0:2-Niederlage gegen Postbank Berlin

Waldsterben bringt keine Rendite

Was nach urgrünem Gründungsmythos klingt, bezeichnet in diesem Zusammenhang eher den Niedergang des grünen Fußballgewächses Tulpe. Nachdem Little John Jungjohann und im letzten Spiel wohl auch Bruder Tuck Christoph Benze den Tulpenwald verlassen haben, stand Coach Robin Hood angesichts eines am Ende einer langen Saison gut gefüllten Lazaretts fast allein in seinem Wald. Nach mehreren geschickt angetäuschten Zusagen, die dann im Laufe des Montag nachmittags zu Absagen wurden, waren die Tulpen nur zu zehnt. Von der alten Stärke der Tulpen, ihrer mannschaftlichen Eingespieltheit, war unter diesen Umständen auch nichts zu sehen – die fanden sich in ihrem Wald vor lauter Bäumen nicht zurecht.

Hinzu kam ein Gegner mit den wahrscheinlich höchsten Zinsen auf Tagesgeldkonten und dem wahrscheinlich höchsten Testosteron-Spiegel seitdem die Post eine Bank hat. Und so spielten die Jungs auch: wie eine sichere Bank.

So zeichnete sich denn auch schnell ab, wie dieses Spiel verlaufen würde und dass die Tulpen statt "Drei Ecken – ein Elfer" von der Regel "100 Abstöße – ein Elfer" in diesem Spiel stark profitieren könnten.

So war es denn auch eher erstaunlich, dass die erste klare Chance des Spiels auf Seiten der Tulpen zu verbuchen war. Nach einem einfachen Doppelpass im Mittelfeld zeigte die Postbank, dass sie nicht die Bank von England sei, und Linksverteidiger Jochen Hake tauchte allein vor dem Schalterbeamten im Tor auf, traf den Ball jedoch nicht richtig, weshalb das Arbeitstempo der Post ausnahmsweise ausreichte, um sich der Aufgabe zu entledigen.

Die erste Chance der Bänkler war eigentlich gar keine. Einer der zahllosen Pässe aus dem Zentrum in die Spitze erreichte endlich mal die 4,5%-Topzins-Sturmspitze, der den Ball aber erst weit abgedrängt auf links erlief, von da aber einen gefühlvollen Heber aus vollem Lauf nach Art Schlaudraff über Tulpenkeeper Christian Meuschke an die Querlatte setzte.

Es stellte sich nun eine drückender Überlegenheit der Gäste ein, die Abstoß auf Abstoß an der Mittellinie abfingen und eine Angriffswelle nach der anderen gegen das Tulpentor warfen, sich dabei aber so schlau wie die Schergen des Sheriffs anstellten und entweder lange Pässe in die Arme des Torwarts oder Distanzschüsse über den Zaun hinter dem Tor fabrizierten. Das blieb auch während des restlichen Spiels so – Lernfähigkeit gehörte eindeutig nicht zu den Stärken der Postbank-Azubis.

Dennoch gehörte die nächste Szene wieder den Tulpen. Hartwig Mayer machte einen seiner unnachahmlichen Läufe, war am letzten Mann vorbei, der aber sein Bein stehen ließ und so eine klare Chance für die Tulpen verhinderte und Hartwig auf den Boden der Tatsachen schickte: die intellektuelle Minderleistung hat ihre Vorteile anderswo, wie der Volksmund weiß. Überraschend dennoch, dass die Postbänkler die Entscheidung des Schiedsrichters, ein Foul gegen sie zu pfeifen, lautstark kritisierten, was sie in der Folge so auch beibehielten und sie langsam heiß drehen ließ. Vor lauter Meckern vergaßen sie das Wesentliche: Fußball spielen. Schiedsrichterchef Krause musste so einiges von den Bänklern überhören, sonst hätten diese sich gleich auf die selbige setzen können. Dann hätte die Tulpe plötzlich doch noch in Überzahl gespielt. 

Besonders haderte der ehemals ambitionierte, jetzt nur noch im Postbank-Team anerkannte Mailman im bänklerischen Mittelfeld mit den Schiedsrichter-Entscheidungen. Fast jeden Abstoß der Tulpen fing er ab und fast jeder Angriff lief über ihn. Obwohl die Wirksamkeit dieses Spielaufbaus ja oben schon beschrieben wurde, ging von ihm der meiste Druck aus.

In der Folge dominierte der Finanzdienstleister, brachte aber wenig klare Chancen zustande, und wenn doch scheiterten alle Versuche an Tulpen-Torwart Christian Meuschke, der heute sehr aufmerksam war und einen glorreichen Tag erwischt hatte und alles Haltbare und sogar einige Unhaltbare fischte. Einen Kopfball nach einer Ecke hatte er schon sicher, als Verteidiger Hake noch einen Fuß dazwischen stellte und den Ball so ans eigene Lattenkreuz lenkte, aber letztlich war die Szene auch so geklärt.

Jochen Hake hatte inzwischen die Sturmspitze in Manndeckung genommen, was die meisten Stürmer zur Verzweiflung treibt. Doch in der 35. Minute gelang es dem Postbänkler endlich einmal sich auf seinen High Heels Stollenschuhen, die ihm und vor allem den Tulpen auf dem Kunstrasenplatz noch viel Freude bereiten sollten, um Jochen herum zu wickeln und aus halbrechter Position im Strafraum abzuziehen und auch Torwart Christian Meuschke keine Chance mit einem harten trockenen Schuss ins lange Eck zu lassen. Das längst überfällige 1:0 war da.

Doch wer nun erwartete, die Tulpen würden auseinander fallen, sah sich getäuscht. Sie zeigten bis zum bitteren Ende eine von ihnen früher nie gekannte kämpferische Disziplin, ließen sich zu keinem Zeitpunkt von den ununterbrochen lamentierenden Gegnern provozieren, verteidigten mit ganzer Kraft und wurden nicht müde, gegen eine fast hoffnungslose Übermacht immer wieder Angriffsbemühungen vorzutragen.

Im Gegenzug nach dem 1:0 wird die einzige stürmende Tulpe Toffi von zwei Verteidigern im Strafraum in die Zange genommen und kommt zu Fall. Der Pfiff blieb aber ebenso aus wie jegliche Beschwerden.

Die zweite Halbzeit brachte mit Stephan von Dassel zumindest einen elften Mann und damit etwas mehr Ausgewogenheit, wenn sich am Gesamtbild auch wenig veränderte. Zu spät begriff Libero Sebastian Wienges, mit seinen zahllosen Abstößen nicht die eigenen starken Spieler zu suchen, sondern die Mismatches, die Spieler, die von den schwächeren Postbänklern markiert wurden. Dort wurden dann durchaus einmal Ball und Gegner kontrolliert und sorgten für etwas Entlastung.

Kurz nach der Halbzeit machte auch der Mailman nach einer Ecke auf Höhe des kurzen Pfostens sein Tor mit einem recht simplen Kopfball zum 2:0. Doch herausgespielte Chancen blieben Mangelware.

Auf der anderen Seite: Ein sensationelles Dribbling von Jochen Hake durchs Mittelfeld fand in Hartwig Mayer seinen Abnehmer, der einen Gegenspieler stehen ließ, den Libero tunnelte und allein auf das Tor zulief. Doch er erwischt den Ball beim Abschluss nicht richtig, so kommt der Torwart noch mit einer Hand ans Leder und lenkt es an die Latte. Angesichts seines Körperumfangs war dann der Weg um ihn herum für Hartwig einfach zu weit, um noch den Abpraller zu erreichen.

Ähnlich schön herausgespielt noch eine Chance von Toffi, der links auf das Tor zugeht. Doch was von der anderen Seite für den Linksfuß fast immer ein sicheres Tor ist, konnte hier vom Torwart pariert werden.

Die Gelb-Blauen in roten Trikots verspielten eine um die andere Chance und kamen auch, wenn sie allein Richtung Tor liefen nicht an Christian Meuschke vorbei oder vergeigten die Abspiele, weil fleißige Tulpen-Verteidiger mitgelaufen waren.

Gegen Ende setzte Hartwig Mayer sich noch einmal durch und kam zu einem gefährlichen Distanzschuss, der aber links am Tor vorbeistrich.

Auf der Gegenseite zog ein Mittelfeldspieler mit einem geschickten Haken an Libero Wienges vorbei, tauchte allein vor Christian Meuschke auf, zog aus kürzester Distanz ab, doch wiederum taucht der Tulpen-Tausendsassa blitzschnell ab und kann klären.

Danach entschärft er noch einen aussichtsreichen Freistoß, bei dem die Tulpenmauer langsam am Tor vorbeiwandert und endlich den Blick auf den Ball freigibt. Mehr brauchte es für Meuschke an diesem Tage aber auch nicht, um die Postbank zur Verzweiflung zu bringen.

Das 2:0 ehrt letztlich die Tulpen, da es hochverdient war und viel höher hätte ausfallen müssen, was dann aber nicht mehr hochverdient gewesen wäre und auch die Tulpen nicht mehr geehrt hätte. Insofern ein perfektes Ergebnis.

Die Erfolge der Tulpen der letzten Jahre verführten dazu, sich auf dem Weg zur Champions League zu sehen und dementsprechend stärkere Gegner zu fordern. Die jüngsten Entwicklungen deuten aber eher darauf hin, dass wir uns damit momentan selbst eher überfordern.

Fazit: Es ist Zeit für die Sommerpause.