Grüne Tulpe - Tasmania Bühne und Sport: 4:1

 

Panta rhei

„Wer in denselben Fluß steigt, dem fließt anderes und wieder anderes Wasser zu.“ Heraklit

Kleines Vorwort:

Wenn im Lande nichts passiert, ist das immer gut für die Großen, für denjenigen, der regiert oder in der Tabelle (meist) vorne steht. Regierungen werden wiedergewählt, Bayern wird Meister – auch wenn das für das Land in der Politik oder im Fußball gar nicht gut ist. Die Kohlsche CDU hat Probleme solange ausgesessen, bis die Probleme Deutschlands konservative Deutungen der Lage von Wirtschaft und Gesellschaft an den Rand der Lächerlichkeit brachten. Mit "sicheren Renten" und "blühenden Landschaften" bestreitet so mancher Kabarettist auch heute noch sein Repertoire. Aber auch "lupenreine Demokraten" konnte nur einer der ganz Großen erkennen.

Aber dann gibt es Phasen und Saisons, da passiert etwas, da ändern sich die Dinge und alles scheint plötzlich aufbrechen zu wollen. Das ist die Stunde der Kleinen, der Innovativen: von Freiburgern und Grünen zum Beispiel. Die sehen, was passiert, was sich ändert und wie es sich ändern muss und die versuchen, etwas zu ändern. Das war schon immer so, und so ist es auch noch heute. Und ganz besonders dann, wenn nichts passiert und einige ganz sicher wissen, was richtig ist, dass der freie Markt alles andere schlägt, um kurz darauf in der selbstverschuldeten Krise das Klientel vor "Sozialismus" schützen zu wollen, kündigt das die nächste Phase an, wenn wieder mal alles fließt. Und gerade dann werden die, die etwas anders machen, ganz besonders gebraucht.

So ist das auch bei der Tulpe. Die hat gegen Tasmania bisher eigentlich immer recht erfolgreich ausgesehen. Und solange nichts passiert, gewinnen sie ihre Spiele eben. Aber dass das die Leistung der Tulpen heben oder ihre Spielkultur weiterentwickeln würde, ist zweifelhaft. Das konnte der (zu Recht nicht anwesende) Beobachter unschwer auch an diesem Montagabend erkennen.

Während die Tulpen sich mit Ralf Südhoff über dessen zweites Kind Carlo freuten, blickten die Tasmanen stolz auf Zwillingsfreuden – wenn auch entsprechend erschöpft der Vater höchstselbst. Um diesen Ermüdungszustand auszugleichen, gaben die Tulpen ihren zwölften Mann ab und verstärkten die gegnerische Elf, die nun ihrerseits zu zwölft waren. Diese zahlenmäßige Überlegenheit setzten die Antipoden auch unmittelbar um und schnürten die Tulpe in der eigenen Hälfte ein. Ein mächtiger Schuss aus dem Rückraum streicht nur Zentimeter am Winkel der Tulpen vorbei. Allerdings reichte die Kraft für diesen Sturmlauf kaum fünf Minuten. Dann nahm die Grüne Tulpe das Heft in die Hand und kam zu ersten Torchancen. Die wurden weniger erspielt, vielmehr auf dem seifigen Geläuf erschlittert. Dementsprechend kurios dann auch das 1:0.

Eine flache Hereingabe von links, die der Torwart eigentlich sicher hat. Doch irgendwie wirft er sich ein wenig zu spektakulär auf den vorbeirollenden Ball, so dass er nun rollt, der Ball aber durchrutscht. Das alleine wäre noch kein großes Unglück gewesen, denn einer seiner Verteidiger sicherte hinter ihm noch ab. Doch den überrollte der Torwart gleich mit, so dass nun dann doch der bis dahin an der Szene eher unbeteiligt wirkende Stefan Witt den Ball ungestört ins leere Tor schieben konnte.

Torchancen häuften sich nun für die Grüne Tulpe. Doch heraus kamen nur unzählige Ecken, die nichts einbrachten. Als der Ball dann doch einmal im Tor landet, wird abgepfiffen. Das nächste Mal steht der eigene Mann im Wege, bis dann endlich Julian Rieck, von dem noch die meiste Gefahr in dem eher ungelenken Tulpenmittelfeld ausging, den Ball nach einer Ecke im Netz unterbringt, ohne dass ihm diesmal Mitspieler oder Schiedsrichter dies verwehren. 2:0.

Dann mal wieder einer der "Uwe Reinders-Gedächtniseinwürfe" von Spielertrainer Sebastian Wienges an der Mittellinie. Eigentlich nicht wirklich, was man mit einer Chance in Verbindung bringen würde, doch Tulpen-Stürmer Kristoffer Born begreift die Situation und läuft los, der weite Einwurf von Wienges landet in seinem Lauf und plötzlich eilt Born mit dem Ball über das leere Feld auf das Tor zu. Er passt den Ball in die Mitte, wo Tresfore Dambe cool gegen die Laufrichtung des Torhüters zum 3:0 abschließt.

Ein souveränes Halbzeitergebnis, nur hat das Spiel der Tulpe wenig Souveränes. In der zweiten Halbzeit spielen sie disziplinierter, mehr kurze flache Pässe. Doch Chancen haben sie nun weniger. Lange passiert kaum etwas Berichtenswertes. Dann endlich doch ein schöner Angriff, von links. Born passt auf Rieck, der schön in den Lauf von Jochen Hake, der den Ball zurück auf den freien Stefan Mager in den 16er spielt. Der hält das Füßchen hin und versenkt zum 4:0. Dies ist der Höhepunkt grüner Spielkultur an diesem Abend, danach kann es nur noch abwärts gehen.

So ist es denn ein Pass über 40 Meter aus der eigenen Hemisphäre der Tasmanen, der die Tulpen-Abwehr filetiert wie ein Chateaubriand. Johan Micoud, französische Kreativkraft in der ehemaligen Gefangenenkolonie, bekommt den Ball milimetergenau in den Fuß, umspielt Greenkeeper Christian Meuschke und schiebt zum 1:4 ein.

Fazit: Rundum angemessen, dieses klare und doch unbefriedigende, weil zufriedene Spieler befriedigende Ergebnis. Insofern sind der Tulpe nur übermächtige Gegner zu wünschen, die sie zwingen, etwas anders zu machen und wieder einfallsreicher zu spielen – und langfristig erfolgreicher: eben grüner.