Grüne Tulpe - FGZ

Es lag ein Hauch von Barcelona in der Luft in dieser 92. Minute im Poststadion. Die Grüne Tulpe hatte wie einst Manchester United gegen den FC Bayern in den letzten Minuten durch zwei Tore das Spiel noch gedreht.

Dabei stand das Spiel lange unten keinem guten Stern. Die FG Zehlendorf war gut eingespielt und im Durchschnitt ungefähr fünf Jahre jünger als die grüne Mannschaft. Darüber hinaus gab es kein Wasser für die durstigen Tulpenkicker. Man hatte vor dem Spiel einfach vergessen, noch schnell einen Träger für die Halbzeitpause zu holen. Doch gerade in solchen Momenten wachsen Mannschaften ja über sich hinaus. So war es denn auch kein Wunder, dass nach dem Abpiff sogar noch ein Kasten Bier aus dem Nichts auftauchte. Doch fangen wir mal ganz von vorne an.

In der ersten Hälfte überzeugte die Tulpe gegen die FGZ durch gutes Stellungsspiel und Spielfreude. Die besten Chancen zur Führung hatten dabei Tresfore Dambe und Andrea Püstinger, die mit ihren Schüssen leider nur die Latte trafen. Die Sturm und Drangzeit der grünen Kicker wurde leider nicht belohnt. Im Gegenteil: Kurz darauf sollte nämlich der Gegner eiskalt zuschlagen. Nach einer grünen Ecke konnten die Zehlendorfer einen Konterangriff mit unfreiwilliger Mithilfe zweier Tulpen erfolgreich zum 1:0 abschließen.

"Zuerst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu"

hatte Jürgen "Kobra" Wegmann mal in einem legendären Interview eine solche Spielsituation beschrieben. Obwohl die Tulpe also in der ersten Hälfte spielerisch der FGZ überlegen war, ging sie mit einem Rückstand in die Halbzeitpause. Wie gesagt, es fehlte zwar das Wasser, aber nicht der Wille, das Spiel noch zu drehen.

Teamchef Sebastian Wienges hatte kurz vor Wiederanpfiff seine Mannschaft noch einmal darauf eingeschworen, die bisherige Spielweise beizubehalten. Irgendwann würde der Ausgleich schon fallen. Gesagt, getan. Die zweite Halbzeit begann dann auch mit einem Paukenschlag.

Die Grüne Tulpe stürmte schön weiter schön über die Außen und erkämpfte sich so in den ersten Minuten gleich mehrere Ecken und Freistöße. Und eine ebensolche grüne Ecke segelte in der 56. Minute so wunderbar in den FGZ-Strafraum, direkt auf den Kopf (oder die Schulter?) des grünen Teamchefs, das dieser selbst mit guten Beispiel voran zum hochverdienten 1:1-Ausgleich traf.

Das seltende Ereignis eines Kopfballtores nach einer Ecke wurde daraufhin überschwenglich von den Tulpen gefeiert. Das blieb leider nicht ohne Folgen, denn der verdiente Ausgleich sollte nicht lange Bestand haben. Der Gegner nutzte die Unkonzentriertheit der grünen Mannschaft nur Minuten später erneut eiskalt aus. Eine lange Flanke von der linken Seite fliegt an Freund und Feind vorbei und dann unglücklich über Grennkeeper Jochen Hake. Der kann dann nicht mehr viel machen, als am zweiten Pfosten von einem FGZ-Stürmer abgestaubt wird. 1:2. 

Die nächsten zwanzig Minuten waren dann ein wahrer Schlagabtausch. Es wurde um wirklich jeden Ball verbissen gekämpft und der Schiri hatte so einiges zu tun. In dieser Phase hatte die Grüne Tulpe dann auch endlich mal das Glück des Tüchtigen.

Die Zehlendorfer erspielten sich in der 77. Minute eine riesige Chance zum 3:1, als ein freistehender Stürmer aus kurzer Distanz halblinks zum Schuss kommt. Der Ball wird nur durch die telekinetischen Fähigkeiten des Jochen Hake noch an den linken Innenpfosten gelenkt, so dass das runde Leder die Linie entlangtanzt und daraufhin die grüne Gefahrenzone wieder verlässt. Puh! Das wäre wohl die Entscheidung gewesen.

Doch danach kam die oben zitirte Wende, die kaum noch einer im Poststadion für möglich gehalten hatte. Es waren nur noch drei Minuten zu spielen und die Grüne Tulpe erkämpfte sich noch einmal eine Ecke. Noch bevor der Gegner die Möglichkeit bekam sich ordentlich zu stellen, führte Aaron Greicius schnell die vermeintlich letzte Aktion aus. Er zielte genau auf den völlig frei stehenden Finn Pelke, der mit einem starken Kopfball zum verdienten 2:2-Ausgleich traf.

Jetzt das Unentschieden für die tolle grüne Serie die letzten zwei Minuten sicher nach Hause fahren, wäre eigentlich rational gedacht. Doch die Tulpe spielte weiter wie von Sinnen und holte dann sogar noch einmal eine Ecke heraus.

Nur zwei Minuten nach dem Ausgleich, wir schreiben inzwischen die 92. Minute- segelte wieder ein Ball in den FGZ-Strafraum. Diesmal von rechts von Markus Kurdziel getreten, dessen scharfe Hereingabe vom Zehlendorfer Keeper nicht festgehalten werden kann. Wieder steht ein gewisser Finn Pelke mit seinem Köpfchen parat. Erneut zur Stelle um das entscheidende Tor und mit seinem zweiten Doppelpack in Folge die Tulpe zum unglaublichen Last-Minute-Sieg gegen die FGZ zu schießen.

Fazit: Mit dieser rauschenden Schlussphase hat es die Tulpe geschafft ihre tolle Serie fortzusetzen. Seit neun Spielen hat die Tulpe nun nicht mehr verloren und dabei sechs Spiele in Folge gewonnen. Das ist beeindruckend. Noch beeindruckender ist aber etwas anderes: Alle drei grünen Tore waren Kopfballtore. Alle drei erzielt nach einer Ecke. So etwas hat es in der grünen Historie wirklich noch nie gegeben.      

"Football, bloody hell!"

ManU- Trainer Alex Ferguson's Kommentar zum Sieg gegen den FC Bayern im Champions League Finale 1999