Die Legende lebt

25 Jahre Grüne Tulpe brauchte es, bis die FAZ unseren grünen Fischer "Joschka" nannte. Erst anlässlich des vierteljahrhundertlichen Jubiläums versagte die konservative Zensur auf Seite 2 und erkannte Popularität und Beliebtheit des ehemaligen Tulpen Stürmers an. Wie einmalig diese Joschka bleibt am BallAusnahme war, ist daran abzulesen, dass schon wenige Zeilen danach derselbe Streifzug wieder über "Joseph Fischer" schrieb.

Wie immer zu großen Anlässen richtete die Tulpe ein angemessen großes und hochkarätig besetztes Turnier aus. Aus den acht Mannschaften zum 20jährigen wurden zwölf bzw. durch kurzfristige Absagen zehn. Dadurch reduzierten sich die Gruppen Beckenbauer, Dietz und Ballack um die Gruppe Klinsmann. Die Mannschaft Heinrich Hölle aus der Böll-Stiftung und der Bundesgeschäftsstelle – unterstützt und ergänzt wie viele andere Mannschaften durch Tulpen-Spieler – fügte sich problemlos in die Gruppe Ballack und gewann diese als Gruppenerster bei nur einer Niederlage gegen die Alternativkicker von Dynamo Windrad aus Kassel, die später unter Führung ihres Königs Boris dann aber noch das Finale erreichen sollten.

Die Gruppe Dietz erinnerte an das Jubiläumsturnier vor fünf Jahren, als die Tulpe das Kunststück fertig brachte mit Null geschossenen Toren erst im Finale zu scheitern und bis dahin lediglich sämtliche Elfmeterschießen zu gewinnen. Damals endeten selbst alle ihre Gruppenspiele 0:0. Einen ähnlichen Weg nahm die Spanische Botschaft, die ohne Tor und Gegentor das Viertelfinale erreichte, dort gegen Heinrich Hölle in Rückstand geriet, kurz darauf etwas glücklich aber nicht unverdient ausglich und sich dann im Elfmeterschießen auf dem Weg ins Halbfinale durchsetzte. Dort sollte aber Schluss sein, denn die dominierende Mannschaft des Turniers war zweifellos die Grüne Tulpe.

Die hatte bereits die Gruppe Beckenbauer klar dominiert und nur ein Gegentor von der Schwedischen Botschaft kassiert, das zudem ein Eigentor war, wenn auch zugegebenermaßen ein von den drei – weiblichen – schwedischen Zaubermäusen wunderschön herausgespieltes. Dem Rest dieses Spiels wie auch dem ganzen Turnier drückten der schwedische Torwart, der zum besten gekürt werden sollte, und Toffi, der sich selbst mit acht zum Teil äußerst sehenswerten Toren zum erfolgreichsten Torjäger krönte, ihren Stempel auf.

Im Halbfinale gelang den Spaniern dann gegen die Tulpen ihr zweites Tor aus dem Spiel heraus und dazu ein technisch und spielerisch hochwertiges. Bei vier Toren der Tulpe blieb das aber Ergebniskosmetik.

Der andere Finalist Dynamo Windrad stellte die alte Grundregel für Effizienz unter Beweis: "Ein gutes Pferd springt nicht höher, als es muss." Mit zwei Unentschieden und einem 1:0-Sieg in der Gruppe, dem dann jeweils ein 1:0-Sieg im Viertel- und Halbfinale folgten, erreichten sie das Endspiel. Auf ihrem Weg schalteten sie so zuerst die Grüne Tulpe Gold mit immerhin zwei Veteranen aus Bonner Zeiten aus und die spielerisch wieder einmal überzeugenden Berliner Behindertenwerkstätten.

Auch in der unteren Hälfte des Tableaus wurden die Spiele fortgesetzt und der Spielplan angesichts des perfekten Wetters und der ausgezeichneten Laune aller Beteiligten spontan von bloßen Platzierungsspielen zu einer Trostrunde ausgebaut, in der wiederum die Viertelfinalverlierer plus die Gruppenletzten alle gegeneinander spielten. Auch wenn es für alle bis zum Ende um ästhetisch ambivalentes Buntmetall ging, stand der Spaßfaktor doch immer im Vordergrund. Gutes Spielverständnis bezog sich in erster Linie auf gutes Spielerverständnis, da alle Spieler und Spielerinnen aller Teams sich zwischen und auch während der Begegnungen immer wieder neu mischten und sich bestens verstanden. Egalitäre Partizipation und pazifistische Integration aller Gruppen: Das Jubiläumsturnier brachte es fertig, eine grüne Utopie real werden zu lassen.

Das Finale schließlich führte zu dem unrühmlichen Ende, dass der Ausrichter souverän das eigene Turnier gewann. Aber die finale Krönung des Jubiläums war dies durchaus noch nicht. Am Abend folgte in Mitte im Central Kino der stilvolle und gut besuchte Empfang, auf dem Präsident Kurdziel seinen Dank an die vielen Mitorganisatoren des Tages und der diversen Tulpen-Aktivitäten im allgemeinen öffentlich machen konnte und die Festschrift "Fußball und Grüne – grüner Fußball. 25 Jahre Grüne Tulpe" vorstellte. Den Überblick, den diese über die Geschichte der Tulpe sowie die Entwicklungen und Berührungspunkte zwischen grüner Kultur und Politik geben will, machte anschließend Tulpen-Urgestein und Torwartlegende, die "Katze von Ückendorf", Ludger Volmer plastisch.

Er berichtete mit Esprit und Witz über die Zeit der Tulpe in Bonn, die erste Spielergeneration und die Bedeutung des Fußballs für Partei, Fraktion und internationale Politik. Auch wenn nicht alles, was hinkt, ein Vergleich ist und deshalb die Analogien von Fußball und Politik grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen sind, kann grundsätzlich festgehalten werden, dass Fußball ein Stück Kultur ist, an dem Menschen unabhängig jeglicher politischer Couleur teilhaben und der Menschen begeistert und elektrisiert. Diese Kraft des Fußballs können geschickte Politiker nutzen, wie Ludger uns das anekdotisch vor Augen führte. Grundbedingung scheint aber die eigene Begeisterung, teilweise jenseits jeglicher Rationalität zu sein, die beispielsweise vernünftigen erwachsenen Menschen ermöglicht, sich noch nach 30 Jahren an die Namen der nordkoreanischen Spieler der WM-Mannschaft von 1966 zu erinnern. Wo offizielle diplomatische Beziehungen fehlen, kann solches Wissen Tore der persönlichen Kommunikation eröffnen.

Wie symbiotisch das Verhältnis von grüner Politik und grüner Kultur ist, konnte danach an den von Toffi Born zusammengestellten bewegten Bildern aus 25 Jahren grüner Spiel- und Politikkultur veranschaulicht werden. Zweifellos war dies der emotionale wie auch unterhaltsame Kulminationspunkt der Tulpen-Geschichte, die anschließend noch bis in die späte Nacht gebührend gefeiert wurde.