Grüne Tulpe - Kreuzberger Sportfreunde Anadolu Umutspor

Andreas Brehme:

"Das Unmögliche möglich zu machen wird ein Ding der Unmöglichkeit!"

Jeder kennt solche Spiele. Es sind dreiviertel der Spielzeit um und man liegt klar mit 0:2 zurück und hat keine Ahnung, wie man dieses Spiel überhaupt noch drehen kann. Der Gegner spielt besser und hat die Partie voll im Griff. Doch dann pfeift der Schiri für einen überraschend Elfmeter und plötzlich dreht sich die Partie.

So geschehen am vergangenen Montagabend auf dem Lichtplatz im Poststadion. Dort sah es wie gesagt lange dunkel aus für unsere Tulpen. Doch fangen wir von vorne an.

Die grüne Mannschaft tat sich von Beginn an schwer gegen die Sportfreunde aus Kreuzberg. Die spielten sich das Bällchen überraschend soverän durch ihre Reihen und drückten dem Spiel deutlich ihren Stempel auf.

Immerhin konnte sich die Tulpe auch einige gute Chancen erspielen. In der 12. Minute hatte Stefan Witt nach einer Ecke beinahe zum 1:0 eingeköpft, doch der Ball ging knapp über das Anadolu Umutspor-Gehäuse.

In der 27. Minute hatte dann Kristoffer Born die große Chance zum Führungstreffer, als ihn Aaron Greicius schön im Fünfer bediente. Doch im letzten Moment warf sich ein Kreuzberger noch in den Schuß.

Da sich die Fehler in der Tulpe-Abwehr zunehmend häuften, stellte man von der 3er auf eine 4-Kette um. Torsten Buchmann musste von diesem Moment vorne alleine anstürmen. Zwar stand das grüne Team jetzt hinten sicherer, doch nach vorne lief von da an nur noch wenig zusammen.

Als sich scheinbar alle auf ein 0:0 zur Pause eingerichtet hatten, nutzten die Sportfreunde doch noch eine Nachlässigkeit auf der linken grünen Abwehrwehrseite aus. Der Kreuzberger setzte sich im Zweikampf gut durch und passte anschließend nach vorne in den Fünfer zu seinem Stürmerkollegen. Der hatte kein Problem zum 0:1 einzuschieben, allerdings aus klarer Abseits-Position. Doch irgendwie hatte der Schiri einen Knick in der Optik und wollte das Abseits einfach nicht erkennen. Er gab das Tor und sorgte so für gehörig Halbzeitfrust auf grüner Seite.

Kristoffer Born, der an diesem Abend den Trainer für den abwesenden Sebastian Wienges gab, musste sich zur Pause selbst wieder auswechseln, da sich seine Adduktoren-Zerrung zurückgemeldet hatte. Die Sechser-Position wurde ganz aufgelöst und Finn Pelke übernahm mit Ratimir Britvec das zentrale Mittelfeld. Aaron Greicius rückte vom Mittelfeld in den Sturm.

Die Tulpe machte wie zur Halbzeit besprochen nun die Räume im Mittelfeld enger und wollte so die Jungs von Umutspor zu Fehlern zwingen. Doch irgendwie machten die Sportfreunde kaum Fehler und spielten weiter ihren gepflegten Fußball.

In der Folge mussten Stefan Witt und Stephan Examitzki hinten immer öfter die Feuerwehr spielen. Wenn doch mal ein Ball durchkam, war dann aber noch Tulpe-Schlußmann Jochen Schieborn zur Stelle, der seine Mannschaft im Spiel hielt.

Doch dann - in der 61. Minute - passierte es. Ein schöner Umutspor- Angriff lief über links. Die Flanke in die Mitte kann dann ein mitgelaufener Kreuzberger ohne Probleme zum 0:2 im grünen Tor unterbringen.

Die Tulpe wirkte danach irgendwie hilflos und zu allem Unglück verletzt sich kurz darauf Libero Stefan Witt bei einem Zweikampf am Knie und muss zunächst vom Feld. Nach kurzer Eisspraybehandlung kann er dann aber glücklicherweise doch wieder mitmischen.

In dieser Phase ist die Mannschaft von Anadolu Umutspor übrigens dem 0:3 näher als die Tulpe dem Anschlusstreffer. Auch weil teilweise die Grünen mit vier Stürmern anrannten und dabei sich einige gefährliche Konter von den Kreuzbergern einfingen.

Der gemeine Zuschauer hätte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viel auf ein Remis, geschweige denn auf einen Sieg der Tulpe gewettet.

Doch es kam diese 75. Minute. Finn Pelke steigt nach einer Flanke im gegnerischen Strafraum zum Kopfball hoch, bekommt dabei einen Schubser vom Sportsfreund und der Schiri pfeift: Elfmeter! Die beiden umtriebigen Umutspor-Betreuer am Spielfeldrand können es nicht glauben.

Das ist jetzt die Chance ins Spiel zurück zu kommen, sagen sich die Tulpen. Aaron Greicius schnappt sich schnell das Leder und verwandelt sicher zum 1:2.

Die Sportfreunde hadern mit dem Schiri und verloren dabei ihre spielerische Linie. Die Tulpen machten in den letzten 15 Minuten gehörig Druck und schnürten den Gegner in der eigenen Hälfte ein. Plötzlich ging das, was vorher nicht funktionierte.

In der 86. Minute gibt der Schiri dann noch einmal einen Freistoß für die Tulpe. Kristoffer Born, den es einfach nicht mehr draußen hält, wechselt kurzerhand mit Ratimir Britvec. Er will unbedingt diesen Freistoß schießen. Auch wenn die Zerrung es eigentlich verbietet, bringt er das Bällchen von halblinks in den Fünfer. Dort fliegen viele Köpfe und einer ist der von Luke Greicius. Dieser steigt am Besten hoch und hämmert das Leder mit seinem Köpfchen zum 2:2- Ausgleich ins Tor

Die Grünen können ihr Glück kaum fassen. So wie damals die Sportfreunde, als ihnen 2008 das selbe Kunststück gelang. Nämlich in der letzten Viertelstunde noch aus einem 0:2 Rückstand ein 2:2 zu machen.

Die Tulpe wollte danach nichts mehr riskieren und rührte jetzt hinten Beton an. Doch in der Nachspielzeit gelingt ihr überraschenderweise sogar noch einmal ein Angriff.

Asgar Ergin bekommt das Leder in der gegnerischen Hälfte zugespielt und weiß irgendwie nicht, was er damit jetzt anstellen soll. Er entscheidet sich aus gut 30 Metern einfach mal hoch und weit aufs Tor zu schießen. Das Leder ist ewig lange unterwegs und als alle denken, es ist in der Dunkelheit verschwunden, taucht es wie ein Ufo vor der Latte wieder auf und schlägt im Umutspor- Gehäuse ein. 3:2!  Danach war Schluß und die Tulpen kamen aus dem Jubeln gar nicht mehr raus.

Fazit:  Auch wenn der Gegner den besseren und schöneren Fussball spielte und eigentlich als Sieger hätte vom Platz gehen müssen: man sollte vor unserer Mannschaft den Hut ziehen. Sie gab sich zu keinem Zeitpunkt auf und nutzte in den entscheidenen Phasen ihre wenigen Chancen einfach eiskalt aus. Ob der Elfmeter berechtigt war, darüber lässt sich trefflich streiten. Doch Umutsspor gab danach selbst das Spiel leichtfertig aus der Hand. Das die Tulpen die Partie am Ende sogar noch mit einem Sonntagsschuß für sich entscheiden konnten, zeugt davon, dass man Glück manchmal auch erzwingen kann.