Warum die neue Heizungs-Reform teuer für dich wird
Die Bundesregierung hat das Gebäudeenergiegesetz massiv abgeschwächt und es heißt jetzt Gebäudemodernisierungsgesetz. Auch wenn es wirklich nicht modern ist, sondern eine klimaneutrale Wärmeversorgung in weite Ferne rückt. Was sie dir dabei als „neue Freiheit" verkauft, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als teure Falle. Wir erklären dir, warum eine neue Gasheizung dich finanziell ruinieren kann, warum „Grüngas" ein leeres Versprechen ist und wie wir stattdessen für bezahlbare, sichere Wärme und Klimaschutz sorgen wollen. Und außerdem zeigen drei Gutachten des Bundestags: Das Gesetz könnte sogar vor dem Verfassungsgericht scheitern.
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Kurz & Knapp: Deine Wärmeversorgung in Gefahr
Die Regierung aus Union und SPD lässt den Einbau neuer Öl- und Gasheizungen wieder zu. Das klingt im ersten Moment bequem, wird aber extrem teuer für dich. Denn durch steigende CO2-Preise und eine neue Quote für teures „Luxus-Gas" drohen die Heizkosten zu explodieren. Ein neues Gutachten des Bundestags zeigt zudem: Das Gesetz könnte vor dem Verfassungsgericht und am EU-Recht scheitern. Wir Grüne im Bundestag warnen vor dieser Investitionsfalle. Wir setzen auf echte, günstige Wärme durch moderne Technik wie Wärmepumpen, die dich unabhängig von Importen und Diktatoren sowie Preisschocks macht. Und zugleich unser Klima schützt.
Um was geht es?
Vielleicht stehst du gerade vor der Entscheidung: Die alte Heizung muss raus, was kommt rein? Die Regierung macht dir ein Angebot, das verlockend einfach klingt: „Bau dir doch einfach wieder eine Gasheizung ein.“ Doch Vorsicht: Während bei der Gaslobby die Sektkorken knallen, zahlen am Ende die Verbraucher*innen die teure Rechnung.
Wer sich heute auf dieses Gesetz verlässt und noch einmal in fossile Technik investiert, tappt in eine Falle. Denn eine Gasheizung baust du für die nächsten 15 bis 20 Jahre ein. In dieser Zeit wird Gas durch steigende Gasnetzentgelte, teure fossile Importe, den CO2-Preis und die Luxusgasquote immer teurer werden. Du riskierst also, auf horrenden Heizkostenrechnungen sitzen zu bleiben, während die schwarz-rote Bundesregierung dich im Glauben lässt, alles sei sicher.
Warum das Gesetz der Regierung nicht funktioniert
Die Pläne von CDU und SPD sind nicht nur rückwärtsgewandt, sie bauen auf einem Luftschloss auf.
- Die Luxus-Gas-Quote: Ab 2028 sollen bestehende Gasheizungen vertraglich nachweisen müssen, dass sie zunehmend mit „Grüngas“ (zum Beispiel Wasserstoff oder Biomethan) betrieben werden. Ab 2029 gilt für neue Heizungen eine Greenwashing-Treppe: Hier sollen bis 2040 stufenweise ansteigend bis zu 60 Prozent „grüne“ Gase (dazu zählt aber auch erdgasbasierter Wasserstoff) und „grünes“ Öl beigemischt werden.
- Die Täuschung: Niemand weiß, woher diese riesigen Mengen an grünem Gas kommen sollen und was sie kosten werden. Nicht einmal die Bundesregierung selbst. Expert*innen warnen, dass dieses „Luxus-Gas" extrem knapp und teuer sein wird. Dadurch besteht die Gefahr, dass fossile Heizungen über 2045 hinaus fossil betrieben werden.
- Das Ergebnis: Statt günstiger Wärme droht dir ein Kostenschock. Die Regierung treibt dich in eine Abhängigkeit von teuren Importen und spekulativen Brennstoffen, statt auf technologisch ausgereifte Lösungen zu setzen.
- Die Klimaschutzlüge: Schwarz-Rot ist der Klimaschutz beim Heizen egal. Öl- und Gasheizungen zerstören unser Klima und bedrohen die Grundlagen eines guten Lebens für uns alle.
Jetzt auch noch: Das Gesetz wackelt vor Gericht
Zu der teuren Falle kommt ein handfestes rechtliches Problem. Zwei Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags kommen zu dem Schluss, dass das Gesetz eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht „eher zweifelhaft" überstehen würde. Und auch renommierte Kanzleien kommen zu diesem Schluss. Der Grund: Schon 2021 hat das Gericht in Karlsruhe entschieden, dass der Staat das Klima auch für künftige Generationen schützen muss. Reiches Gesetz erlaubt aber selbst nach 2045 noch fossile Heizungen – obwohl Deutschland bis dahin klimaneutral sein soll. Der Treibhausgas-Ausstoß läge 2040 sogar höher als nach heutigem Recht.
Auch mit Brüssel droht Ärger. Die EU-Regierungen müssen eigentlich "glaubwürdige Strategien und Maßnahmen festlegen", damit nach 2040 keine fossilen Heizungen mehr betrieben werden. Der aktuelle Gesetzesentwurf führt in die entgegengesetzte Richtung. Bei Verfehlung der europäischen Klimaziele drohen dem Staat am Ende Strafzahlungen. Das Bittere: Die Ministerinnen Katherina Reiche und Verena Hubertz kannten diese Risiken und sind trotzdem vorgeprescht, ohne die vorgeschriebene rechtliche Prüfung abzuwarten.
Jetzt auch noch: Kürzungen bei der Förderung
Obwohl die Koalition angekündigt hatte, dass sich an der Förderung für Heizungstausch und Sanierung (Bundesförderung für effiziente Gebäude) bis 2029 nichts ändern soll, wird diese nun aus Spardruck zusammengestrichen. Für den Zeitraum von 2027-2030 sind das insgesamt 2,1 Milliarden Euro weniger. Das ist verantwortungslos und schürt Verunsicherung für Menschen, Branche und Handwerk. Selbst wenn die maximale Förderhöhe von 70 auf 80 Prozent für bestimmte Familienkonstellationen mit entsprechend niedrigem Einkommen erhöht wird: Der Fördermaximalbetrag sinkt, das heißt insgesamt kannst du weniger Geld bekommen. Im Schnitt erhalten Menschen so rund 4000 Euro weniger vom Staat für ihr ihre neue Heizung (ohne Einkommensbonus). Es ist vor allem ein Sparprogramm, dass am Ende wohl zu weniger Klimaschutz führen wird und das können wir uns nicht leisten.
Aus unserer Sicht bräuchte es stattdessen: eine klarere soziale Staffelung der Förderung, eine Abwrackprämie für alte Öl- und Gasheizungen, Lösungen für Menschen, die nicht in Vorleistung gehen können oder sich den Eigenanteil nicht leisten können, sowie eine Senkung der Stromsteuer für alle, damit die Betriebskosten noch günstiger werden.
Jetzt auch noch: Luftschloss Wasserstoff in der Novelle des Wärmeplanungsgesetzes
Die geplante Novelle setzt zwar auch sinnvolle EU-Vorgaben um, zum Beispiel bei der Kälteplanung. Gefährlich wird es aber bei kleinen Kommunen: Dort könnten Wasserstoffnetze künftig leichter als angeblich „wirtschaftlich“ ausgewiesen werden – etwa, weil bereits ein Gasnetz existiert. Das Problem: Wasserstoff zum Heizen ist teuer und kann für Haushalte zur Kostenfalle werden. Bisher waren dafür deutlich strengere Prüfungen und Nachweise nötig. Diese Schutzmechanismen werden nun abgeschwächt. Außerdem soll die Wärmeplanung künftig nicht mehr zwingend von einem kommunalen Gremium beschlossen werden. Das beschleunigt zwar das Verfahren, schwächt aber die demokratische Mitsprache vor Ort.
Was wir in der letzten Legislatur erreicht haben
Mit der kommunalen Wärmeplanung haben wir den Kommunen ein wichtiges Instrument für den Umbau der Wärmeversorgung an die Hand gegeben. Ziel war, dass Menschen frühzeitig verlässliche Informationen darüber bekommen, wie in ihrem Viertel künftig geheizt werden soll – etwa mit Wärmenetzen oder dezentralen Lösungen wie Wärmepumpen. Damit sollen Bürger*innen beim Heizungstausch nicht im Unklaren bleiben oder Fehlinvestitionen tätigen. Die Wärmeplanung berücksichtigt dafür den Wärmebedarf vor Ort sowie vorhandene und mögliche erneuerbare Energiequellen und Infrastrukturen.
Gleichzeitig haben wir die Dekarbonisierung der Wärmenetze vorangetrieben: Bestehende Netze sollen schrittweise klimaneutral werden, neue Wärmenetze müssen von Beginn an einen hohen Anteil erneuerbarer Energien nutzen.
Unsere Maßnahmen im Überblick
Wir Grüne im Bundestag wollen, dass du auch in Zukunft noch deine Heizkosten bezahlen kannst, ohne Angst vor der nächsten Abrechnung haben zu müssen.
- Unabhängigkeit: Wir setzen auf den Erfolgspfad der letzten Jahre. Jede Wärmepumpe macht uns unabhängiger von Gasimporten aus Krisenregionen und weniger erpressbar.
- Planungssicherheit: Handwerk, Industrie und Verbraucher*innen brauchen Verlässlichkeit. Ein Hin und Her und falschen Anreize schaffen nur Chaos und verunsichern eine ganze Branche, die gerade erst dabei war, durchzustarten.
- Klimaschutz ist Menschenschutz: Wir halten daran fest, unsere Umwelt zu schützen und die Klimaerhitzung zu begrenzen. Denn Klimaschutz und günstiges Heizen gehören zusammen.
Der Blick aufs Ganze: Klimaschutz wird von Union und SPD abgewickelt
Dieses Heizungs-Chaos ist leider kein Einzelfall. Es ist Teil eines größeren Problems: Die Bundesregierung scheint den Klimaschutz insgesamt aufgegeben zu haben.
- Angriff auf sauberen Strom: Nicht nur bei der Wärme, auch beim Strom droht ein Rückschritt. Mit dem sogenannten „Netzpaket“ gefährdet die Regierung den Ausbau der Erneuerbaren Energien und damit unseren Zugang zu günstigem, sauberem Strom aus Wind und Sonne. Warum das fatal für unseren Wirtschaftsstandort ist, erklären wir dir ausführlich in unserem Einfach erklärt: Vorfahrt für günstigen Strom.
- Die Klimakrise wartet nicht: Während die Politik in Berlin den Rückwärtsgang einlegt, spüren wir die Folgen der Klimaerhitzung immer deutlicher. Echter Klimaschutz ist keine Last, sondern die Voraussetzung für ein sicheres Leben in Freiheit. Warum wir beim Klimaschutz jetzt nicht nachlassen dürfen und was neue Studien belegen, erfährst du in unserem Einfach erklärt: Die Zeit für Ausreden ist vorbei.