Rede von Claudia Müller

Seelots*innen

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22.04.2021
Foto von Claudia Müller MdB
Claudia Müller
Mittelstandsbeauftragte (19. WP) Sprecherin für maritime Wirtschaft (19. WP)

Claudia Müller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Herr Mrosek, die schlechteste Antwort auf die Herausforderung der Zukunft ist ein „Das haben wir aber immer schon so gemacht“.

Ich freue mich sehr, dass wir heute zukunftsweisend eine neue Ausbildung für Seelotsinnen beschließen. Der Prozess dazu war ein sehr langer. Bereits 2012 gab es dazu einen Ministererlass. 2016 legte eine extra dafür eingerichtete Arbeitsgruppe der WSV einen Vorschlag dazu vor. Und jetzt, also fünf Jahre später, reformieren wir endlich die Seelotsausbildung.

Der Schritt war überfällig; das ist mehrfach angesprochen worden. Wir brauchen neue, zusätzliche Ausbildungswege. Wir müssen mit unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen in den Lotsberuf hineinkommen. Der Lotsberuf muss attraktiver werden, insbesondere für Menschen, denen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besonders wichtig ist.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Dieser Gesetzentwurf kann damit einen wichtigen Beitrag zur Lösung des Nachwuchsproblems vieler Seelotsreviere geben. Denn auch wenn sie jetzt noch nicht bestehen, so werden wir in den nächsten Jahren extreme Abgänge erleben: Ab dem Jahr 2025 gehen pro Jahr 40 Seelotsen in Rente. Das betrifft übrigens insbesondere die Reviere im Nordseebereich und im Elbebereich. Hier haben wir also einen besonderen Bedarf.

Die Seelotsinnen sind ein wichtiger Teil der maritimen Wirtschaft; denn sie tragen erheblich zur Sicherheit unserer Schifffahrtswege bei. Sie sind es, die dafür sorgen, dass Handelsschiffe wohlbehalten durch Nord- und Ostsee kommen und beispielsweise bei der Revierfahrt auf der Elbe unterstützt werden. Damit sorgen sie dafür, dass wir weniger Schiffsunfälle haben; Herr Ferlemann hat es ausgeführt.

Stellen wir uns doch nur mal vor, ein solcher Unfall wie mit der „Ever Given“ im Sueskanal würde auf der Elbe passieren: Die Auswirkungen für Umwelt, Natur, aber auch Wirtschaft und die Lieferketten wären von enormem Ausmaß. Dafür ist es wichtig, dass wir das Seelotswesen für die Zukunft gut aufstellen, und deswegen ist es wichtig, dass wir diese Reform jetzt auf den Weg bringen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Aber wir dürfen uns darauf nicht ausruhen – das ist ein Schritt. Wir brauchen generelle Reformen im Bereich der maritimen Ausbildungsberufe, auch bei den Nautikerinnen und den Schiffstechnikerinnen. Und hier ist ein gemeinsames Handeln von Bund und Ländern, die übrigens beide dafür zuständig sind, gefordert; denn in den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Beschäftigten in den maritimen Berufen, insbesondere an Bord von Schiffen unter deutscher Flagge, zurückgegangen.

Diesen Trend müssen wir nicht nur bremsen. Es wäre wünschenswert, ihn umzudrehen; denn es ist unglaublich wichtig für unsere gesamte Volkswirtschaft, dass wir das maritime Know-how in Deutschland halten. Wir haben in den letzten Jahren hier viel verloren. Wichtige Bausteine, wie zum Beispiel die Schiffsfinanzierung, sind bereits ins Ausland verlagert worden, übrigens zum Großteil auch nach China. Das ist nicht nur ein kleines Thema, sondern das ist ein großes Thema von strategischer Bedeutung in der Zukunft.

Deswegen ist es so wichtig, dass wir das Thema der maritimen Ausbildungsberufe grundsätzlich angehen. Wir haben hier einen ersten Schritt getan, aber es ist nur ein erster. Jetzt geht es daran, weitere maritime Berufe zukunftsfähig aufzustellen und zu reformieren.

Vielen Dank.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)