Rede von Ulle Schauws

Frauen in Führungspositionen

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11.06.2021
Foto von Ulle Schauws MdB
Ulle Schauws
Sprecherin für Frauenpolitik Sprecherin für Queerpolitik

Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Frau Ministerin, auch von meiner Fraktion alles Gute für Sie und Ihre Zukunft. Danke für die gute Zusammenarbeit!

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

Kurz vor Ende der Wahlperiode ringt sich die Koalition dazu durch, das Führungspositionen-Gesetz II zur Abstimmung zu bringen. Das war knapp. Der vorliegende Gesetzentwurf wurde

durch weitere Kompromisse nochmals abgeschwächt. Das, liebe CDU/CSU-Fraktion, gleicht einem Unterbietungswettbewerb zur Frage, wie wenig Frauenförderung in einem Gesetz stecken kann.

(Nadine Schön [CDU/CSU]: Ach, Quatsch!)

Um es klar zu sagen: Mit der neuen Gesetzesfassung wird es in den Vorständen keine echte Quote geben, sondern nur eine Mindestbeteiligung von einer Frau pro Vorstand, egal wie

groß der Vorstand ist. Reine Männervorstände bleiben so weiterhin möglich. Auch die Übergangsfristen wurden noch mal verlängert. Welches Signal wollen Sie damit eigentlich an die vielen Frauen

im Land senden, die endlich gleiche Chancen wollen?

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Mechthild Rawert [SPD] und Doris Achelwilm [DIE LINKE])

Es ist höchste Zeit für eine Modernisierung unserer Wirtschaft. Wenn alle Talente berücksichtigt werden und Vielfalt in den Führungsetagen abgebildet wird, sind die

Entscheidungen ausgewogener. Diversität ist ein Gewinn, und #StayOnBoard ist auch einer. Deutschland hinkt um Jahrzehnte hinterher. Ein echter Kulturwandel in Chefetagen ist überfällig.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, dass wie in den vergangenen Monaten die Lage und Nöte der Frauen viel zu spät in den Blick genommen wurden, lag auch daran, dass in den

Entscheidungspositionen noch immer überwiegend Männer sitzen, auch hier im Bundestag. Wer entscheidet, ist eben nicht egal. Wir wollen den Kulturwandel jetzt. Dafür braucht es die kritische

Masse von mindestens einem Drittel Frauen. Das zeigt die Forschung sehr klar. Das bestätigen auch die Erfahrungen von Vorstandsfrauen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Wir haben in der Vergangenheit leider schon zu häufig gesehen, dass eine Frau alleine es nicht richten kann, die männlich geprägte Kultur zu durchbrechen. Darum haben wir Grünen

einen konkreten eigenen Vorschlag formuliert. Wir fordern in unserem Antrag eine feste Quote von mindestens 33 Prozent für alle börsennotierten und mitbestimmten Unternehmensvorstände.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Die Quote soll auf dem Weg zur paritätischen Repräsentanz ab dem Jahr 2025 auf 40 Prozent ansteigen.

Wir Grünen wollen zudem, dass die Unternehmen verbindliche Pläne für alle, auch für die unteren Führungsebenen, aufstellen. Denn faire Chancen müssen alle Frauen bekommen, egal

auf welcher Stufe der Karriere sie sich befinden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, abschließend noch ein Wort zu den Aufsichtsräten. Warum sind Sie hier so zaghaft? Die Quote für Aufsichtsräte wirkt, die Unternehmen kennen diese

Quote, und sie haben mit einer Ausweitung gerechnet. Das ist genau der Zeitpunkt, endlich diese Ausweitung auf den Weg zu bringen; denn bislang ist nur eine Gruppe von gut 100 Unternehmen

betroffen.

Wir wollen in der nächsten Legislatur eine Ausweitung auf mehr Unternehmen und eine Erhöhung auf 40 Prozent erreichen. Der Weg für eine moderne Wirtschaftspolitik muss geebnet

werden; denn das ist jetzt dran.

Vielen Dank.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Vizepräsidentin Dagmar Ziegler:

Herzlichen Dank. – Das Wort geht an Katja Mast von der SPD-Fraktion.

(Beifall bei der SPD)