Rede von Margit Stumpp

Unterstützung beim Lernen

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25.02.2021
Foto von Margit Stumpp MdB
Margit Stumpp
Sprecherin für Bildungspolitik (19. WP) Sprecherin für Medienpolitik (19. WP)

Margit Stumpp (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen von der FDP! Wenn ich die Titel Ihrer Anträge lese, dann frage ich mich immer, ob Sie sich von der gleichen mittelmäßigen Werbeagentur beraten lassen wie die Bundesregierung. Sei es drum; reden wir über Lern-Buddys.

Sie benennen ja vollkommen richtig die größte bildungspolitische Herausforderung, die wir zu bewältigen haben werden, nämlich die enormen Lernrückstände und die Bildungsungerechtigkeit. Deswegen haben wir Ende letzten Jahres schon einen Antrag mit diversen Maßnahmen gestellt. Die Ministerin hat da ja leider eine Leerstelle.

Jetzt reagieren Sie mit Ihrer Spezialdisziplin, einem schmalen Antrag, der dieser Herausforderung mit Sicherheit nicht gerecht wird. Sie nehmen sich genau eine Maßnahme aus unseren Vorschlägen, die ja öfters geäußert wurden, und reduzieren das dann noch auf eine Gruppe, nämlich die der Studierenden; dabei ist das Spektrum doch viel größer: Wir haben FSJler, wir haben Menschen mit pädagogischer Erfahrung, Freiwillige, wir haben die Ruheständlerinnen und Ruheständler; die tauchen dann wahrscheinlich in einem extra Antrag als „Edu-Ager“ auf.

Aber wir brauchen diese Unterstützung, und da haben Sie dann wiederum recht: Die Schulen haben angesichts des Fachkräfte- und Lehrkräftemangels, zu dessen Abbau wir auch immer noch auf Vorschläge aus dem BMBF warten, nicht die Kapazitäten, um diese Aufgabe noch mit zu stemmen, und sie können Begleitung sehr gut gebrauchen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Es ist auch richtig, die Studierenden dann bezahlen zu wollen, zum Beispiel auch Künstlerinnen und Künstler, Soloselbstständige. Nur frage ich mich angesichts Ihres Vorschlages – 10 Euro in der Stunde –, was Ihnen Bildungsarbeit eigentlich wert ist. Ich habe vor 40 Jahren als Schülerin schon für jede Nachhilfestunde 10 D-Mark bekommen. Die Schule ist wirklich kein Platz für neoliberales Lohndumping.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN)

Was wir wirklich brauchen, das ist ein Bildungsschutzschirm für unsere Kinder, und da braucht es mehrere Maßnahmen. Da braucht es natürlich das individuelle Lernen; da haben Sie vollkommen recht. Da braucht es auch Lernstandsanalysen.

Es wurde erwähnt: Es gibt Strukturen; sie sind nur viel zu armselig. Die muss man ausbauen. Das sind Programme wie „Menschen stärken Menschen“ oder „Kultur macht stark“. Aber das muss man dann auch ausbauen, das muss man solide finanzieren, damit Projektträgerinnen und Projektträger auch wirklich Planungssicherheit haben.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)

Und wir müssen natürlich die Schulen stärken, die mit den größten Herausforderungen zu kämpfen haben, und die Schulen in den benachteiligten sozialen Quartieren stark machen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir brauchen alle Kräfte, um diese Herausforderungen zu stemmen. Alleine Bildungs-Buddys werden es nicht richten.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Dr. Birke Bull-Bischoff [DIE LINKE])