Spielbericht Grüne Tulpe - "Best Of" Georg&Georg/Rotation Mauerpark

System gegen Flexibilität

Eines stand schon vor dem Spiel fest: Es würde ein einzigartiges Spiel werden, denn der Gegner war einzigartig und würde in dieser Zusammensetzung wohl nie wieder zusammenspielen.

Der Gegner, den die Tulpen erwarteten, "Volker und Volker" erschien nicht, was der Tatsache geschuldet sein mag, dass es ihn vermutlich gar nicht gibt. Stattdessen waren "Georg und Georg" gekommen, die vermutlich tatsächlich unser Gegner sein sollten. Ganz geklärt werden konnte das auch im Nachhinein nicht mehr. Doch außer "Georg und Georg" war auch noch "Rotation Mauerpark" trotz der miserablen Wetterverhältnisse gekommen. Zu guter letzt war dann noch auf dem Spielplan im Poststadion als Tulpen-Gegner die Mannschaft "Archebomb" angekündigt. Die Austragung welcher Begegnung auch immer verlangte also eine diffizile Pendelmission in bester grüner Manier. Nachdem sich aber herausstellte, dass außer der Tulpe keine Mannschaft vollzählig erschienen war, und zudem einige einzelne Spieler angesichts der sintflutartigen Regengüsse kurz vor dem Spiel klarstellten, dass sie keine Wikinger seien und auch gut den Abend anderswo verbringen könnten, blieb nur, wie kaum anders zu erwarten, eine Best-Of-Auswahl der ganz besonders heißen Spieler. Diese bildeten dann eine Allstar-Mannschaft, gegen die die Tulpen antreten sollten.

Auch wenn der Wettergott während des Spiels ein Einsehen hatte, war der Platz randvoll gesogen und garantierte immer wieder ebenso kuriose wie ungewollte sliding tackles ohne Gegner. Dies kam der Qualität des Spiels beider Teams nicht unbedingt entgegen.

Doch schon bald zeigte sich, dass es keinesfalls der zum zu erwartenden Schlagabtausch zwischen eingespieltem Tulpensystem einerseits und totalem Fußball individueller Improvisation andererseits kommen würde. Vielmehr drückten die Allstars der rotierenden Georgs aus dem Mauerpark und sonst woher mit individueller Klasse und gekonntem Zusammenspiel die Tulpen weit in die eigene Hälfte und verhinderten wirksam schon früh die Entfaltung von deren Spiel. So waren die Tore zum 1:0 und 2:0 durch den Brasilianer Kikinho mit deutschem Pass nur die logische Folge der völligen Überlegenheit der Allstars. Kikinho bestrafte dabei eiskalt geringste Ungenauigkeiten in der Tulpendeckung zum 1:0 per Kopf nach Flanke von Links und zum 2:0 nachdem ein Ballverlust der Tulpen im eigenen Mittelfeld von den Allstars blitzschnell zu einem Pass in den Lauf auf halblinks genutzt wurde, von wo der Querpass perfekt getimet auf die rechte Seite in den Fuß von Kikinho kam. Statt Kampf der Spielsysteme standen individuelle Klasse individuellen Fehlern gegenüber.

Außer den Toren gab es auf beiden Seiten relativ wenig Torraumszenen. Bei den Tulpen waren Chancen fast völlige Fehlanzeige. Was von den Allstars aufs Tor gebracht wurde, entschärfte Christian Meuschke im Tor der Tulpen souverän. Spektakulär dabei ein gefühlvoller Heber vom zentralen Sturmtank der Allstars von links innerhalb des Strafraums, den Meuschke noch an die Latte lenken kann.

Die zweite Halbzeit zeigt dann einige taktische Umstellungen. Die Tulpen greifen konsequent erst ab der Mittellinie an und haben nun eine klare Zuordnung zu den Gegenspielern. Die Allstars wollen ihre Dominanz im Mittelfeld völlig unnötigerweise noch erhöhen und verzichten dafür auf ihre zweite Spitze. Insgesamt neutralisieren sich dadurch beide Mannschaften im Mittelfeld weitgehend. Lediglich die Allstars kommen noch zu gelegentlichen guten Schüssen aufs Tor, die aber letztlich zu ungenau sind, oft am Tor gefahrlos vorbeistreichen oder aber durch einige sehenswerte Dives wiederum von Christian Meuschke im Tulpentor abgewehrt werden können.

Trotz Rückstand schaffen es die Tulpen nicht, dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken, verlegen sich eher auf Konter, wodurch sie aber schon zu mehr Spielanteilen als in der ersten Halbzeit kommen. Eher zufällig durch einen Stockfehler in der Allstars-Abwehrreihe und einen beherzten Flachschuss durch Linksverteidiger Sebastian Wienges kommen die Tulpen so auch zu ihrer einzigen echten Chance. Doch den vom Torwart nur zur Seite abgewehrten gefährlichen Aufsetzer setzt Kristoffer Toffi Born um Zentimeter am langen Pfosten vorbei. Auf Seiten der Tulpen ist noch ein schönes Zusammenspiel zwischen Toffi und Hartwig Mayer an der Strafraumgrenze zu vermerken, das Hartwig aber auch nicht nutzen kann. Das eigentlich bis dahin zwar einseitige aber gute Spiel verebbt etwas, die Tulpen verhindern ein Debakel, es sieht alles schon nach einer torlosen zweiten Halbzeit aus, bis der Allstars-Stürmer doch noch einmal seine individuelle Klasse aufblitzen lässt und einen Flachschuss aufs Tor der Tulpen abgibt. Die eigentlich sichere Beute für Christian Meuschke lässt dieser dann aber irgendwie doch durch die Hosenträger rutschen, und der Ball trudelt gemächlich über die Linie zum 3:0. Dies war der einzige Fehler, des sonst durch großartige Leistung glänzenden Tulpen-Keepers Meuschke.  

Fazit:

Zwei Gegner auf einmal und technisch anspruchsvoller Untergrund überforderten die Tulpen an diesem Abend. Ihr sonst gewohnt sicheres Spiel in der Offensive aus eingespielten kurzen Pässen und Dribblings brachten sie so kaum auf den Platz. Und letztlich kann auch nur aus der zweiten Reihe geschossen werden, wenn man zumindest bis dahin kommt. Statt Ideenwerkstatt Ratlosigkeit. Gegen normale Gegner entstehen Ideen eben leichter, wie man nicht nur auf dem Platz sieht. Aber da lag an diesem Montag nun mal die Wahrheit.