Grüne Tulpe - besscom 5:1

Grüne Erfolgswoche

Am Sonntag drittstärkste Partei deutschlandweit, in Kreuzberg nur eine Woche nach dem dortigen Auftritt der Grünen Tulpe sogar 43 Prozent. Die Tulpe ist wieder einmal der Prozente- und Tor-Garant, die Grünen haben Knipser-Qualitäten. Und das wollten sie auch an diesem Montag zeigen. Der Gegner besscom hatte schon viel vom grünen Erfolgsrezept übernommen und sich verpflichtet, "sozial und ökologisch verantwortungsvoll zu handeln und bietet daher auch Ihnen die Chance, sich für nachhaltiges Wirtschaften zu entscheiden." Und das stellten sie zunächst auch eindrucksvoll unter Beweis.

Das Spiel beginnt ausgeglichen, die Tulpen müssen mehr investieren, um gegen eine sichere Abwehr und ein technisch feines Mittelfeld ihr Spiel machen zu können. Chancen haben in der Anfangsphase auf beiden Seiten Seltenheitswert. Bis zu dieser Minute als besscom zeigt, wie wirtschaftlich und nachhaltig sie mit den knappen Chancen umgehen. Eine Freistoß wird aus dem linken Mittelfeld in den Tulpen-Strafraum geschlagen, André Bornstein köpft den Ball raus, trifft aber den eigenen Libero Stefan Witt, von dem der Ball wie weiland vom deutschen Verteidiger Gianni Rivera vor die Füße fiel, der zum 4:3 Endstand einnetzen konnte. Aber heute spielt die Tulpe gegen besscom, den Ball schießt Sturmtank Kevin zum 1:0 in die Maschen und das ist noch lange nicht der Endstand.

In der Folge spielt die Tulpe druckvoller, greift früher an, verliert aber nicht die Ordnung. Und auch die Angriffe werden geordnet vorgetragen, keine Geronimo-Attacken, sondern saubere Kombinationen – eben so wie die Grünen gegen die in Umfragen vorne liegende FDP mit sauberen Argumenten und durchdachtem Programm Wahlkampf führt und sie auf dem Weg nach Europa schon abgefangen hat.

Ein blitzsauberer Angriff über rechts, Ball zurückgelegt auf Simon Bruhn, aber der schießt drüber. Ein weiter Ball von Sebastian Wienges in den Lauf von Kristoffer Born, doch der legt sich das Leder etwas zu weit vor. Zweimal schießt Wienges aus der Distanz drüber. Doch die Tulpen nähern sich dem Tor, wieder so ein durchdachter und zu Ende gespielter Angriff über rechts, der schließlich wieder bei Simon Bruhn landet, allein vor dem Torwart den Ball annehmen kann, sich die Ecke aussucht, den Ball aber dann einfach unter dem herausstürzenden Torwart durchschiebt – aber die Rechnung war ohne den Wirt gemacht. Auf der Linie kann der Ball geklärt werden. Noch immer 1:0.

Aber dann ist es soweit. Ecke von rechts, Kopfball André Bornstein, der kommt zwar nicht aufs Tor, aber landet bei Simon Bruhn, der den Ball überlegt von der Grundlinie zum freien Born schiebt, der den Ball nur noch über die Linie zum 1:1 drücken muss.

Und nun läuft der Ball. Die nächste 100-prozentige hat Manu Sharma, aber auch er bleibt irgendwie an diesem Teufelskerl im Tor hängen, der parieren kann. Doch die Tulpen haben den Ball sofort wieder. Finn Gerlach, die linke Hand der grünen personifizierten Finanzmarktkompetenz Gerhard Schick und

der rechte Fuß der Grünen Tulpe, eben erst eingewechselt, kommt das erste Mal für die Tulpe an den Ball, lässt noch einen Verteidiger aussteigen und drischt den Ball dann wie ein Projektil in die Maschen. Ein Einstand wie damals Lars Ricken, nur das dies auch noch das erste Spiel für Gerlach überhaupt für die Tulpen ist. 2:1.

Mit diesem Ergebnis und wenig offenen Wünschen in diesem unterhaltsamen Spiel geht es in die Pause. Und die Grüne Tulpe spielt weiter, kombiniert. Aber der besscom-Turek ist bessonders competent im Vereiteln von den ganz klaren Torchancen. In Eins-gegen-Eins-Situationen zieht er die Bälle geradezu magisch an. Als das Tor schon leer ist, bringt er seine Fangarme noch irgendwie zwischen Tor und Ergins Schuss. So scheitern die Tulpen ein ums andere mal. Und zu allem Überdruss fällt Torjäger Born bei einer Flanke von der Grundlinie so unglücklich auf die Hand, dass er sich dabei den Arm bricht.

Schon der Verzweifelung nahe steht endlich einmal Bornstein zum Duell mit Toni vor dem Tor. Und wieder wirft der sich in den Schuss. Doch dieses mal rutscht der Ball irgendwie durch und es ist auch kein klärender Verteidiger mehr zur Stelle. 3:1.

Naja, irgendwie gibt es aber eben so Tage, da gelingt dann irgendwann alles, wie nach einem erfolgreichen Wahlkampf, wenn die Stimmen plötzlich alle von alleine zu den Grünen kommen: Werte Leserinnen und Leser dieser Kolumne, ich gebe zu, nur allzu oft muss ich als Autor an dieser Stelle beschönigen. Nicht immer, eigentlich sogar zunehmend selten gelingt es der Tulpe und ihren Gegnern, die wachsenden Unformen der ehedem athletischen Körper zu kaschieren und Ball und Spiel den Anschein von Schnelligkeit zu verleihen. Aber heute darf ich Ihnen von einem Tor berichten, das an zwei andere Tore erinnert und zwar nicht weniger als an die Tore von Maradona und Messi. Finn Gerlach schnappt sich an der Mittellinie den Ball und beginnt zu laufen. Nun gut, er umspielt nicht fünf Gegenspieler, aber auch er wird mit Ball am Fuß immer schneller und der Gegenspieler, den er umspielt, der konnte mit den Augen auch kaum dem Ball folgen, wie er von rechts auf links an ihm vorbeigelegt wird. 4:1

Und damit nicht genug: ein Abschlag, André Bornstein scheint der Ball im zentralen Mittelfeld genau auf den Kopf zu fliegen. Doch was macht er? Sie erinnern sich an Higuita gegen England? Nun gut Bornstein springt dem Ball nicht noch entgegen, sondern bückt sich nur unter ihm durch und zieht die Hacke hoch. Aber das sieht nicht minder elegant aus. Der Ball fliegt postwendend in formschönem Bogen perfekt in den Lauf von Asgar Ergin, der alleine vor dem Tor ist und dieses mal trifft zum 5:1-Endstand.

 

Die Grüne Tulpe wünscht Kapitän und Torjäger Kristoffer Born eine rasche Genesung und hofft auf seine Rückkehr ins Team zum Rückrundenstart.