Grüne Tulpe - Rank Xerox 6:2

Selbstorganisierendes Gleichgewicht

Das Charmante an Märkten ist ihre Eigenschaft, dass sich auf ihnen – wenn ihnen die richtigen Rahmenbedingungen gesetzt werden – selbstorganisiert ein Gleichgewicht einstellt. Angebot und Nachfrage passen sich über den Preismechanismus gegenseitig an. Der Preis stellt dabei ein Instrument zur Informationsverteilung zwischen den beiden Marktseiten dar. Ungefähr so kam an diesem Montagabend das spielerische Gleichgewicht zwischen Tulpen und Printbranche zustande.

Zunächst kündigte "Sprintout" – planmäßiger Gegner der Tulpen – an, dass sie nur mit sechs bis sieben Spielern antreten können würden und daher um ein Kleinfeldspiel bäten. Diese Information führte bei der zahlenmäßig gut aufgestellten Tulpe zu einer Demobilisierung der Spieler – in Wahlkampfzeiten ist die Mobilisierung eigener und Demobilisierung gegnerischer Wähler die entscheidende Erfolgsstrategie. Da wird dann, wenn mal wieder bei einem der sichersten Atomkraftwerke der Welt der Dynamo durchdreht, schnell mal eben vor einer Terrorgefahr vor der Wahl gewarnt.

Die Ankündigung eines Kleinfeldspieles führte postwendend zu spontanen Absagen bis die Tulpen selbst kein ganzes Großfeldteam mehr zusammen bekamen. Gleichzeitig mobilisierte die Ankündigung, gegen die Tulpen auf Kleinfeld anzutreten, die anderen Printer von Rank Xerox in unverhofft großem Maße. So standen sich zu Spielbeginn auf beiden Seiten zehn Spieler gegenüber, die nun spontan auf Großfeld wechselten. Der zahlenmäßige Vorteil war dahin, weshalb wir uns auch trotz noch so großer Umfragevorsprünge auf eine spannende Bundestagswahl freuen können, in der selbstorganisiert ein demokratisches Gleichgewicht entstehen wird.

Das Spiel selbst war in der ersten Halbzeit so wenig unterhaltsam wie ein Wahlkampf zwischen einer Kandidatin, die immer so aussieht, als sei sie genauso gespannt wie das Publikum, was sie gleich sagen würde, um dann genauso enttäuscht darüber zu sein, und einem Kandidaten, der als erstem Wahlkampfakt von der eigenen Partei der zweite Vorname gestrichen wird, um besser vermarktbar zu sein.

Die Grünen kommen schnell und leicht durch einen abgefangenen Ball im Mittelfeld und ein, zwei gelungenen Pässen, samt anschließender Flanke zum 1:0 durch Manu Sharma. Eigentlich überlegen kommen sie zu weiteren Chancen, lassen aber vor dem Tor die notwendige Konsequenz vermissen. Das nutzen die Printen: ein druckvoller Pass, ein langer Sprint und per technisch tadellosem Top Spin aus vollem Lauf schließt der Lange über Torwart Schieborn zum 1:1 ab.

Mit diesem Rezept bringen die Papiernen – dem "Papiernen" Mathias Sindelar ganz unähnlich - die Tulpe ein ums andere mal in Verlegenheit. Einmal rettet Keeper Schieborn per Reflex gegen den blitzschnellen kantigen Außenstürmer, ein anderes Mal prallt dessen Schuss vom Pfosten zurück. Ein weiterer langer Ball, Überzahlsituation, Libero Wienges macht erst den Pass in die Mitte zu und geht dann auf den Ball, aber zu spät: der bullige Mittelstürmer pikt den Ball ins kurze Eck. 1:2. Nun kontrollieren die Copyshop-Vertreter das Geschehen. Da segelt kurz vor der Halbzeit eine Flanke von rechts herein, dem Torwart auf, nein unter den Fuß, unter selbigem hindurch und muss von Aaron Greicius nur noch ins leere Tor zum 2:2 geschoben werden.

Doch auch der langweiligste, niveauloseste Wahlkampf kann gedreht werden, das Marktgleichgewicht quasi schöpferisch zerstört werden: durch Innovation. Und da fällt den Grünen schon etwas ein. In Hälfte zwei beginnen die Tulpen weiter vorne zu stören und nutzen die Räume besser mit ihren Pässen. Schon bald kommen sie vermehrt zu Chancen. Ein Angriff über rechts, Neuzugang Hasso schirmt den Ball mit dem Rücken zum Tor ab, lässt ihn an sich vorbei laufen, da scheint der Torwart schon, das Spielgerät unter sich zu begraben, doch spitzelt Hasso den Ball doch noch frei und André Bornstein schiebt zum 3:2 ein.

Eine Ecke von links von Aaron Greicius kommt zu dem zurück, der schlägt sie volley wieder vors Tor, wo der bis dahin fehlerlose Linksverteidiger der Printer den Ball per Kopf von der Linie klären will und ihn dabei fehlerfrei ins Netz drückt zum 4:2. Auf der anderen Seite zuckt Keeper Schieborns Hand immer dann hervor, wenn der Ball schon fast über der Linie ist. Einmal greift er noch am Stürmer, der schon halb mit Ball im Tor steht, vorbei, tippt den Ball raus und hält ihn sicher fest. Kurze durchgesteckte Pässe gelingen den Tulpen nun immer öfter. Doch nur einmal gelingt Hasso auch der Abschluss. Er verwertet den Ball von Bornstein aus nächster Distanz am Torwart vorbei zum 5:2. Und schließlich wird auch da Forechecking belohnt. Mal wieder ein tödlicher Querpass in den Fuß des Angreifers und Simon Bruhn läuft allein auf den Torwart zu und schiebt neben dem zum 6:2-Endstand ein.

So siegen die Grünen am Ende doch überlegen und schaffen ein neues Gleichgewicht: sechs Tore von sechs verschiedenen Schützen – eine Mannschaftsleistung ohne Starallüren.