Grüne Tulpe - DIHK: 2:1

Die Deutsche Industrie in der Krise

Das liest man ja inzwischen seit Monaten täglich und überall. Diese andauernden Negativschlagzeilen kann man schon gar nicht mehr hören. Versuchen wir es doch mit was Positiven, versuchen wir es z. B. mal mit einer anderen Überschrift. Wie wärs mit:

Die Grünen schießen sich aus der Krise

Na also, geht doch!

Das es im ersten Montagsspiel nach dem Besuch im Bundesleistungszentrum Kienbaum dann auch wieder mit dem Siegen klappte, hatte vor allem auch mit den Vorgaben aus dem Trainingslager zu tun. Auch wenn es - seien wir mal ehrlich- in der ersten Halbzeit spielerisch noch nicht so aussah.

Ein erstes Indiz für den Aufwärtstrend ist schon vor dem Spiel ausgemacht. Ganze 14 Tulpen haben sich im Poststadion eingefunden, d.h. es kann im Spiel gegen die Industrie aus dem Vollen geschöpft werden. Und es sind sogar vier mögliche Greenkeeper darunter - so etwas hat es in 25 Jahren grüne Fussballgeschichte noch nie gegeben.

Der Erfolgsdruck ist vor dem Anpfiff deutlich spürbar. Die Tulpe kann zwar 70% aller Ballkontakte auf sich verbuchen, spielt aber sehr hecktisch, zu hecktisch. Die Mannschaft der DIHK dagegen lässt den Ball in ihren Reihen lockerer tanzen. Im grünen Mittelfeld, welches stark besetzt ist, klaffte in der ersten Hälfte oft ein unerklärliches grünes Loch, durch welches insbesondere die starken Industrietechniker im Mittelfeld ab und an Richtung Tulpe-Strafraum durchstoßen können. Meist sind es aber eher lange Bälle aus der ganz tiefen Handwerkskammer, die die grüne Abwehr in Bewegung setzen.

Ähnlich einfallslos ist zunächst auch das grüne Offensivspiel. Die Bälle über Außen kommen selten dort an und wenn, dann laufen sich die Tulpen-Spitzen Markus Kurdziel und Kristoffer Born in der aufmerksamen DIHK-Abwehr alleine fest. Durch die grüne Mitte geht wie gesagt wenig. Wenn, dann sind es Alleingänge der beiden Tulpen-Dynamos Andre Bornstein und Hartwig Mayer.

Gefährlich wie zuletzt sind aber wieder die grünen Standards. So auch heute. Wie so oft tritt Born die Ecke herein. Zunächst kann die DIHK klären, doch irgendwie landet das Leder beim Tulpe-Rückkehrer und Linksaußen Asgar Ergin, der auf Höhe des 16ers auf seine Chance lauert. Ergin fackelt nicht lange und zieht mit seinem starken linken Schlappen einfach mal ab. Der Ball zischt durch den Industriebezirk und dort steht auch noch Tulpen-Stürmer Markus Kurdziel. Der schaltet sekundenschnell und hält im richtigen Moment sein feines Präsidentenfüßchen hoch. Der Ball bekommt so eine andere Richtung und landet schließlich unhaltbar zum 1:0 im Handelskammernetz.  

Eigentlich hätte jetzt der grüne Knoten platzen müssen, doch das Gegenteil ist der Fall. Die Fehlpassquote auf Tulpen-Seite erhöht sich sogar noch und Konstruktives gelingt fast gar nicht mehr. Dagegen nutzt die DIHK ihre spielerischen Möglichkeiten voll aus und hatte mehr als einmal die Chance auf den Ausgleich vor der Pause. So z. B. in der 42. Minute. Fast eine Kopie des grünen Tores. Eine DIHK- Ecke fleigt herein, die grüne Abwehr kriegt das Leder nicht weg und es landet bei einem herumstehenden Handwerker. Der zielt gleich gezielt halbhoch ins rechte Eck ab. Alle sehen den Ball schon im Netz zappeln, da hechtet in letzter Sekunde Greenkeeper Jochen, der heute zum ersten Mal das Tulpe-Tor hütet, dazwischen und rettet durch seine Glanzparade die grüne Führung in die Pause.

In der Pause erinnert Mannschaftskapitän Born seine Mannen daran, sich mal endlich wieder mehr zu bewegen, um so mehr notwendige Anspielstationen zu schaffen. Dazu werden auch noch einmal neue frische Kräfte ins Mittelfeld beordert. Zunächst sieht es auch ganz gut aus, denn endlich wird wieder besser kombiniert und über die Außen gespielt. Doch es wird zu offensiv gespielt, da man jetzt unbedingt das 2:0 nachlegen will.

Obwohl der grüne Libero Stefan Witt seine Abwehrkollegen immer wieder laut rufend nach hinten beordert, nutzen die Herren der Industrie nun häufiger die grüne Nachlässigkeit und bekommen sehr gute Einschußchancen. Einmal landet dann auch noch ein unglücklicher Flachabstoß vom guten Keeper Jochen direkt in den Beinen vom DIHK-Kapitän, der eigentlich nur noch ins leere Tor vollenden muss. Allerdings aus knapp 30 Metern und da er ohne zu zögern gleich schießt, geht der Ball schließlich doch ein paar Meter neben das verwaiste Tor.

Der Ausgleich ist eigentlich nur eine Frage der Zeit und wäre auch verdient. Doch so wie es der Industrie momentan schwer fällt, in vielen Feldern wichtige Abschlüsse unter Dach und Fach zu kriegen, so zeigt sich ihre Abschlussschwäche auch auf dem Fußballfeld. Da braucht es manchmal Unterstützung von dritter Seite, um wieder Hoffnung zu schöpfen. In dem Fall ist es ein gewisser "Dr. E.", der Mitleid mit dem Patienten zu haben scheint. Denn als es nach einer DIHK-Ecke darum geht, datt Ding einfach nur rauszuhauen, rutscht Ergin das Leder unglücklich über den Schlappen und mit viel Effee dreht sich das fremde Runde ins eigene Eckige. 1:1

Jetzt sind noch knapp 25 Minuten zu spielen und die Grüne Tulpe will sich mit einem Unentschieden einfach nicht zufrieden geben. Also wird noch mal da Tempo erhöht - bei zwei sich ständig wechselnden Auswechselspielern an der Außenlinie, auch kein Problem. Bis zum Strafraum sieht es auch ganz gut aus, doch dann will einfach nichts gelingen.

Wenn mal was gelingt, dann wieder über Einzelaktionen. So z.B. in der 78. Minute über den grünen Rechtsverteidiger Markus Meyer, der in dieser Phase immer wieder mit langen Vorstößen sowohl Gegner als auch den eigenen Libero überrascht. Nach einem langen Marsch aus der eigenen Abwehr landet das Bällchen bei Sebastian Tschirbs, der dann schön auf Kristoffer Born durchsteckt und schließlich im Fuß von Tulpe-Midfielder Simon Bruhn landet. Doch leider geht sein Schuß aus 16 Metern knapp am Tor vorbei.

Nur zwei Minuten später bekommt er an gleicher Stelle erneut eine gute Einschußgelegenheit. Über Hartwig Mayer, der nun anstelle von Andre Bornstein im zentralen Mittelfeld wirbelt, landet der Ball also wieder bei Simon Bruhn. Der fackelt erneut nicht lange, doch der Schuß wird in letzter Sekunde von einem DIHKler abgeblockt. Doch der Abpraller landet bei Tulpe-Stürmer Kristoffer Born, der bis zu diesem Zeitpunkt insgesamt ein wenig glücklos agiert. Doch in diesem Moment macht er alles richtig. Er täuscht im Strafraum mit rechts an, um ihn sich gleich wieder auf seinen starken linken Fuß zu legen und sieht die Lücke und schlenzt mit Übersicht zum 2:1 ein.

Endlich ist die erneute Führung da. Jetzt sind noch 10 Minuten im Poststadion zu spielen und die Jungs der Industrie- und Handwerkskammer versuchen noch mal so etwas wie ein letztes Aufbäumen. Doch trotz einiger Angriffsversuche brennt an diesem Abend nichts mehr an im grünen Strafraum.

Fazit: Die Grüne Tulpe kann endlich wieder siegen! Nach einer langen Durststrecke mit hohen Niederlagen war dieses Spiel für die grüne Mannschaft besonders wichtig. Auch wenn man spielerisch noch nicht wieder das Niveau der letzten Saison erreicht hat, die Moral stimmt. Das Spiel gegen die DIHK lebte von der Spannung, die man nicht nur durch das Eigentor selbst reinbrachte. Der Wille zum Sieg war aber immer da und auch wenn insgesamt noch die Lockerheit vor dem gegnerischen Tor fehlt, das Siegtor fiel letztendlich aus dieser Tulpen-Tugend.