Grüne Tulpe - Dt. Sparkassen und Giroverband/Spätlese: 5:4

…und sie kamen immer wieder zurück!

Im letzten Licht des Tages begegneten die Tulpen den "untoten Wiedergängern" des Sparkassen- und Giroverbandes. Immer wenn der Spielverlauf seine endgültige Entscheidung anzukündigen schien, entstieg eine andere überraschende Wendung dem Nichts des Unfassbaren, das diese Gegner auszeichnete. Irgendwie war alles wie bei Berlusconi.

Die Tulpen kombinierten unbeschwert, vielleicht sogar ein wenig zu unbeschwert, auf dem tristen Grün des Kunstrasens. Doch eine unheimliche Kraft ließ ihre Torversuche zunächst im Nirgendwo zerschellen. Eine Flanke von rechts, die Asgar Ergin volley abnahm, klatschte mit einem dumpfen Hallen gegen das kalte Aluminium des Torpfostens, aber ließ das Netz nur leicht erschaudern.

Umgekehrt beteiligte sich die Spätlese aus Falkensee, die sich nämlich hinter der Maske der Banker für die Kleinanleger und Rentner verbarg, zunächst selten bis gar nicht am konstruktiven Spielaufbau. Voller Verzweiflung schlugen sie die Bälle eher zufällig hoch irgendwo Richtung gegnerische Hälfte, womit sie aber durchaus bisweilen unerklärlicher Weise einen der Ihren fanden. Doch Gefahr kam nur bei Standards, wenn die Zeit stillstand und zum Nachrücken einlud, auf.

Das Spiel der etwas anderen Art brauchte so ein leicht irres Manöver, um Zählbares zustande zu bringen. Der lange Witt war es, der sich den Ball in der eigenen Hälfte nahm, ihn vorbei an Freund und Feind bis weit in des Feindes Gebiet trug und ihn zu einer Flanke von rechts verwertete. Die segelte bis weit hinüber, wo sie wieder hineingegeben wurde in des Gegners geheimste Strafraumzone. Und noch bevor der Torwart, der schneller als sein Schatten in die entferntesten Winkel seines Tores abtauchte und schon sichere Tore zu verhindern wusste, zupacken konnte, tauchte geistesgegenwärtig geistergleich Tulpe-Pirat Born wie aus Fluch der Karibik aus dem Nichts auf und lenkte den Ball mit dem Kopf in die Maschen. 1:0

Doch nicht für lange zerriss die Düsternis dieses Spiels. Eine Ecke brachte die Unterlegenen zurück und der Wiedergänger Jan Kollers ließ den Ball über seine Glatze ins Tor rutschen. 1:1

Mit schwindenden Kräften der Spätlese sollte das Spiel in der zweiten Halbzeit doch eigentlich eine einseitige Sache werden. Doch irgendeine geheime Macht wusste dies zu verhindern. Zwar ging die Tulpe durch Manu Sharma nach einem wie in der Halbzeitpause angeordnet diagonalen Pass, wenn auch aus sehr abseitsverdächtiger Position mit 2:1 in Führung und schien das Spiel nun zu kontrollieren. Doch die spät Verlesenen wussten offenbar, warum sie das Angebot der Tulpen, das Tor als Abseits zu geben, gemeinsam mit dem diabolisch dreinblickenden und auf "Tatsachenentscheidung" beharrenden Schiedsrichter mit zwei Augenklappen ablehnten. Denn statt, dass die Tulpen eine ihrer nun häufigeren Chancen nutzten, kopierte der Koller-Wiedergänger sein Tor aus der ersten Halbzeit und ließ den Ball wieder nach einer Ecke über seine leuchtende Glatze zum 2:2 ins lange Eck rutschen.

Doch das Grauen sollte nun mächtiger werden und noch schlimmer kommen. Ein schneller Konter über links, der erst in der Tulpen-Hälfte wirklich schnell wurde, aber da schon die meisten Tulpen hinter sich gelassen hatte. Eine scharfe Hereingabe, Dietrich Brockhagen ist so dicht wie ein Schatten am nicht totzukriegenden Jan Koller-Double, doch der lässt den Ball diesmal über den Spann rutschen und lenkt ihn über den verschrockenen Keeper zum 3:2 ins Netz.

Hier geht es nicht mit rechten Dingen zu. Der Spielverlauf ist auf den Kopf gestellt. Doch ebenso unbeirrbar wie dieses ganze Spiel scheinbar eigenen Regeln folgt, gelingt der Tulpe der Ausgleich. Ein hoher Ball in den Lauf auf rechts, geklärt ins Seitenaus, ein geistesgegenwärtiger Einwurf, der Ball kommt quer auf Asgar Ergin. Der stoppt ihn hoch, lässt seinen Gegenspieler ins Leere laufen und schießt den Ball volley in den Innenpfosten zum 3:3. Und schon die nächste Ecke bringt nun doch die Entscheidung? Diesmal ist es Jochen Hake, der eine Ecke von links hereindreht. Und der Ball wird wie von Geisterhand gesteuert über den Torwart vor den Augen des am langen Pfosten postierten Verteidigers ins Netz gelenkt. 4:3. Spätestens jetzt hätte jemand die Ghost Busters rufen sollen.

Aber noch war dieser seltsame Abend nicht zu Ende. Mit einem ungestörten Lauf mit Ball durch das Mittelfeld, bis er mit einem Pressschlag gestoppt wird, kommen die Spätleser zurück. Der Ball springt wie auch sonst in den Lauf eines Außenstürmers. Und plötzlich läuft der allein auf rechts durch und kann auf zwei mitgelaufene Spieler in der Mitte passen, von denen einer locker zum 4:4 einschiebt. Einfach nicht totzukriegen, da wird manche Tulpe zum Rumpelstilzchen.

Aber ein schneller Angriff reicht und der gerade erst wieder genesene – oder soll man sagen wieder auferstandene – André Bornstein spitzelt den Ball zum 5:4 über die Linie.

Dem aufmerksamen Leser dürfte bereits schwanen, was als nächstes kommt. Und tatsächlich Ecke von links, Gerangel im Strafraum und wieder ist es der nun von inzwischen Libero Wienges markierte Jan Koller-Wiedergänger, der seinen Kopf an den Ball bringt. Doch dieses mal nicht exakt genug. Das Leder schlägt gegen die Latte und wie ein dröhnendes metallisches Lachen schallt es von dort zurück. Keeper Meuschke klatscht den Ball weg, Wienges klärt mit dem Kopf. Doch nicht weit genug, vor die Füße eines Falkenseeers, der von der Strafraumgrenze abzieht. Aber Wienges wirft sich dieses eine mal in den Schuss. Nun muss doch mal Schluss sein mit dem Spuk.

Und das ist es dann auch. Die Geisterbahn ist zu Ende, die Tulpe gewinnt in einem denkwürdigen Spiel 5:4, und die Moral obsiegt zum Ende doch: Es braucht keinen Exorzisten, um die Dinge wieder ins Lot zu bringen, sondern einfach nur gesunden Menschenverstand, etwas Konzentration und ein bisschen Tatkraft zur rechten Zeit – auf dem Fußballplatz wie in der Politik.