Grüne Tulpe- Revolver FC

"Go ahead, make my day!" CLINT EASTWOOD

Eins ist sicher, wenn man gegen die Mannschaft des FC Revolver spielt - nach dem Duell ist jeder Spieler konditionell immer komplett am Ende. Im Mai hatte die Tulpe gerade mal so 11 Spieler zusammenkratzen können, während der Gegner aus dem Vollen schöpfen und einwechseln konnte. Gegen die spielerische und physische Klasse hagelte es die erwähnte hohe Niederlage.

Heute wollte das grüne Team besser vorbereitet in die Partie gehen und hatte noch schnell zwei Auswechselspieler organisiert. Der grüne Kapitän Kristoffer Born hatte seine Mannschaft kurz vor dem Anpfiff nochmals vor der spielerischen Klasse des Gegners gewarnt und von der ersten Sekunde Pressing angeordnet.

Und das gehörige Pressing schien die Revolverhelden wirklich zu beeindrucken. Ihre Pistolen blieben zunächst in ihren Halfter und die Grünen bestimmten überraschenderweise in den ersten 20 Minuten mit ihren Schüssen den Schießplatz. Allerdings noch ohne ins Ziel zu treffen.

Die grünen Sheriffs in der 4er-Kette um Stefan Witt, Andre Bornstein, Tim Mahler und Stephan Kühn ließen in dieser Zeit keinen gegnerischen Torgeldjäger in die Nähe des Tulpe-Gehäuses. In der 18. Minute erkämpfte sich dann Dietrich Brochhagen auf rechts den Ball und schickte sogleich Stürmer Ian Darcy auf die Reise. Der flankte von links schön in den gegnerischen Strafraum. Die Revolver-Abwehr konnte das Runde nicht richtig klären und Tulpe-Linksaußen Lennart Krause kam aus kurzer Distanz zum Absch(l)uss. Allerdings traf die Kugel nicht ins Schwarze, sondern streifte haarscharf am Pfosten vorbei.

Dafür hatten andere auf dem Platz mehr Zielwasser getrunken. Kurz nach der grünen Großchance folgte der erste richtig gefährliche Angriff von Revolver FC. Wir schreiben wohlgemerkt die 22. Minute, was unterstreicht, wie stark die Grüne Tulpe an diesem Abend spielte.

Die bis dahin sicherstehende Abwehr wurde durch eine schnelle Revolver-Kombination überrascht und plötzlich steht ein Pistolero mutterseelenallein vor Greenkeeper Jochen Schieborn. Das Duell entscheidet der Scharfschütze für sich und schießt ein, doch er hatte die Rechnung ohne den schwarzen Sheriff gemacht. Der hatte eine Abseitsstellung ausgemacht, die zumindest nicht ganz unstrittig war. Die Tulpianer konnten nochmal durchatmen.

Doch nur kurz, denn vier Minuten später zappelte das Leder dann doch regelgerecht im grünen Kasten. Die Tulpe hatte sich einen schnellen Konter eingefangen und ein gegnerischer Schützenkönig schnell und unerbitterlich zugeschlagen. 0:1

Die Grüne Tulpe ließ sich nicht beirren ob des Einschusses und suchte direkt den Ausgleich. Ein schöner Angriff folgte und der Schuss von Ian wurde gerade in letzter Sekunde noch von einem Comanchen abgeblockt.

Kurz darauf hatte die Schusswaffen-Truppe eine Ecke rausgeholt. Auch die war gefährlich, doch ein Tulpianer klärte mit dem Kopf, allerdings auf den Fuß eines hinter dem Strafraum lauernden Ballbanditen. Der zog einfach ab, ein grüner Indianerfuß fälschte unglücklich ab und der Ball torkelte langsam aber bestimmt an Jochen Schieborn und Co vorbei ins Netz. 0:2

Die Grünen machten das Spiel und die anderen schossen die Tore. Fussball ist zuweilen ungerecht, aber jammern gilt nicht. Die Halbzeitpause wurde genutzt, um sich weiter Mut zu machen. Immerhin konnte die Grüne Tulpe schon viele Rückstande durch eine starke 2. Halbzeit in dieser Saison drehen.

Und so ging es zuversichtlich in die zweite Runde des Duells auf Augenhöhe. Der Patronengürtel wurde auf grüner Seite noch weiter verstärkt. Die Tulpe spielte jetzt noch aggressiver und hatte gleich nach Wiederanpfiff auch sehr gute Torgelegenheiten. In der 49. Minute scheiterte Ian Darcy nur knapp, danach hatten Kristoffer Born und Lennart Krause den Anschlusstreffer auf dem Fuß. Es lagen schon eine Menge leere Patronenhülsen im Revolverfeld, doch bisher hatte keine Kugel das Ziel getroffen.

Um die 67. Minute herum flogen dann eine Ecke nach der anderen um den gegnerischen Kasten, doch immer wieder konnte noch ein Revolverkopf klären. Wie im Wilden Westen ging es im gegnerischen Strafraum zu. Dann entschied sich Tulpe-Linksaußen Tim Mahler die 6. Ecke in Folge einfach gleich direkt zu verwandeln. Wunderschön über Freund und Feind hinweg segelte der Ball zum 1:2 ins Tor.

Der wichtige Anschlusstreffer war gefallen und somit der Fluch -sollte es einen gegeben haben- endlich gebrochen. Die grüne Truppe legte trotzt schlechter Co2-Werte noch weitere Kohlen drauf und marschierte Richtung Ausgleichstreffer. In der 71. Minute war es dann erneut Tim Mahler, der mit einem Gewaltschuss den hochverdienten Ausgleich besorgte. 2:2

Wie eine Dampflokomotive auf voller Fahrt peitschte sich die Tulpe anschließend durch das gegnerische Terrain. Das bärenstarke grüne Sechser-Duo Nils Simon und Simon Bruhn machten ihr bestes Spiel in diesem Jahr. Immer wieder eroberten sie die Kugel und verteilten sie clever an die eigenen Leute. Sie waren es, die in dieser Phase das Tempo auf dem gesamten Spielfeld bestimmten.

Ganz nach Bud Spencer in "Vier Fäuste für ein Halleluja" hieß das grüne Motto jetzt:

"Mach Platz, ich bin der Landvoigt."

Die ansonsten übermächtige Schusseisen-Fraktion war deutlich angeschlagen und sah überraschend kein Land mehr. Ungewohnte Lücken im Revolver-Feld taten sich nun auf.

So auch in der 77. Minute. Nils Simon sah auf Höhe des Mittelkreises eine derartige Abwehrlücke und passte genial in die Gasse auf seinen Kapitän. Kristoffer Born sprintete wie einstmals der Pony Express Richtung Strafraum und spitzelte mit seiner linken Fußspitze gerade noch das Leder am herauseilenden Schlußmann vorbei. Die Kugel kullerte von dort ins Tor zur sensationellen 3:2 Führung.

Wer jetzt dachte, die Tulpe würde nun die kontrollierte Defensive suchen und das Ergebnis über die Zeit bringen sah sich getäuscht. Denn jetzt wollte man auf grüner Seite den Sack endgültig zumachen.

Wer erinnert sich nicht an das schöne Zitat aus dem neuen irischen Spaghettiwestern:

"The cat is in the sack, but the sack is not closed. The cat is in, but it's open. It's a wild cat." Giovanni Trapattoni

Und wie sollte es anders sein. Niemand geringeres als ein grüner Italiener kümmerte sich um die Katze im Sack. Nachdem der stereotypisch ballverliebte Gennaro Ricotta nahezu alle Pistoleros vernascht hatte, zog er auf Höhe des 16ers trocken ab und das getreichelte Etwas zappelte im Eck. 4:2

Damit war der Käse gegessen und Sheriff Donnerknall pfiff wenige Minuten danach ab. Der grüne Jubel paarte sich sofort mit einem gewissen Stolz. Alle wussten, dass dies ein historischer Sieg gegen die Mannschaft des FC Revolver war.

Fazit: Die Grüne Tulpe spielt momentan auf höchstem Niveau. In den letzten fünf Spielen schoss die Tulpe sagenhafte 21 Tore und konnte vier souveräne Siege feiern. Doch fast höher ist die Tatsache zu werten, dass sich die Tulpe durch einen Rückstand nicht irritieren lässt und stets die richtige Antwort in peto hat. Auch am heutigen Abend war dies der Fall und das gegen einen Gegner, gegen den man diese Saison schon eine 1:6 Klatsche hatte einstecken müssen.