Rede von Ulle Schauws

(Weniger) Gleichstellung

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18.09.2020
Foto von Ulle Schauws MdB
Ulle Schauws
Sprecherin für Frauenpolitik Sprecherin für Queerpolitik

Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was wir hier wiederholt im Bundestag erleben, ist der plumpe Versuch, das Rad in Sachen Gleichstellung zurückzudrehen. Diese Manöver der AfD werden niemals erfolgreich sein; denn Frauen haben durch ihren jahrhundertelangen Kampf um Gleichberechtigung und Teilhabe so viel erreicht, dass sie sich mit Sicherheit nicht mehr ins Private zurückdrängen lassen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN und der Abg. Mechthild Rawert [SPD])

Mag sich die kleine Minderheit in der rechten Ecke des Hauses das noch so sehr wünschen, ich sage Ihnen: Sie werden an den Frauen scheitern.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN sowie der Abg. Bettina Stark-Watzinger [FDP])

Eine Welt, in der Frauen und Männer gleiche Rechte und Chancen haben, ist eine gerechtere Welt. Es ist eine Welt, in der das Geschlecht nicht zu Ungleichheit führt. Es geht darum, dass jeder Mensch das sein und leben kann, was er sich erträumt, ohne Schranken, ohne Moral, ohne tradierte Rollenmuster. Für diese gerechte, bunte und vielfältige Welt kämpfen wir Grünen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Denn, Kolleginnen und Kollegen, Fakt ist auch, dass echte Gleichstellung bisher nicht erreicht ist. Frauen sind strukturell noch immer benachteiligt auf dem Arbeitsmarkt, sie werden immer noch schlechter bezahlt. In Führungspositionen von Unternehmen und Parlamenten sind Frauen immer noch in der Minderheit. Und Frauen wird ihre Selbstbestimmung, über sich und ihren Körper alleine entscheiden zu können, immer noch nicht zugestanden. Frauen werden aufgrund ihres Geschlechts beleidigt, bedroht und sogar getötet. Das alles ist eben keine Gleichberechtigung. Darum sage ich, anders als der kleine rechte Rand in diesem Haus es fordert: Wir brauchen kein Ende der Gleichstellungspolitik. Nein, Kolleginnen und Kollegen, wir brauchen vielmehr einen Schub für echte Gleichstellung der Geschlechter in diesem Land. Da gibt es eine Menge zu tun.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN)

Was wir brauchen, ist, den aktiven Gleichstellungsauftrag aus dem Grundgesetz in Artikel 3 Absatz 2 umzusetzen. Wir wollen, dass Frauen Wege frei gemacht werden und sie nicht doppelt und dreifach überlastet werden, weil sie mit struktureller Diskriminierung zu kämpfen haben. Das heißt: gleichwertige Bezahlung von Männern und Frauen und eine Aufwertung der Sorgeberufe, Schluss mit der verkappten Männerquote in Führungspositionen und Parlamenten und Schluss mit Sexismus und Hass, egal ob im Netz oder auf der Straße!

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

Die AfD ist trauriges Beispiel dafür, wie es aussieht, wenn keine Gleichberechtigung herrscht.

(Dr. Götz Frömming [AfD]: Es sind nicht alle Frauen gleich!)

Ihr Ziel ist es, Frauen zurückzudrängen, weil Sie es nicht ertragen können, dass Frauen heute selbstverständlich mitreden. Ihr Feindbild ist die selbstbestimmte Frau, die so lebt, wie sie möchte. Und weil Sie von Frauen überfordert sind, weil Sie das nicht ertragen können, reagieren Sie ganz oft – auch in diesem Haus – mit Sexismus, teils sogar mit Hass.

(Beifall des Abg. Jürgen Braun [AfD])

Ich sage Ihnen: Wer hasst – hören Sie gut zu! –, bleibt unter seinen Möglichkeiten und unter seiner eigenen Würde. Und um Würde geht es, auch in diesem Haus.

(Dr. Götz Frömming [AfD]: Dann fangen Sie bei sich an!)

Und Ihre Anträge sind unwürdig.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN und der Abg. Melanie Bernstein [CDU/CSU])

Vizepräsident Wolfgang Kubicki:

Vielen Dank, Frau Kollegin Schauws. – Nächster Redner, dem wir jetzt lauschen, ist Professor Dr. Heribert Hirte, CDU/CSU-Fraktion.

(Beifall bei der CDU/CSU)