Grüne Tulpe -Spanische Botschaft

Auf den ersten Blick gilt die spanische Ballführung eigentlich als das Nonplusultra im Weltfußball. Eindrucksvoll bewiesen die spanischen Spieler ihr Können bei der Euro 08, der WM in Südafrika oder in der abgelaufenen Champions League Saison.

Doch auf dem zweiten Blick fällt auf, dass das perfekte Streicheln des Balls mit der Schuhsole derzeit nur von den spanischen Männern beherrscht wird. Denn während die Xavis, Iniestas und Villas den Fußball-Globus schwindelig spielen, sind die spanischen Frauen bei der gerade stattfindenden WM in Deutschland leider zum Zuschauen verdammt. Obwohl sie mit 37 Toren bei der WM-Qualifikation die torgefährlichste Nation waren, trafen sie im entscheidenden Spiel um das Ticket nach Deutschland auf eine starke englische Mannschaft, die anders als die Spanierinnen als Einheit auftrat und gegen die auch die individuelle Klasse einzelner Spanierinnen nichts ausrichten konnte.

Das Beispiel des spanischen Frauenfußballs zeigt, dass das spanische "Hacke-Spitze olé olé" zwar sehr ansehnlich sein kann, mangelnde Konzentration, fehlender Teamgeist und Überheblichkeit im Spielaufbau in den entscheidenden Situationen aber eben nicht immer automatisch zum Erfolg führen müssen.

Mangelende Konzentration auf Seiten des spanischen Gegners war auch der Schlüssel zum Erfolg für die Grüne Tulpe an dem sonnigen Abend des 27. Juni 2011 im Berliner Poststadion. Seit 988 Tagen gewann die Tulpe erstmals wieder gegen die Kicker der spanischen Botschaft.

Ein stark im 4-2-3-1-System - oder war es das 4-4-2-System? - agierendes Tulpenteam ließ den Spaniern von Beginn an kaum eine Chance ihre eigentlich spielerische Überlegenheit auszuspielen. So war es folgerichtig, dass der zwischenzeitige Ausgleich auch nur durch eine Standardsituation erzielt werden konnte. Doch fangen wir von vorne an.

Kaum waren fünf Minuten gespielt kam es zu einem ersten Kräftemessen zwischen spanischem Stürmer und Tulpen-Verteidigung. Obwohl der Ball längst verloren gegangen war, ließ der junge, wilde Torero nicht locker und streckte die beiden Innenverteidiger Markus Meyer und Finn Pelke unsportlich zu Boden. Es folgte ein Pfiff, eine gelbe Karte und die klare Ansage WER -"ich bin der Schiri, schau mir in die Augen, wenn ich mit dir rede" - das Sagen auf dem Platz an diesem Abend hat. Und aus gelb wurde schnell dunkelgelb für den heissblütigen Ibero-Diplomaten. Weitere Karten sollten folgen.

Nach einer hektischen Anfangsphase fand die Tulpe schnell ins sichere Passspiel. Die neu formierte 4er-Abwehrkette schob sich den Ball zu, bis die Lücke im Mittelfeld gefunden war. Von dort wurden die Bälle steil auf die starke Tulpen-Stürmerin Andrea Pürstinger gespielt, die sich im Laufe des Spiel immer besser gegen die gut gestaffelte Abwehrreihe der Spanier durchsetzten konnte.

Im Gegenzug zwangen die Tulpen durch ein gutes Pressing die Spanier im Spielaufbau zu Fehlern. So auch in der entscheidenden Szene in der 15 Minute. Der am Mittelkreis eroberte Ball wurde raus auf die linke Seite gespielt. Dort landete er direkt beim Kapitän der Grünen Tulpe Kristoffer "Toffi" Born. Es folgte: ein Blick ein Schuss ein Torjubel! Was war passiert? Die eingangs gewonnene Seitenwahl sollte sich nun als hilfreich erweisen!

Mit all seiner Routine hielt der Linksfuß Toffi aus gut und gerne 45 Metern (!!!) einfach mal mit voller Wucht des Außenspanns drauf. Erst sah es so aus, als dass der Iker Casillas der spanischen Botschaft das Spielgerät sicher runterpflücken würde können. Doch der Ball legte sich in die selbe Flugbahn wie die Strahlen der tiefstehenden Sonne und der sicher geglaubte Ball flutschte dem geblendeten Casillas Double durch die Handschuhe und zappelte überraschenderweise für alle auf dem Platz anschließend im Netz. 1:0 für die Grüne Tulpe. Olè!

Die Botschaft schaltete nun einen Gang rauf. Wie die spanische Nationalmannschaft während der EM 2008 und stellenweise auch bei der WM in Südafrika immer wieder ihre absolute Extraklasse unter Beweis stellte, wurde nun auch im Botschafts-Mittelfeld vom Allerfeinsten kombiniert. Die Grüne Doppelsechs, bestehend aus Frauke Prüser und Simon Bruhn, hatte zu dieser Sturm- und Drangphase der Spanier allerhand zu tun. Der Druck stieg stetig an. Der Ausgleich lag zu diesem Zeitpunkt bereits in der warmen Luft.

Trotz der deutlichen Feldüberlegenheit der Spanier gelang es den Tulpen, sie vom Strafraum fernzuhalten. Wenn auch nicht immer mit ganz "legalen" Mitteln - irgendwann konnte ein erneuter Angriff der Spanier nur noch durch ein Foul an der Strafraumgrenze gestoppt werden.

Die bis dahin hochkonzentrierten Tulpen waren auf einmal wie von der Rolle. Das einfache Stellen einer Mauer wuchs zu einer schier unlösbaren Aufgabe heran und erinnerte stark an eine unkoordinierte F-Jugend Mannschaft. Die Strafe folgte auf dem Fuße. Der Ball segelte ohne jeglichen Effet, sondern schlicht schnurstracks an der Mauer vorbei. Tulpen Keeper Jochen Schieborn kam zwar noch mit den Fingerspitzen an die Pille, konnte sie dann aber nur noch ins eigene Tor lenken. Ausgleich!

Nach dem 1:1 begann ein offener Schlagabtausch beider Mannschaften. Ein gutes Stellungsspiel der der Tulpenverteidiger vermied jedoch die spanische Führung.

Nach etwa 35 Minuten dann endlich wieder die Tulpen: Ein perfekt getretener Pass des Abwehrrecken Finn Pelke, der über das komplette Mittelfeld der Spanier direkt auf dem Fuß des aus der rechten Abwehrposition heraus gestarteten Verteidigers André Bornstein landete. Dieser tankte sich in den Strafraum der Spanier und zog aus halbrechter Position stramm, flach und unhaltbar in die lange untere Ecke zum 2:1 ab. Olé

Kurz vor der Halbzeit dann nochmal die Spanier über rechts: Ein Fehler im Aufbau der Grünen Tulpe nutzte einer der quirligen Stürmer der Botschaft vermeintlich für seine Zwecke. Aber der Spanier hatte die Rechnung ohne den grünen Keeper gemacht und scheiterte am herauslaufenden Torwart Jochen Schieborn und dessen breiter Brust.

Und so brachte eine bis in die Haarspitzen konzentrierte Mannschaft der Tulpen die Führung sicher in die Halbzeitpause.

Nun hatten die Tulpen ihrerseits mit der tiefstehenden Sonne zu kämpfen. Ein flüssiger Spielaufbau endete meistens durch einen ungewollten "No-Look-Pass" direkt in die Füße des Gegners. Spürbar beeindruckt von der Ballsicherheit der spanischen Dribbelkünstler und der präzisen Kombinationsgabe, ließ sich die Tulpe in den ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit in der eigenen Hälfte einschnüren. Entlastungsangriffe gab es kaum und wenn, dann mit dem untauglichen Mittel des langen, hohen Balls eingeleitet. Das Spiel wurde zusehend ruppiger. Es folgten viele Wortgefechte nebst gelben Karten sowohl für die Spanier als auch für die Tulpen.

Wegen der tiefstehenden Sonne ging über Links kaum noch etwas. Also versuchte die Tulpe über ihren Rechtsverteidiger das Spiel in die Hand zu nehmen. Auf einmal rollte der Ball wieder flüssig. Wie im Trainingslager eingeübt, zirkulierten die Tulpen Spieler Jürgen Stark, Dietrich Brockhagen und Lennart Krause den Ball in den eigenen Reihen.

In der 65 Minute dann ein wie aus dem Lehrbuch studierter Spielzug der Grünen Tulpe. Keeper Jochen Schieborn spielt kurz auf Linksverteidiger Marco Kraft – die Sonne war mittlerweile verschwunden. Marco Kraft spielt den Ball weiter auf den auf der "Sechser"- Position spielenden Ralf Südhoff. Von dort geht der Ball weiter zu Marek Dutschke, der mit einem langen Ball Capitano Born Richtung gegnerische Grundlinie schickt. Linksfuß Born lässt noch einen spanischen Verteidiger stehen und flankt mustergültig von der Grundlinie auf den am Elfmeterpunkt freistehenden Tulpen- Präsidenten Markus Kurdziel. Nur knapp geht der geköpfte Ball am Tor vorbei!

Dieser fantastische Angriff beflügeltet die Tulpen. Wieder über links kam der Ball erneut in den spanischen Strafraum. Tohuwabohu im Fünfmeterraum. Das Spielgerät landete - wie auch immer es dort hinkam - auf dem Kopf von André Bornstein und von dort aus mit voller Wucht an der Unterlatte des Tores. 3:1? Fehlanzeige!

Im Minutentakt folgten nun die Chancen für die Tulpen. Aus dem Zufall heraus fiel Dietrich Brockhagen freistehend im "Sechzehn-Meter-Raum" das runde Leder vor die Füße. Anstatt den spanischen Torwart nach bester Knipser Manier auszugucken und einzunetzen, entschied sich der Grüne Flügelflitzer für einen Querpass, direkt in die bis dato zuschauende spanische Abwehr.

Sollten sich die nicht verwerteten Chancen für die Tulpen etwa rächen?

Wie von der Tarantel gestochen vertändelten die Tulpen im Mittelfeld völlig unnötig den Ball. Die gute Ordnung war dahin, das Spiel wurde fahriger. Doch auch die Spanier spielten kopflos und phasenweise zu überheblich.

Sie versuchten es in den letzten Minuten sogar, für die sonst so filigranen Fußballkünstler aus Spanien sehr ungewöhnlich, mit der Brechstange. Will heißen: die Abwehr wurde aufgelöst und der gefühlte 2,05 Meter große Carles Puyol, allerdings mit weniger Harren auf dem Haupt als das spanische Original, stand die letzten zehn Minuten im Strafraum der Tulpen und sorgte für ständige Gefahr.

Ein Schuss der Spanier wurde in letzter Sekunde des gut aufgelegten Bornstein per Kopf von der Linie gekratzt. Ab sofort galt also Manndeckung für die Tulpen! Zweikämpfe ohne Ball nahmen in dieser Zeit zu. Wie schon zu Beginn des Spiels fackelte der Schiri nicht lang und zog diverse Male den gelben Pappkarton aus der Brusttasche.

Doch dann wurde es in der 86. Minute noch einmal spannend. Etwa 25 Meter vor dem eigenen Tor wurde der spanische Dribbelkünstler Ramos nur noch durch ein Foul gestoppt. Alles erinnerte an den Ausgleichstreffer aus der ersten Halbzeit. Gleiche Entfernung zum Tor, etwa fünf Minuten vor Abpfiff und eine Mauer, die eher an eine Leichtbauwand erinnerte. Doch der an diesem Abend gut aufgelegte Tulpen Keeper Schieborn entschärfte den Ball mit einer tollen Parade.

Die letzten Minuten des Spiels verwalteten die Tulpen den Ball souverän in den eigenen Reihen bis endlich der erlösende Schlusspfiff erfolgte. Der 2:1 Sieg gegen die Botschaft des amtierenden Welt- und Europameisters war perfekt.

Fazit: Gerade im Sommer sollte die Seitenwahl nicht unterschätzt werden! Insbesondere durch die hohe Laufbereitschaft und den unbedingten Willen das Spiel gewinnen zu wollen, gehen die Tulpen verdient als Sieger vom Platz. Die Mischung aus Grüner Teamstärke und mangelnder Konzentration des Gegners beim Torabschluss bildeten am Ende die Erfolgsformel für die Tulpen und setzen sich über die individuelle Klasse der Spanier hinweg. Nichtsdestotrotz sollte die Tulpe beim nächsten Trainingslager Freistöße bzw. das Aufstellen der Mauer üben!