BolzMasters 2008

Ein Reisebericht über das ewig Gleiche – vorerst zum letzten Mal

"Du musst gucken, was machen Torwart". Mit diesen Worten hat Ratimir Britvec bei den Grünen Deutschen Meisterschaften im Halbfinale 2007 seinen entscheidenden Elfmeter kommentiert und einmal mehr unter Beweis gestellt, dass in den scheinbar einfachen Fußball-Sprüchen komplexe Inhalte stecken. Der Ausflug 2008 zu den BolzMasters von Dynamo Windrad in Kassel stand für die Grünen Tulpen gleich in mehrfacher Hinsicht unter diesem vielsagenden Motto. Zum einen sollten 14 grüne Siebenmeter über das Schicksal der Tulpen im Turnierverlauf entscheiden,  zum anderen stand schon vor Turnierbeginn ein neuerlicher Abschied in den Tulpenreihen an. Torhüter Markus Nees sollte im Jahr des 25-Jährigen Jubiläums zum letzten Mal für die Grünen durch den Strafraum fliegen. Sein Umzug ins australische Sydney wird weitere Teilnahmen an Tulpen-Turnieren deutlich erschweren. Seit seiner Knieverletzung in 2005 hat er sich bereits auf die wenigen Rasenturniere beschränkt, dort – wie bei den BolzMasters in Kassel – aber immer wieder beeindruckend unter Beweis gestellt, warum er schon mit 18 Jahren bei Borussia Fulda in der Oberliga auflaufen durfte, wo sein Körper leider nicht mit seinem Talent mithalten wollte. Wer Markus im letzten Gruppenspiel 2008 beobachtet hat und ihn nach einer ersten Parade vom Boden aufspringend über seinen Mitspieler hinweg den Nachschuss parieren sah oder ihn im späteren Achtelfinale gegen die Mannschaft von Marokko bei einem Eckball quer in der Luft liegen sah, musste einfach an Ratimirs Spruch denken oder aber die volle Ladung Markus über sich ergehen lassen. Es war eine beeindruckende Abschiedsvorstellung, möge Markus seinen Sommerurlaub oft in der Nähe seiner mittelhessischen Heimat verbringen!

Die Grüne Tulpe beim BolzMaster Kassel 2008

Doch so ein Auswärtsturnier ist mehr als schöner Fußball – es ist vor allem ein Gruppenereignis. Die Mannschaft für die Fahrt nach Kassel fand sich bereits, bevor die Anmeldung über die Bühne gegangen ist. Nicht nur, weil Dynamo Windrad mit der Organisation eines Teilnehmerfelds von über 60 Mannschaften Großartiges auf die Beine stellt, sondern auch, weil die Fahrten mit dem Tulpenkader einfach viel Freude bereiten. Der Biodiesel-Bus der Fraktion war mit Markus Nees, Ronny Jäckel, Christian Meuschke, Markus Meyer, Andre Bornstein und Balkan-Maradona Ratimir Britvec gut besetzt, ehe es in Kassel zum Wiedersehen mit den Exil-Tulpen Jürgen Stark (aus Stuttgart angereist) und Thomas Flügge kam, dessen Wohnung in Kassel-Mitte angesichts der Regenschauer auch einem Zeltlager vorgezogen wurde. Doch was folgt ist der erste Schreck. Beim Entladen des Busses vermisst ausgerechnet "Papa Rati" seine Tasche. Dabei hatte er sie extra deutlich sichtbar in seinem Büro zum Einladen bereit gestellt. Immerhin 3 Tulpen bedurften es, um Ratimir zu überzeugen, dass er die Tasche bereits in der Hand hält, was die Tatsache aber nicht weniger richtig machte.

Am Tag darauf hatte Ratimir seine Übersicht wieder gefunden. Spätestens im dritten Spiel tanzte Diego Britvec wieder mit Ball und Gegner. Über das Tanzen und die abendliche Turniervorbereitung von anderen Mitgliedern der Mannschaft hüllen wir an dieser Stelle hingegen lieber den Mantel des Schweigens. Der Turnierverlauf lässt sich bei den vielen Turnierberichten der vergangenen Jahre abschreiben. Einmal mehr misslang der Start. Gegen eine mauernde Truppe namens "Britney Spears" war man zwar spielerisch überlegen, aber Christian Meuschke rutschte nach Vorlage von Kassel-Verstärkung Olli Künne am Ball und leeren Tor vorbei und Thomas Flügge scheiterte frei vor dem Tor am herausstürzenden Keeper. 0:0 – was folgte war das Spiel gegen "Tretlager Espresso" und der Druck, in diesem Spiel das Torverhältnis in Ordnung zu bringen, was nach zähen ersten Minuten durch einen satten Linksschuss von Künne endlich auch gelang. Dem 1:0 folgten durch jeweils 2 Tore von Stark und Bornstein 4 weitere. Im letzten Gruppenspiel gegen "Joketown United" musste der Einsatz wieder erhöht werden und nach der verdienten Führung durch Jürgen Stark bedurft es noch der besagten Parade von Markus Nees und des Ideenreichtums von Britvec, um das Ergebnis über die Zeit zu bringen.

 

Als Gruppensieger waren die Tulpen letztendlich souverän qualifiziert für die Runde der letzten 32 und das K.O.-System. Wie in den beiden Jahren zuvor galt es, zuerst die 0 zu halten und schon sah man sich zum ersten Mal in diesem Turnier im Siebenmeterschießen wieder. Nach Toren von Flügge und Bornstein verpasst ausgerechnet Nees die Vorentscheidung bei den ersten 3 Schützen, aber die Routine von Britvec, der einmal mehr Augenkontakt suchte, brachte die Qualifikation für das Achtelfinale. Ab jetzt warteten dieselben Gegner wie im letzten Jahr. Zunächst trafen man auf "Marokko", die im letzten Jahr sensationell im (ja genau) Siebenmeterschießen bezwungen werden konnten. Obwohl "Marokko" nicht ganz die Souveränität vom letzten Jahr hatte, zeigten sie überragende Technik und Schnelligkeit. Doch die Tulpenabwehr um Bornstein hielt, nicht jedoch dessen Knöchel. Andre probierte es zwar noch einmal, aber die Schmerzen waren stärker. Sein Siebenmeter im Shoot-Out war entsprechend unplatziert und die Tulpe lag trotz der Treffer von Flügge und Nees vor dem letzten Schützen zurück. Der Torhüter Marokkos konnte die Chance jedoch nicht nutzen und setzte seinen Schuss an die Latte. Jetzt musste immer einer ran und die Tulpe durfte vorlegen. Britvec: Tor und der Ausgleich. Stark: kein Tor – Marokko verschießt. Meyer: Pfosten – Nees hält. Künne: Tor und Nees hält. Viertelfinale!

Auch hier das Wiedersehen mit alten Bekannten. Im letzten Jahr verloren die Tulpen hier gegen die "Söhne der Mutter" mit 1:0. Am Ende der Revanche sah es schon besser aus. Erneut konnte Nees nicht bezwungen werden, aber wirkliche Chancen konnten man sich auch nicht erspielen und so musste erneut das Siebenmeterschießen herhalten. Da Bornstein nicht mehr mitwirken konnte, wurde Britvec von Spielertrainer Jäckel nach seinen beiden Toren zu Recht unter die ersten 3 Schützen berufen. Nach 3 Treffern der Söhne und Toren von Flügge und Nees lag die ganze Last auf einmal auf dem Routinier, der den Ball dann gegen die Latte setzte und zeigte, dass auch 62 Jahre nicht vor Emotionen schützen. Nach 2006 und 2007 war also erneut das Viertelfinale Endstation. Am Ende feierten wir dennoch einen schönen 6. Platz. Warum soll man immer 5. werden, wie in den vergangenen beiden Jahren – es muss ja nicht alles ewig gleich bleiben.

 

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