegs einstecken wollte, was er durch einfallsreiches Ballwegwerfen kundtat. Die nächste gelbe Karte.

Die Tulpen nutzten nun den gewonnenen Raum für ein engagiertes Spiel nach vorne, das aber fruchtlos bleiben sollte. Abgesehen von einer Chance als Alex Bögle allein auf den Torwart zulief, der aber geschickt den Winkel verkürzte und den Schuss mit dem Knie abwehren konnte, kam das Georgen-Gehäuse nicht mehr ernsthaft in Gefahr. Die Kappadozier ihrerseits spielten nun auch mit mehr Raum etwas ansehnlicher und kamen so auch noch zur ein oder anderen Chance.

Ein Kopfball von Jiri nach Flanke von links fiel knapp neben das Tor. An der nächsten Flanke flog Tulpen Keeper Christian etwas unglücklich ebenso vorbei wie Freund und Feind. Doch Christoph Benze am langen Pfosten hatte ein Einsehen und stoppte den Ball mit dem Oberschenkel ins eigene Tor. 2:0.

Danach wehrte Christian Meuschke noch einen Ball an den Pfosten ab und begrub einen platzierten Schuss von der Strafraumgrenze auf dem inzwischen seifigen Platz sicher unter sich.

Bis dann die nächste Flanke aus einer Spielertraube mit Jiri, Hartwig, Sebastian und Christian ausgerechnet Jiri vor die Füße fiel, der aus zwei Metern Entfernung souverän das leere Tor traf.

Letzten Endes spiegelt das 3:0 die Überlegenheit der einzelnen Spieler auf Seiten der Schorschs wider. Wie es zustande kam, beantwortet die Charakterfrage – eine wesentliche folgt man dem Zweck des Spiels für den Homo Ludens nach Huizinga.;