Rede von Prof. Dr. Armin Grau Impfen

06.07.2022

Dr. Armin Grau (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Parteien!

(Dr. Harald Weyel [AfD]: Gibt es aber ja nur im Singular, die demokratischen Parteien! Singular!)

Die Coronapandemie ist eine schreckliche Bürde für uns alle: mehr als 140 000 Tote in Deutschland, viele schwer Erkrankte, eine hohe Prävalenz von Long Covid. Corona ist eine Zumutung für uns alle. Umso weniger haben wir es verdient, dass Sie von der AfD uns irreführende Anträge wie den vorliegenden zumuten.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP und des Abg. Thomas Lutze [DIE LINKE])

In diesen schweren Zeiten ist es ein Segen, dass wir so schnell hochwirksame Impfstoffe hatten. Wissenschaftler aus London haben errechnet, dass weltweit im ersten Jahr der Pandemie rund 31 Millionen Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus zu erwarten gewesen wären. Davon haben die Impfungen knapp 20 Millionen Todesfälle verhindert. Welch ein Glück für uns, diese Impfstoffe so schnell gehabt zu haben!

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP)

Vizepräsident Wolfgang Kubicki:

Herr Kollege, erlauben Sie eine Zwischenfrage aus der AfD-Fraktion?

Dr. Armin Grau (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Vielen Dank, nein.

(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Norbert Kleinwächter [AfD]: Sehr demokratisch!)

Ich habe selbst als Arzt in der Klinik sehr schwere und tödliche Verläufe der Covid-Erkrankung erlebt und bin deswegen so dankbar, dass durch die Impfungen der Verlauf der Krankheit deutlich abgeschwächt und im Übrigen auch die Weitergabe der Krankheit reduziert werden konnte. Alles, was Wirkung erzielt in der Medizin, hat auch Nebenwirkungen. Das Prinzip „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“ gibt es leider auch in der Medizin nicht.

(Beifall der Abg. Dr. Kirsten Kappert-Gonther [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

Nach den Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung haben bei 172 Millionen Impfungen knapp 2,5 Millionen Patienten von Impfreaktionen berichtet. Sie von der AfD verwechseln aus purer Unkenntnis Nebenwirkungen mit leichten Impfreaktionen, über die die Patienten berichtet haben. Die Rate dieser Impfreaktionen ist wirklich nicht hoch und kein Grund zur Dramatisierung. Anders als die AfD ausführt, sind die Daten des Paul-Ehrlich-Instituts die wirklich aussagekräftigen, da sie sich entsprechend dem Infektionsschutzgesetz auf den „Verdacht einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung“ beziehen. Was das übliche Maß ist, wurde auch klar definiert.

Der Antrag der AfD suggeriert, es gebe keine validen Daten zu Impfnebenwirkungen. Sie sprechen von einem „Blindflug“, Herr Sichert. Dabei sind Sie es, die blind sind für die Daten und Fakten hier.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP)

Das Meldewesen in Deutschland funktioniert. Das Paul-Ehrlich-Institut meldet für 2021 eine Rate schwerwiegender Reaktionen von 0,02 Prozent. Wirklich schwere Nebenwirkungen wie eine Herzmuskelentzündung oder eine generalisierte Nervenlähmung, Guillain-Barré-Syndrom , sind glücklicherweise sehr, sehr selten. Alle Verantwortlichen haben ein waches Auge auf Impfnebenwirkungen. Da wird nichts bagatellisiert, insbesondere nicht von der Ampelkoalition oder der Bundesregierung.

Mir als Arzt und Wissenschaftler ist ein sachlicher Blick auf die Datenlage wichtig. Der vorliegende Antrag reiht sich leider nahtlos ein in die Desinformationskampagne bezüglich der Impfung seitens der AfD. Dadurch nehmen Menschen indirekt Schaden, weil sie getäuscht werden und sich eventuell nicht impfen lassen.

(Dr. Harald Weyel [AfD]: Links-grüner Pharmalobbyismus!)

Kurzum, meine Damen und Herren der AfD-Fraktion: Ihr Antrag ist völlig deplatziert.

Vielen Dank.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD, der FDP und der LINKEN)

Vizepräsident Wolfgang Kubicki:

Vielen Dank, Herr Kollege Professor Grau. – Die AfD-Fraktion hat um eine Kurzintervention gebeten, die ich zulasse. Bitte, Herr Kollege, Sie haben das Wort.