Grüne Tulpe- SG Deutscher Bundestag

Black Eagle verleiht Flüüüüüüüüüüügel!

Die den Adler auf der Brust tragen, die SG Bundestag, zählen naturgegeben zu den häufigsten Gegnern der Tulpe. Und immer fordern sie der Tulpe große Spiele ab. Doch dieses Mal kamen die schwarzen Adler stark ersatzgeschwächt nur zu zwölft in die Gluthitze auf Kunstrasen. Nur gut dass es bei der Tulpe sogar noch schlechter aussah: gerade einmal elf Spieler waren bei Spielbeginn da. Dummerweise hatten beide schwach ausgestatteten Teams keinen Ball. Frei nach Jauch und Reif: "Ein Ball würde dem Spiel jetzt gut tun!" Aber dieses Manko ließ sich leichter beheben als die fehlenden Spieler.

Nachdem die Tulpe auch noch die nahezu vorentscheidende Seitenwahl verloren hatte und nun die erste Halbzeit die Hälfte, die in der prallen Sonne lag, verteidigen musste, drängte sich die Taktik geradezu auf: Vorwärtsverteidigen. Trotz der Affenhitze griff die Tulpe schon weit in der gegnerischen Hälfte an, bloß nicht zurückdrängen lassen in die Wüste, in der eigenen Hälfte. Pech hatten dagegen die Tulpenverteidiger, denn sobald die einmal bis in den Schatten vorgedrungen waren, rollte der Angriff und sie mussten sich wieder von dem ersehnten Schatten entfernen.

Die ersten zwanzig Minuten konnten die Tulpen den Druck aufrecht erhalten, doch dann mussten sie Tempo und –eraturen Tribut zahlen. Die Schergen des Präsidenten Lammert kamen mehr und mehr ins Spiel und erspielten sich zusehends Konterchancen – die sie aber alle kläglich vergaben.

Dann plötzlich in die Druckphase der Verwaltungsangestellten, was ohnehin nach einem gediegenen Oxymoron klingt, führt der ausgedörrte Tulpenlinksverteidiger Sebastian Wienges den Ball Richtung Mittellinie. Noch aus der eigenen Hälfte spielt er aus dem Fußgelenk auf den Lehrbuchmäßig erst horizontal, um das Abseits zu vermeiden, dann vertikal startenden Tulpe-Captain Toffi Born einen Bilderbuchpass genau in den Lauf. Blindes Verständis über Tulpen-Jahrzehnte eingespielt. Der bundestägliche Manndecker hat das Nachsehen bzw. das hätte er besser gehabt, doch er sieht sich besser vor und sieht dabei dem entwischten Torjäger doch nur nach. So fliegt der Ball von hinten über ihn hinweg, so dass er nur noch den Schuss und die Parade des Bundestag-Torwarts sieht. Doch auch der kann den Ball nicht entscheidend ablenken, und Toffi ersprintet den auf die Torauslinie zutrudelnden Ball und schiebt ihn in letzter Gelegenheit aus sehr spitzen Winkel in das nun verwaiste Gehäuse.

In der Folge sehnen die Tulpen sich nach der Pause wie ein Verdurstender nach Afri-Cola. Doch der Schiedsrichter scheint früher nach Hause zu wollen und daher die Pause erst nach 90 Minuten anzusetzen. Luftspiegelungen gaukeln den Tulpen nachhaltig bewirtschaftete, mindestens 10 Prozent der Spielfeldfläche dauerhaft für den Naturschutz reservierte Seen-Biotopverbünde vor. Da endlich naht die Rettung. Energiereferent Christoph Benze ist die Lösung aller Probleme, Wechsel aus der Sonne in den Schatten zu Wasser und Bank werden nun möglich. Und gnadenlos hoch ist weiterhin das Tempo. Die drei zentralen Mittelfeldstrategen Alex Bögle, Ratimir Britvec und Gunnar Karnath, der angesichts der dünnen Personaldecke glücklicherweise aushilft, verschieben, greifen an, stellen den Ball und bauen das Spiel auf. Andre Bornstein wird noch bis zum Ende der zweiten Halbzeit Linienpendeln zwischen den Grundlinien auf der rechten Seite machen und alles wegköpfen was durch die Luft fliegt.

Doch statt mit Kurzpässen Ball, Gegner und Zeit für sich laufen zu lassen, setzen die Tulpen in dieser Phase zu sehr auf lange Bälle. Und die Adlerträger verlieren nie die Geduld, sondern behalten ihre Formation und lassen kaum ein Durchkommen zu. Ihr Libero Ian, dessen spielerische Eleganz der des jungen Franz Beckenbauer gleicht, baut das Spiel von hinten auf, und wenn ein Pass einen Tulpen-Stürmer zu erreichen scheint, ist Ian rasch dazwischen.

All das wird in der Halbzeit angesprochen, doch für klare Verhältnisse sorgen erst die konsequenten Angriffe über die Flügel des Adlers, dessen Formation in der zweiten Halbzeit so gründlich gerupft wird. Wo durch die Mitte kein Durchkommen war, starten Hartwig Mayer und Alex Bögle einen herrlichen Angriff über links. Hartwig spielt den Ball auf Alex, der gibt ihn zurück, die Bundesadler laufen wie verrückte Hühner im Zickzack hinter her. Über drei Stationen wird die gegnerische (nun auch im Schatten liegende) Hälfte überwunden. Als Hartwig den Ball fast schon von der Grundlinie auf Alex zurückspielt, muss der ihn nur noch mit dem Außenrist ins lange Eck schieben. 2:0

Nur kurz davor hatten die Parlamentäre noch durch geschickte Diagonalpässe ein ums andere mal Linksverteidiger Sebastian Wienges bös ins Schleudern gebracht und waren zu zwei Ausgleichschancen gekommen, von denen die eine aber der aufmerksame Tulpe-Rückhalt Christian Meuschke, nachdem der Schuss noch leicht abgefälscht wurde, sicher entschärfen konnte, die andere deutlich neben dem Tor landete. Doch nun war das Spiel vorentschieden und die Tulpen organisierten die nächste Ballstafette über links. Dieses mal wird aber mit einer Flanke abgeschlossen, die der wie gewöhnlich mitgelaufene Andre Bornstein von rechts kompromisslos mit Vollspann im langen Eck versenkt.

Und schließlich wechselte Christoph Benze, der inzwischen zentraler Manndecker spielte, ganz in Günter Netzer-Manier sich selbst ins Mittelfeld, um nur Minuten danach einen weiteren Angriff über links cool abzuschließen. Der Ball wird auf ihn zurückgelegt und vom Elfmeterpunkt spielt er die Kugel trocken mit der Innenseite in den rechten oberen Torwinkel.

Fazit: Top Tulpe- Leistung. Der nächste Jahrhundertsommer kann kommen, denn Spiele bei Monsunregenfällen liegen uns ohnehin weniger.