Sprache ist der Schlüssel: Warum Integrationskurse so wichtig sind
Ankommen, Deutsch lernen, Arbeit finden – das ist der Plan von vielen Menschen, die neu zu uns kommen. Doch genau dieser Weg wird jetzt versperrt. Die Bundesregierung hat vielen Berechtigten die Möglichkeit genommen, an einem Integrationskurs teilzunehmen.
Wir Grüne im Bundestag finden: Das ist der falsche Weg. Denn Sprache ist das Fundament für ein gutes Zusammenleben und für Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Wir kämpfen dafür, dass diese Blockade sofort endet und Integration gelingt.
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Kurz & Knapp: Integration braucht Sprache
Unser Ziel ist klar: Wer hier lebt, soll auch Deutsch lernen können. Deshalb fordern wir, dass der verhängte Zulassungsstopp für Integrationskurse sofort zurückgenommen wird. Wir wollen, dass Sprach- und Berufssprachkurse dauerhaft und verlässlich finanziert sind, damit sie nicht von der aktuellen Haushaltslage abhängen. Sprache ist für uns keine freiwillige Leistung, die man mal eben streicht, sondern notwendige Voraussetzung für Bildung, Arbeit und unsere Sicherheit.
Um was geht es?
Vielleicht hast du es in den Nachrichten gehört oder kennst jemanden, der betroffen ist: Das Bundesministerium des Innern hat entschieden, dass für den Rest des Jahres 2026 keine neuen Zulassungen zu Integrationskursen mehr erteilt werden dürfen – zumindest nicht für bestimmte Gruppen.
Das trifft Menschen, die Asyl beantragt haben, Menschen mit einer Duldung, Geflüchtete aus der Ukraine und Bürger*innen aus der EU. Konkret bedeutet das: Rund 129.500 Menschen, die eigentlich einen Kurs besuchen könnten, stehen plötzlich vor verschlossenen Türen. Das sind 40 Prozent aller potenziellen Teilnehmer*innen, denen der Zugang verwehrt wird. Besonders hart trifft es Ukrainer*innen, die zuletzt einen großen Teil der Lernenden ausgemacht haben.
Aber es geht nicht nur um die Teilnehmer*innen. Auch die Sprachschulen und Träger vor Ort schlagen Alarm. Wenn keine neuen Schüler*innen kommen, müssen Kurse geschlossen werden. Qualifizierte Lehrkräfte verlassen den Beruf oder suchen sich andere Jobs, Räume für Kurse werden gekündigt. Das ist Infrastruktur, die kaputtgeht und die wir später nicht einfach so wieder „anschalten“ können.
Unsere Maßnahmen im Überblick
Wir nehmen diese Blockadehaltung nicht hin. Wir setzen uns im Bundestag mit einem konkreten Plan dafür ein, dass Integration nicht am Geldbeutel scheitert:
- Zulassungsstopp aufheben: Wir fordern die Bundesregierung auf, die Aussetzung der Zulassungen sofort zurückzunehmen und die Anträge der Menschen zügig zu bearbeiten.
- Verlässliche Strukturen schaffen: Wir wollen Sprach- und Integrationskurse dauerhaft absichern. Das Hin und Her muss ein Ende haben.
- Faire Bedingungen für Träger: Die Mieten steigen, das Leben wird teurer. Wir wollen, dass die Finanzierung der Kurse an diese Realität angepasst wird, damit Träger ihre Lehrkräfte fair und fest anstellen können.
- Hürden abbauen: Damit auch Eltern teilnehmen können, muss die Kinderbetreuung während der Kurse gesichert sein.
Warum machen wir das?
Wir kämpfen für eine Gesellschaft, die zusammenhält. Sprache ist der Schlüssel, um hier wirklich anzukommen. Die meisten Menschen in unserem Land – nämlich 76 Prozent – sagen ganz klar: Deutsch zu lernen ist das Wichtigste für eine gelungene Integration.
Wenn Menschen unsere Sprache sprechen, finden sie schneller Arbeit. Sie können dem Elternabend in der Schule folgen, sich im Sportverein engagieren und mit ihren Nachbar*innen sprechen. Jeder Euro, den wir hier investieren, ist eine Investition in unsere gemeinsame Zukunft, in unsere Wirtschaft und in den sozialen Frieden. Wir wollen eine offene Gesellschaft, in der Vielfalt eine Stärke ist und in der wir Probleme gemeinsam lösen, statt Menschen auszugrenzen.
Was die Regierung plant und warum das nicht reicht
Die aktuelle Führung im Innenministerium sieht das anders. Sie begründet den Stopp mit „finanziellen Herausforderungen“ und will die Kurse strikt nach Kassenlage begrenzen. Das finanzielle Argument ist nur vorgeschoben. Denn der Bundestag hat die Mittel für die Sprach- und Integrationskurse im Bundeshaushalt für 2026 sogar um 119 Millionen Euro aufgestockt, so dass ein Gesamtetat von 1,063 Milliarden Euro zur Verfügung steht.
Innenminister Dobrindt sorgt dafür, dass zehntausende Menschen monatelang zum Nichtstun verdammt sind, statt Deutsch zu lernen und arbeiten zu gehen. Das Innenministerium spricht von „finanziellen Risiken“, die vermieden werden sollen. Wir sagen: Das eigentliche Risiko ist, Integration strukturell zu sabotieren. Wer Integration fordert, darf ihr nicht die Mittel streichen. Dieser integrationspolitische Kahlschlag zerstört gewachsene Strukturen und schadet uns am Ende allen – gesellschaftlich und wirtschaftlich.