Rede von Erhard Grundl

Special Olympics und World ­Games 2023

08.11.2018

Erhard Grundl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Herr König, Sie präsentieren sich als ehemaliger Sportler. Ich weiß nicht, wie viel Sportsgeist dahintersteckt; denn die gleichen Unwahrheiten, die Sie heute hier wieder präsentiert haben, hatten Sie ja schon mal in der Vergangenheit öffentlich gemacht, um sie dann im Ausschuss kleinlaut zurückzunehmen und sich zu entschuldigen. Ich erwarte eigentlich das Gleiche heute wieder in der Öffentlichkeit – und nicht nur für Ihre Blase morgen früh auf Ihren Videokanälen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und der LINKEN)

Aus Sicht unserer Fraktion ist es gut und wichtig und auch entscheidend, dass sich die Organisation Special Olympics Deutschland um die Weltspiele 2023 bewirbt. Wie die SOD sehen auch wir in einer Bewerbung um die Weltspiele große Chancen für einen Wandel in der Gesellschaft hin zu mehr Inklusion und Teilhabe. Für uns steht auch fest, dass eine Bewerbung nur in einem transparenten Prozess erfolgen kann und ökologische Standards besonders berücksichtigt werden müssen. Dann ist auch eine finanzielle Förderung mit Steuergeldern gerechtfertigt.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Die vorgelegte Bewerbung um die Weltspiele zeigt eindrücklich, wie eine Sportgroßveranstaltung in Deutschland aussehen kann und auch aussehen sollte. Hier stehen die Athletinnen und Athleten im Vordergrund und nicht sich selbst dienende und bedienende Funktionäre, wie manche bei der FIFA oder beim IOC.

Die Ausrichtung der Weltspiele kann eine große dauerhafte Wirkung für die gesamte deutsche Gesellschaft haben. Sie wird und muss unseren Blick auf all die Bereiche in unserem Land schärfen, in denen wir bei Inklusion und Teilhabe noch lange nicht so weit sind, wie wir es sein könnten.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Ich denke hier an den Bildungsbereich, aber auch an den öffentlichen Nahverkehr und den Sportstättenbau. In all diesen Bereichen haben wir in Deutschland dringenden Nachholbedarf, was Inklusion und Teilhabe von Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung angeht.

Lassen Sie uns die Möglichkeit der Weltspiele daher nutzen, die öffentliche Infrastruktur in Deutschland inklusiv und frei für alle nutzbar zu gestalten; denn auch darum geht es bei den Weltspielen: zu zeigen, dass die Athletinnen und Athleten – ich darf hier die Bewerbung des SOD zitieren – „Gestalter ihrer eigenen Zukunft in allen Lebensfeldern sind“.

Ich freue mich, wenn wir in der Ausschussberatung zu einem fraktionsübergreifenden Beschluss kommen und die Bewerbung um die Special Olympics World Games gemeinsam unterstützen. Die World Games werden erfolgreich sein, wenn die Akteure aus Sport und Politik gemeinsam für dieses großartige Projekt eintreten und die Bevölkerung vor Ort einbinden.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Ich selbst war im Mai Gast bei den nationalen Special Olympics in Kiel. Als Kulturpolitiker stehe ich musikalischen Gassenhauern normalerweise eher spröde gegenüber. Aber wenn man erlebt hat, wie dort Athletinnen und Athleten, Zuschauer, Funktionäre und Politiker gemeinsam Helene Fischers bekanntesten Hit geschmettert haben, sodass das Dach der Ostseehalle fast weggeflogen ist, dann kann man fast auf die Idee kommen, es könnte gelingen, dass die Special Olympics World Games in Deutschland 2023 in etwa die gleiche mediale Aufmerksamkeit bekommen wie die im Jahr darauf stattfindende Fußballeuropameisterschaft.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Den Athletinnen und Athleten würde ich es gönnen.

Vielen Dank.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)