Grüne Tulpe - IFS: 2:4

Selbst geschlagen

Nach dem Spiel suchte der Vorstand schnellstmöglich das Weite und der Trainer erklärte mit etwas gedrückter Stimme: "Wir sollten nun nicht den Fehler machen und die Schuld beim Trainer suchen!" Das wäre schon das Mindeste an angemessener Berichterstattung, wenn man derzeit so erfolgreich ist wie der FC Bayern (der das hoffentlich noch lange bleiben wird.*)

Die Tulpen spielten an diesem Montagabend gegen die bunt zusammengewürfelte internationale Truppe der IFS Sprachschulen. Eine babylonische Sprachverwirrung gegen die eingespielten Tulpen war zu erwarten. Doch schlecht aufeinander abgestimmt, waren eher die Tulpen.

Die Zeiten, in denen die Tulpen sich durch Jugendlichkeit ihrer Spieler auszeichneten und daraus einen oft spielentscheidenden Vorteil ziehen konnten, sind lange vorbei. Inzwischen zählen die etablierten, verheirateten, arrivierten Familienväter zu den Alten. Spielstärke entsteht nicht mehr aus individuellen Kabinettstückchen und viel Bewegungsfreude, sondern eher aus langer Gewöhnung an den Mitspieler und routinisierte Spielabläufe. Nichtsdestotrotz sind die Grünen im Herzen aber immer jung geblieben – wählbar nun auch zunehmend für Rentner, aber nach Dienstschluss werden noch die Revolutionsphantasien gepflegt. Wenn dann der Trainer zu sehr auf diese Spinnereien eingeht, verliert die Grüne Tulpe mit einem mal alle Überlegenheit und die Siegesserie verkehrt sich in eine Reihe desaströser Debakel. Doch der Reihe nach:

Von Beginn an schienen die internationalen Kommunikatoren ca. zwei bis drei Spieler mehr auf dem Platz zu haben. Nach der Halbzeit war das dann tatsächlich der nach vorläufigem amtlichen Zählergebnis des Schiedsrichters der Fall. Zunächst lag dies aber an der ungeheuren Laufbereitschaft der Jungspunde. So muss es sich ungefähr im Zentrum eines Fliegenschwarms anfühlen. Die Tulpe baute ruhig ihr Spiel auf, wurde aber sofort bei Ballannahme gestört und brachte so kaum zwei Pässe in Folge zustande. Andererseits war die körperliche Präsenz der altgedienten Tulpenrecken lange Zeit ausreichend, um kaum ernste Gegenchancen zuzulassen.

Eher zufällig fiel dann auch das 1:0. Rati, der vermutlich allein so alt wie die gesamte Ersatzbank der Polyglotten ist, fängt einen Pass ab, leitet ihn sofort weiter auf Markus Kurdziel, der ein paar Schritte Richtung Tor geht und dann einen Sonntagsschuss unhaltbar über den Torwart ins lange Eck setzt.

Bis dahin hatten die, die in fremden Zungen sprechen, eigentlich noch keine Torgefahr entfaltet. Umso überraschender dann das 1:1 nach der ersten Ecke, die sich direkt über Ersatztorwart Manu mitten ins Tor drehte und senkte.

Und nun ließen sie die Tulpe tanzen, dass die die Welt nicht mehr verstanden. In die eigene Hälfte eingeschnürt, nur noch mit Befreiungsschlägen Zeit gewinnend retteten sie sich von einer Herzattacke in die nächste. Mal behindern sie sich nach einer Ecke gegenseitig beim Klären, mal segelt eine Flanke nur haarscharf am Kopf des freien Stürmers vorbei, mal müssen sich die Vielsprachler durch ihre permanente Überzahl in Ballnähe schon selbst im Wege stehen, so dass das Unentschieden zur Halbzeit eher glücklich für die Tulpen war.

Doch nach der Pause ist ein anderes Bild zu sehen. Endlich zeigen die Tulpen eine gewisse Entschlossenheit, dominieren nun Spiel und Gegner aus einer verstärkten Defensive und Zentrale und kombinieren sich mit Pässen in Tornähe, auch wenn klare Chancen Mangelware sind. Da muss schon ein Sonntagsschuss von Fraktions- und Tulpen-Neuzugang Simon her, um wieder in Führung zu gehen: 2:1.

Und jetzt zeigt sich, was die Tulpe derzeit nicht beherrscht: mit Entschlossenheit das Mittelfeld dicht machen und in Zweikämpfe gehen. So wird nichts aus ihrer kurzzeitigen Dominanz und das Spiel bleibt offen – bis wieder nach einer Ecke der abgewehrte Ball zum Gegner kommt und der aus 20m frei schießen darf. Zugegeben: Auf dem spielerischen Niveau der Tulpen und ihrer Gegner sollte man bewusst den Gegner aus 20m schießen lassen. Von da treffen die selten den Fangzaun hinter dem Tor. Doch dieses mal ist es anders, der nächste Sonntagsschuss segelt diesmal über Ersatztorwart Sebastian Tschirbs unter die Latte zum 2:2.Und es kommt noch schlimmer: Wieder eine Ecke, wieder abgewehrt und wieder wird der Ball noch einmal hereingegeben auf den nach wie vor ungedeckten Spielmacher Nihat. Nie hat der soviel Zeit wie jetzt und zieht ab ins kurze Eck zum 3:2.

Nun wirft die Tulpe noch einmal alles nach vorne. Im Mittelfeld gewinnt Spielertrainer Wienges den Ball, über mehrere Stationen kommt der ins Zentrum zu André Bornstein, der macht alles richtig, drückt den Gegner weg und will den Ball wieder auf völlig freien Wienges durchlassen, stoppt ihn dann aber doch unabsichtlich, will ihn noch rüberspitzeln und fällt doch nur auf seinen Gegner.

Und in der letzten Minute schließlich rutscht ein Konter durch. Nihat wackelt das defensive Mittelfeld aus und bleibt doch fast an der Innenverteidigung hängen. Doch nie hat er auch so viel Glück. Ahmed Sheriff knickt um und legt ihm den Ball so perfekt frei vor dem Tor auf, statt zu klären. 4:2. Damit war der Abend im wahrsten Sinne des Wortes gelaufen.

Fazit: "Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch das Pech dazu!" Aber Zufall war diese Niederlage nicht, der Sieg für die vokabulären Überflieger vollkommen verdient. Denn so wie man sich Glück erarbeiten muss, erarbeitet sich die Tulpe zur Zeit konsequent das Pech. Also: Selbst geschlagen.

 

*Anm. der Red. (obwohl es aus unerfindlichen Gründen auch Bayern- Fans in der Tulpe-Mannschaft gibt)