Rede von Dieter Janecek

Europäische Raumfahrt

14.11.2019

Dieter Janecek (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Es freut mich, dass wir heute diese Debatte führen. Raumfahrtpolitik steht nicht oft im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit.

Wobei, mit Ihrem Antrag, werte Kolleginnen und Kollegen der Großen Koalition, haben Sie ja durchaus Schlagzeilen gemacht. „Berlin will der ESA weniger Geld zahlen“: Der BDI sprach von einem Alarmsignal. Das Ministerium hat inzwischen klargestellt, dass es keine Kürzungen geben soll. Gut so. Wir müssen also keine Sorge über mangelnde Aufmerksamkeit für unsere Debatte haben.

Liebe Kolleginnen von Union und SPD, Sie haben einen ausführlichen und auch fundierten Antrag vorgelegt. Das kann man auch als Opposition einmal sagen.

Dennoch, mehrere Punkte kommen mir zu kurz:

Die Orientierung an Gemeinwohl und Nachhaltigkeit taucht zwar auf – ganz am Ende des Antrags –, das müsste aber der zentrale Leitgedanke sein.

Sie erwähnen die existierenden Programme der Erd- und Klimabeobachtung. Diese stehen aber nicht im Zentrum.

Und es bleibt ein Grundproblem: Erkenntnis ist ja bekanntlich die Basis für die menschliche Fähigkeit, Dinge besser zu machen. Aber wir sind eigentlich schon jetzt Weltmeister darin, die komplexen Zusammenhänge der Klimakrise zu verstehen – ohne im Handeln umzusteuern.

Zu kurz kommen auch die Gefahren, die durch Weltraumschrott entstehen. Rund 130 Millionen Objekte kreisen um die Erde, mehr als 30 000 Teile, die größer als 10 Zentimeter sind. Wir fordern seit Jahren, dass dieses Problem, das für viele Missionen auch zunehmend zum finanziellen Risiko wird, endlich auch in Deutschland in einem Weltraumgesetz adressiert wird. Hier braucht es klare Haftungsregelungen, die für Rechtssicherheit sorgen.

Ob die – sehr wichtige – Hera-Mission für das Weltraumschrottproblem der richtige Hebel ist, bleibt abzuwarten. Hier wird nach meiner Einschätzung die für 2023 anvisierte „e.Deorbit“-Mission relevanter sein.

Das Thema Weltraumbergbau haben Sie in Ihrem Antrag nur angerissen. Dass Sie sich gegen nationale Alleingänge aussprechen, unterstützen wir ausdrücklich. Wir sind gespannt auf das Weltraumgesetz, das Minister Altmaier – so der letzte Informationsstand – dieses Jahr noch vorlegen will.

Den Weltraumbergbau, den sehen wir nicht – nicht auf Jahrzehnte. Gerade mit Blick auf den enormen physikalischen Aufwand, der nötig wäre, meine ich, sollten wir erst einmal mit einer echten Kreislaufwirtschaft auf der Erde beginnen – anstatt über Rohstoffförderung auf Asteroiden nachzudenken!

Es ist schön, dass die Große Koalition endlich mit dem Begriff „NewSpace“ etwas anfangen kann. Eine stärkere Berücksichtigung von KMU und von Unternehmen, die die Prozesse der Raumfahrt neu denken, ist überfällig und kann davor bewahren, über etablierte Muster in eine gewisse Schwerfälligkeit zu verfallen.

Wir möchten die Bundesregierung, das DLR sowie weitere etablierten Akteure der Raumfahrtbranche sehr dazu ermutigen, in dieser Richtung auch neue Kooperationen zu suchen.

Elf Deutsche waren bislang im All. Zuletzt Alexander Gerst, der uns – und ich glaube, viele Menschen im Land – mit seiner Art mitgerissen und neu für Raumfahrt begeistert hat.

Matthias Maurer – der ja auch einen beeindruckenden Lebenslauf vorzuweisen hat – wird der zwölfte Deutsche im All sein. Der zwölfte deutsche Mann.

Nimmt man alle Weltraumnationen zusammen, waren inzwischen mehr als 60 Astronautinnen im Weltall. Erst Anfang November absolvierten die beiden US-Astronautinnen Christina Koch und Jessica Meir gemeinsam einen Außeneinsatz auf der ISS. Ich finde, es wird auch einmal Zeit für die erste deutsche Astronautin!

Danke an die Kolleginnen und Kollegen von der FDP, die diesen Punkt in ihren Antrag aufgenommen haben!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!