Grüne Tulpe -Baobab

Baobab schlägt grüne Tulpe 6:1

… und warum hinterher doch alle zufrieden waren

Aufgrund seines Aussehens ranken sich mehrere Legenden um den Baobab- den Affenbrotbaum. So weiß der universelle Datenschatz von Wikipedia unter anderem zu berichten, dass nach einer in Afrika weit verbreiteten Vorstellung der Teufel den Baum ausriss und ihn anschließend mit den Zweigen zuerst in den Boden steckte, so dass die Wurzeln nun in die Luft ragten. Einer anderen Erzählung zufolge wollte der Baum bei seiner Entstehung schöner als alle anderen Bäume werden. Als ihm dies jedoch nicht gelang, steckte er seinen Kopf in die Erde und das Wurzelwerk ragte gegen den Himmel.

Aus dem Reich der Schöpfungsmythologie erschließt sich uns eine weitere Erklärung: Als am Anbeginn der Welt die Hyäne beim ersten Blick ins spiegelnde Wasser ihre eigene Hässlichkeit erkannte, war sie darüber sehr erzürnt. Sie riss einen Baobab aus und schleuderte ihn gen Himmel, um ihren Schöpfer zu treffen, der ihr dies angetan hatte. Der Baum jedoch verfehlte sein Ziel, stürzte zurück zur Erde, blieb dort umgekehrt im Boden stecken und wächst seither mit den Wurzeln nach oben. Als Sitz von Göttern und Geistern spielt er außerdem in einer Reihe weiterer afrikanischer Legenden und Sagen eine Rolle. In der modernen westafrikanischen Literatur steht der Baobab häufig als ein Symbol des traditionellen afrikanischen Lebens und der unberührten, ewigen Natur. Orte mit "heiligen" Baobabs werden oftmals als Sinnbild des Garten Eden verwendet.

In der Erscheinungsform, wie sich der Baobab an einem schönen Montagabend im Juni im Weddinger Poststadion zu erkennen gab, ging es jedoch nicht mehr um afrikanische Sagen, sondern um die Wahrheit, die auf dem Platz liegt und natürlich die Schönheit des Fußballspiels.

Wie bei kaum einem Gegner, dem sich die Grüne Tulpe in den vergangenen Jahrzehnten gegenüber sah, lief der Ball so elegant durch die eigenen Reihen, wie bei Baobab, einer Fußballmannschaft, die erfolgreich die Integration von Fußballern aus allen Teilen Afrikas in Berlin realisiert hat.

So störte auch nicht, dass die übliche Aufforderung "ihr müsst miteinander sprechen" vielsprachig aufgenommen wurde: englisch, französisch oder portugiesisch wurde parliert, aber auch wortlos ein ergreifend schöner Fußball gespielt. Dem hatte die Grüne Tulpe über weite Phasen des Spiels spielerisch und konstruktiv nach vorne nicht wirklich etwas entgegen zu setzen. So wurden aus den Baobab-Reihen mit ebenso großer Selbstverständlich- wie Regelmäßigkeit Angriffe in einer Distanz von 30 bis 40 Metern erfolgreich abgeschlossen.

Grennkeeper Marco, eine verlässliche Kraft zwischen den Pfosten, blieb dabei insgesamt sechs Mal absolut chancenlos, tat aber sein Bestes, wesentlich schlimmeres zu verhindern. Dass es der Grünen Tulpe zu Beginn der zweiten Halbzeit sogar gelang, ein Tor -durch den unerschrocken aus der Abwehr herbei stürmenden Hartwig Meyer- zu erzielen, schönt das Ergebnis, sagt aber nicht wirklich etwas über den ziemlich einseitigen Spielverlauf aus. Immerhin erhielt die Tulpe die Gelegenheit das Verteidigen mit zehn Feldspielern zu erproben.

So endete das Spiel nur mit Gewinnern: dem eleganten und spielstarken Baobab-Team und Grünen Tulpen, die noch schlimmeres verhindert haben. So schön und Freude spendend kann Fußball sein! (manchmal macht es eben der Maßstab…)