Rede von Ulle Schauws

Gegen Konversionsbehandlungen zur Änderung der sexuellen Identität

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06.03.2020
Foto von Ulle Schauws MdB
Ulle Schauws
Sprecherin für Frauenpolitik Sprecherin für Queerpolitik

Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vielfalt in unserer Gesellschaft ist eine Errungenschaft, an der wir unermüdlich arbeiten müssen. Ich begrüße, dass die Bundesregierung sieben Jahre nach dem ersten grünen Gesetzentwurf nun ein Verbot von Konversionsbehandlungen vorlegt.

Für Menschen, die unter den menschenverachtenden Praktiken dieser Pseudotherapien leiden, setzt der Staat damit ein klares Signal: Lesbische, schwule, bisexuelle und transsexuelle Menschen werden vor Personen, Organisationen und Glaubensgemeinschaften geschützt, die sie gewaltvoll „normieren“ wollen und als krank deklarieren.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Aber ein Verbot muss konsequent sein, ohne Ausnahme. Es muss im vollen Bewusstsein darüber erlassen werden, wie diese Behandlungen funktionieren und wer die besonders schutzwürdigen Gruppen sind. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das sind in erster Linie junge Menschen. Ihr Umfeld bringt ihnen bei, dass jede Abweichung von einer konstruierten Normalität falsch ist. Menschen, denen sie vertrauen, reden ihnen beispielsweise ein, dass ihre sexuelle Identität Sünde ist, Teufelszeug, eine Gefahr für andere.

Junge Menschen sind nicht nur auf ihre Erziehungsberechtigten angewiesen; auch deren Werte und Weltanschauungen haben großen Einfluss auf das Wohl und Selbstbild ihrer Schutzbefohlenen. Genau diese vertrauten Menschen sind doch diejenigen, die den größten Druck ausüben können. Und deshalb sind die Ausnahmeregelungen im aktuellen Entwurf der Regierung fatal. So können Erziehungsberechtigte weiterhin ohne Folgen Konversionsbehandlungen durchführen. Bereits jetzt finden viele dieser gefährlichen Behandlungen im privaten Bereich statt und entziehen sich so der gesellschaftlichen und der öffentlichen Kontrolle. Fakt ist aber: Diese Pseudotherapien führen im schlimmsten Fall sogar dazu, dass Betroffene sich aus Verzweiflung das Leben nehmen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, darum muss der Staat hier besonders klare Orientierungspunkte für die Betroffenen schaffen: Kein Mensch darf die Selbstbestimmtheit eines anderen infrage stellen oder sogar bedrohen.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Gesetzes muss ein wirksames Werbeverbot sein;

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Doris Achelwilm [DIE LINKE])

denn es gibt Menschen, die aus eigener Motivation heraus und mit großer Hoffnung eine Konversionsbehandlung beginnen. Das ist wenig verwunderlich: Wenn Menschen jahrelang erklärt wird, dass sie krank sind, dann suchen sie nach Erlösung. Sie schöpfen Hoffnung in vermeintlichen Hilfsangeboten. Schädlich bleiben diese trotzdem.

Der aktuelle Entwurf der Koalition erlaubt das sogenannte „nichtöffentliche Werben, Anbieten und Vermitteln von Konversionsbehandlungen“. Das ist vage und lädt aktiv zur Umgehung ein. Ich fordere deshalb ein klares Verbot jeglicher Form von Vermittlung und Bewerbung von Pseudotherapien, egal in welchem Rahmen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN)

Lassen Sie uns gemeinsam mit einem lückenlosen Verbot Klarheit schaffen, mit dem eindeutigen Signal an Betroffene: Du bist okay, so wie du bist. Du bist wertvoll, egal wen du liebst.

Vielen Dank.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN)

Vizepräsident Wolfgang Kubicki:

Vielen Dank, Frau Kollegin. – Nächste Rednerin ist die Kollegin Emmi Zeulner, CDU/CSU-Fraktion.

(Beifall bei der CDU/CSU)