Grüne Tulpe - SG Glienick

Getrennt marschieren, gemeinsam schlagen…

Am frühen Sonntagmorgen machte sich die Grüne Tulpe in getrennten Verkehrsmitteln auf den Weg ins Brandenburgische: ein Teil mit Trikots und Biodiesel, der andere mit Bahn und (ein bisschen) Ökostrom. Ziel war das Örtchen Dabendorf im Berliner Speckgürtel, auf den derzeit besonders die Augen der Wahlforscher gerichtet sind. Tragen die vielen Berlin-PendlerInnen dazu bei, das Ergebnis zu beeinflussen und die Bündnisgrünen wieder in den Landtag zu tragen? In drei Wochen wissen wir alle mehr. An diesem Sonntag war aber auf alle Fälle die Frage zu beantworten, ob die aus der Bundeshauptstadt angereisten Grünen Tulpen die Oberhand behalten würden oder eine gemischte Auswahl aus SG Glienick und örtlichen Grünen (zur deutlichen Abgrenzung von den Parteifreunden aus Berlin ausgerechnet in Blau-Gelb angetreten).

Dabei standen dunkle Wolken über dem Spiel: so war die große Freude über das gepflegte Grün des echten Rasens in Dabendorf dadurch getrübt, dass die Grüne Tulpe wegen kurzfristiger Absagen nur in Unterzahl erschienen ist. Verstärkung vom Gegner war nicht zu erwarten, da es dieser auch nur auf elf Spieler brachte. Zudem hatte Regen über Nacht dafür gesorgt, dass der Platz sehr tief geworden war und damit ungleich Kräfte zehrender als der gewohnte Kunstrasen.

Unter bewährter Leitung von Schiedsrichter Hopfe aus Berlin wurde die Partie von der Abgeordneten Cornelia Behm eröffnet, die auch eine muntere erste Halbzeit beobachten konnte. Schnell ging der Ball durch die Reihen der wieder durch Andrea und Frauke verstärkten Tulpen. Während Andrea den ein oder anderen Verteidiger schwindlig spielte, sorgte Frauke später lautstark in der Verteidigung für Ordnung. Wenigen Chancen der Glienicker standen viele Chancen der Tulpen gegenüber. Die beste vergab Finn Gerlach, der sich in allerbester Lionel Messi-Manier aus dem eigenen Strafraum auf den Weg Richtung gegnerisches Tor gemacht hatte und dabei die gesamte Gegenmannschaft ausgespielt hatte – dem wollte sich der Torhüter jedoch nicht anschließen und so verging auch diese Chance.

Wenig später fiel dann doch noch der zu diesem Zeitpunkt verdiente Führungstreffer. Während sich ein Glienicker noch bei dem im Vorbeilaufen unabsichtlich gefoulten Tulpen-Stürmer Markus Kurdziel entschuldigte, übersah der Torhüter dessen Unaufmerksamkeit und kullerte seinen Abschlag ausgerechnet der mitgeeilten Andrea in die Füße. Die nahm das Geschenk gerne an und verwandelte souverän.

Zunehmend forderten die vielen Konter der Tulpe jedoch ihren Tribut und das Spiel wurde deutlich langsamer. Die Halbzeitpause kam für manchen schon recht spät. Hinzukam, dass sich der leichte Rückenwind der ersten Halbzeit nun nach dem Wechsel gefühlt in deutlich vernehmlichen Gegenwind verwandelt hatte. Trotzdem starteten die Tulpen viel munterer aus den Kabinen als die Glienicker und der ebenso Spiel gestaltende wie dominierende Finn Gerlach schoss nach präzisem Pass von Markus Kurdziel das 2:0.

Es folgten noch sehenswerte Spielzüge, bei denen aus einer Mischung aus Pech und Unvermögen versäumt wurde, den berühmten "Sack zuzumachen". Denn die kollektive Ruhepause der Tulpe nach der vermeintlich sicher geglaubten Führung nutzten die Brandenburger für Konter, die nach der gewohnten Verkettung unglücklicher Umstände und fataler Fehlleistungen zum Anschlusstreffer führten. Wie gewohnt nutzte die Diskussion über eine potentielle Abseitsstellung des Torschützen beim routinierten Schiedsrichter wenig. Nur noch 2:1

Während sich das Publikum wegen den einsetzenden Niesels ins Vereinsheim zurückgezogen hatte, erlebte das Spiel nun eine entscheidende Wende: Statt eines kollektiven Aufbäumens der Tulpe festigte sich das Team der Glienicker und das Spiel wurde zunehmend einseitig. Eine wunderbare Gelegenheit für Torwart Jochen Schieborn sich zu bewähren: immer wieder bedrängt und beschossen, hielt er den Ball fest und bot den gewohnten Rückhalt einer zeitweise etwas flattrigen Abwehr. Diese fand aber auch immer weniger Anspielstationen im Mittelfeld und Sturm.

Beinahe zwangsläufig daher der 2:2Ausgleichstreffer, erzielt durch einen laufstarken Vertreter der Glienicker Vereinsjugend. Obwohl sich keine Mannschaft richtig mit dem Ergebnis zufrieden geben wollte, kam der Abpfiff für keine der beiden Seiten wirklich ungelegen. Krämpfe und überwiegend durch Schonbewegungen und –pässe gekennzeichnetes Spiel machten deutlich, dass für diesen Sonntag nicht mehr mit einer Wende im Spiel zu rechnen war. So endete das faire Spiel mit einem ausgeglichenen Ergebnis, auch wenn sich die Spielanteile zunehmend bedrohlich zuungunsten der Grünen Tulpe entwickelt hatten.

Vorläufiges Fazit drei Wochen vor den Wahlen: die Grünen Fußballer erweisen sich auch in widrigen Umständen als widerstandsfähig und sind auch in der Provinz gut aufgestellt. Eigentore wurden erfolgreich vermieden und Kräfte gezielt eingesetzt. Nun gilt es nur noch, bei der großen Abrechnung in drei Wochen für die richtige Bewegung zu sorgen. Dabendorf war auf dem Weg dorthin schon mal eine wichtige Etappe.