Tulpenjubiläum auf der Bolz-WM

Die "Papa Ratis" – 2010 - live in Kassel.

Was im ersten Moment wie das Revival einer erfolgreichen 70er Jahre Band klingt, ist nicht mehr und nicht weniger als ein fast gewöhnlicher Auftritt der Grünen Tulpe bei den BolzMasters. Aber eben nur fast gewöhnlich!

Das BolzMasters – eine Institution

2006 nahm die Grüne Tulpe zum ersten Mal an den legendären BolzMasters in Kassel teil - einem Kleinfeldturnier mit über 60 meist bunt zusammengemischten Mannschaften unterschiedlichster Herkunft und Hintergründe. Dynamo Windrad – die Ausrichter – gelten bundesweit als besondere Adresse in der alternativen Fussballszene.

Seit der ersten Teilnahme der Tulpe scharten sich jedes Jahr immer wieder Mitglieder der Grünen Tulpe um den ehemaligen Fraktionskollegen Thomas Flügge mit dem Ziel die heiß begehrte Trophäe  bei den Bolzmasters zu erkämpfen.

Papa Rati

Der Codename unter dem die Grüne Tulpe 2010 firmierte war weniger dem 5. Jubiläum der Tulpe in Kassel geschuldet als viel mehr eine Hommage an jemanden, der die Tulpe in den zurückliegenden 15 Jahren geprägt hatte wie kaum ein zweiter: Ratimir Britvec. Ratimir, der durch seine regelmäßige Teilnahme auch jedem Kasselausflug seinen Stempel aufdrücken konnte,  hatte angekündigt 2010 zum letzten Mal dabei zu sein. Anlass genug für eine Wüdigung der besonderen Art.

Das Ra-T-Shirt

Was lag da näher als die Prägung des Tulpenzaubers durch Ratimir nach außen sichtbar zu machen. Der Name – Papa Rati - war schnell gefunden. Nun musste ein Logo her. Die Kreativabteilung der Turniermannschaft Jochen Schieborn und Markus Meyer schufen aus dem Konterfei von Ratimir und grafischen Vorbildern anderer Freiheitskämpfer das Logo, dass die Vorderseite des Turniertrikots zieren sollte – alles Stilecht in Grün-Weiß. Die Herstellung wurde einem altkaderwürdigen Kollektivbetrieb anvertraut – niemand schien besser dafür geeignet als Hönkeldruck.

Die Turniervorbereitung

Ratimir war in diese Planungen nicht einbezogen. Er sollte zu Turnierbeginn vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Für ihn begann das Turnier wie gewöhnlich mit einer ersten Mannschaftsbesprechung vor Ort. Die Mannschaft war von Alter, fussballerischer Ausprägung und Wohnsitz an Heterogenität kaum zu überbieten. Arne Jungjohann reiste eigens aus Washington DC an. Wolfgang Helm nutzte Kassel als Zwischenstopp von Aschaffenburg nach Brüssel. Es handelte sich um eine alles andere als eingespielte Fussballcombo, die sich so zum ersten und wohlmöglich auch zum letzten mal zusammengefunden hatte.

Pünktlich zum WM-Viertelfinalspiel Uruguay-Ghana traf die Mannschaft also zum Fussballgucken im Boccacio ein.  In der Halbzeitpause wurde das Spielsystem festgelegt, danach der Teamchef ausgewählt. Ratimir – der noch immer im Glauben war, es handelt sich um ein ganz normales Turnier winkte wie immer ab. Es musste also ein Strohmann gefunden werden, der die Spielvariationen von Ratimir verstehen und verkünden konnte. Christoph Benze – der erst danach in der zweiten Halbzeit im Boccacio eintreffen sollte – stand schnell als Teamchef fest, tat sich mit dem Verständnis von Ratimirs taktischen Überlegungen schwerer als erwartet wie der erste Turniertag zeigen sollte.

Der erste Turniertag

Nach einer kurzen Nachtruhe in der Jugendherberge trafen wir um 9:00 auf den Waldauer Wiesen ein. Unser erstes Spiel war auf 9:30 festgesetzt. Schließlich war es erklärtes Ziel der Turnierleitung, den ersten Spieltag bis 15:00 abzuschließen, damit alle Teilnehmer die Chance hatten erst zu duschen und dann im Festzelt gemeinsam das Spiel Deutschland –Argentien anzuschauen.

Statt Ratimir mit großen Reden zu überraschen, zogen wir wortlos unsere neuen Trikots an und warfen auch Ratimir eines zu. Erst wunderte er sich über das neue Design, dann schaute er genauer, stutzte: "Ihr Sch…kerle…" Aber es war zu spät, schließlich hatte Ratimir ja vergessen, die richtigen Trikots mitzubringen.

F2 versenkt hieß unser erster Gegner, der seinem Namen gleich alle Ehre machte. Wir fanden ins Spiel aber suchten zu selten den Abschluss. Der Gegner tauchte dagegen nur einmal vor unserem Tor auf: Schuss – abgewehrt – Nachschuss – Innenpfosten - Rücken von Torwart Jochen - 0:1 – Ende - Aus! Ein typischer Turniereinstart der Tulpe. In den folgenden Spielen schafften wir es zwar uns spielerisch weiter eine gute B-Note zu verdienen, aber die Torerfolge blieben weiter aus. Eine Niederlage gegen die Söhne der Mutter (Turniersieger von 2007), ein Unentschieden gegen die"Die Grasnabe" , die Mannschaft der Kasseler Grünen und eine weitere Niederlage gegen das Trainingscamp Kannenberg Kassel (Turniersieger 2008) besiegelten den sportlich katastrophalen Turniereinstieg. Ein taktischer Systemwechsel des Teamchefs brachte dann im letzten Spiel die Wende. Fussballästhetisch ein Rückschritt aber endlich erfolgreich gewannen wir unser letztes Spiel knapp mit 1:0 gegen die gelben Rastas . Patrick hielt die Abwehr zusammen und initierte immer wieder gezielte Vorstöße. Das Siegtor steuerte Markus bei, der bei dem Versuch danebenzuschießen in den Boden trat und so den Ball ins Tor beförderte.

Der Höhepunkt des Tages lag dieses Jahr aber nicht auf dem Platz – zumindest nicht dem Kasseler – sondern im Festzelt vor der Großbildleinwand. Das WM-Viertelfinale Deutschland gegen Argentinien - ein Fussballfest für die Geschichtsbücher nach dem sich alle autonomen Fussballspieler der Region grölend in den Armen lagen und "so ein Tag so wunderschön wie heute…" intonerten.

Nach dem Spiel waren wir fast so durchgeschwitzt wie nach den eigenen Spielen. Ein beherzter  Sprung in den Kassler BuGasee brachte die nötige Abkühlung. Abends im Boccacio wurden dann Turnier und Deutschlandspiel ausgewertet und die Taktik für den kommenden Tag festgelegt.

Der zweite Turniertag

Die abendliche Analyse zeigte ihre Wirkung. Das erste Spiel gegen "Rumänien II" endete 7:1 für die Tulpe. Markus hatte seine Schußtechnik weiter perfektioniert, neben ihm, Aaron und Thomas konnte sich sogar Wolfgang Helm in die Torschützenliste eintragen. Nach einem weiteren Sieg gegen Babylon kam es zu einem packenden Spiel gegen den Altonaer RasenSportClub Hamburg, "Arsch 09", bei dem sich neben Torhüter Jochen auch Arne und Aaron als sichere Elfmeterschützen auszeichneten. Wir hatten das Endspiel in unserer Gruppe erreicht! Organisatorische Kunstgriffe der Turnierleitung ordneten uns den wohlverdienten Finalgegner "Kleine Könige" zu. Fast sah es so aus, als verfielen wir in die Spielmuster des Vortages. Nur das entscheidende Durchgreifen von Thomas und seinem Sturmpartner und Gastspieler Totten sicherte uns den verdienten Sieg und damit noch den versöhnlichen sportlichen Abschluss. Wenn schon nicht Platz eins des Turniers dann doch zumindest Sieger in unserer Finalrunde und damit Platz 33.

Das Fazit

Perfekter läßt sich ein Fussballwochenende kaum inszenieren. Die Tulpe befindet sich auf einem Optimierungsfeld und kann realistische Ziele für die Bolzmaster 2011 formulieren: sportlich: besser als Platz 33 und strategisch: Ratimirs Rücktritt vom Rücktritt. Und für alle "friends of Rati": noch gibt es überzählige Ra-T-Shirts – wahlweise mit oder ohne den Blut Schweiß und Tränen aus Kassel.