Grüne Tulpe - FGZ Berlin

Mit offenem Visier und verbundenen Augen

Spielbericht: Die Fußball Götter Zehlendorf (FGZ) waren diesen Montag würdiger Herausforderer der Grünen Tulpe und boten das angemessene Setting für das Treffen zweier Generationen. Nein, in diesem Fall ist dies keine Anspielung auf den Altersdurchschnitt der Uni-Ligamannschaft Freie Geister Zehlendorf im Vergleich zu dem der Tulpe – diese früher üblichen Ausflüchte zählen schon lange nicht mehr. Nein, gemeint ist das Rencontre des ehemaligen Mittelfeldstrategen und vielfliegenden Klimaschützers aus Washington Arne Jungjohann, dem die Heinrich Böll Stiftung freundlicher weise seinen Transatlantikflug zum Spiel gestattete, und seines indirekten Nachfolgers und Debütanten aus Schweden Andreas von Beckerath, den die schwedische Botschaft freundlicher weise für ein halbes Jahr für die Tulpe abgestellt hat (womit übrigens der nächste junge Vater dem Team angehört). Da Arne sich wie zu besten Zeiten nicht rechtzeitig vom Jakob Kaiser Haus und dann von seinem Mobiltelefon trennen konnte und deshalb erst zur zweiten Halbzeit spielbereit war, wurde sein Nachfolger sein Vorgänger auf der zentralen Position im Mittelfeld.

Die Fabelhaften Guerilla Zehlendorf kamen mit einer ebenso massiven wie hochkarätig besetzten Offensive und übernahmen von Spielbeginn an die Initiative. Die Tulpen wehrten sich standhaft, konnten aber kaum nennenswerte Akzente setzen. Nur sehr selten gelang es ihnen das Mittelfeld zu überbrücken und bis zum gegnerischen Strafraum vorzudringen. Fielmanns Galante Zehlendorfer hingegen beherrschten das Mittelfeld und suchten ihre allzeit gefährlichen Spitzen, die aber ein ums andere mal an der gewohnt souveränen Innenverteidigung der Tulpen scheiterten. So entwickelte sich ein eher chancenarmes Spiel, in dem allenfalls Einzelaktionen der Stürmer für Gefahr sorgten. Mit einer eingesprungenen Grätsche, an die sein Knie den Autor dieses Berichtes jetzt noch erinnert, spitzelte Sebastian Wienges einmal den Ball vor dem im Fünfmeterraum einschussbereiten Faire Gegner Zehlendorf Angreifer ins Aus. Was sonst auf das Tulpen-Tor abgefeuert wurde, wurde eine sichere Beute von Torwart Hake oder des Fangzaunes hinter dem Tor, was dem Fangzaun an der Seite des Feldes bei vier bis fünf Tulpen-Befreiungsschlägen nicht gelang.

Das 1:0 war folgerichtig wenn auch verdient eher ein Zufallsprodukt. Der Angriff der Freunde Genauer Zuspiele über die linke Seite war schon fast abgefangen, da wird noch einmal ein Schuss aus dem Getümmel in der Mitte abgegeben, sicher abgeblockt und fällt dem Spielmacher vor die Füße. Der lässt sich nicht zweimal bitten und schießt von der Strafraumgrenze unerreichbar links unten ein.

Noch zufälliger jedoch kommt es gegen Ende der ersten Halbzeit dann zum Ausgleich. Arne telefoniert noch und sein Nachfolger Andreas von Beckerath läuft pro Forma einem langen Ball hinterher, unter dem der Verteidiger der Freunde Gefährlicher Zurückpässe elegant durchtaucht. Auf diese Weise kommt der schwedische Debütant überraschend doch an den Ball und schiebt ihn Richtung Tor, wo der Torwart dankenswerter Weise einen perfekten Tunnel aufbaut und den Ball zum zwischenzeitlichen 1:1 in sein Tor passieren lässt.

Mit diesem Ergebnis ging es nicht nur in die, sondern logischer weise auch wieder aus der Halbzeitpause. Doch nun klappte FGZ das Visier hoch, Überlegenheit musste sich doch in Tore ummünzen lassen. Die Tulpen wurden immer weiter in die eigene Hälfte gedrängt, das eigene Mittelfeld hatte alle Hände und Füße voll zu tun, die Defensive zu unterstützen. Geordnete Angriffe wurden selten, stattdessen setzte sich fort, was schon die erste Halbzeit andeutete und es wurden zunehmend lange hohe Bälle geschlagen. Noch immer waren Chancen Mangelware, und den Chancen, die zustande kamen, mangelte es an Qualität. Immer wieder tappten die Fürsprecher Grantelnden Zauderns zu ihrem Unmut und entgegen ihrer eigenen Beobachtung ins Abseits. Doch überraschenderweise führte der aufopferungsvolle Kampf der Tulpen, das Unentschieden so lange wie möglich zu halten, mit zunehmender Spieldauer zwar zu abnehmender Spielqualität aber zunehmender Chancenqualität auf Seiten der Tulpen. Die Fanatischen anGreifer Zehlendorf rannten immer blinder an und vernachlässigten im gleichen Maße zunehmend die Defensive wie sie die Tulpen verstärkten. Umgekehrt wirkten sich diese italienischen Verhältnisse negativ auf die Offensive der FGZ und mit umgekehrtem Vorzeichen auf die Offensive der Tulpen aus. Tresfore Dambe setzte einen gekonnten Fernschuss unerreichbar für den Torwart ans Lattenkreuz und Andre Bornstein nahm eine Flanke von rechts per Kopf ab, doch touchierte der Ball die Querlatte nur von oben.

Doch mit der Zeit wurde die Tulpenabwehr sturmreif geschossen. Zuerst verabschiedete sich Hartwig Mayer mit Krämpfen, kurz danach Libero Stefan Witt ebenfalls angeschlagen. Der aus vielen Wunden blutende Rechtsverteidiger Sebastian Wienges musste nun in die entblößte Mitte einrücken, das Mittelfeld sich noch weiter zurückziehen. Und endlich fünf Minuten vor dem von den Tulpen herbeigesehnten Ende erreicht ein Angriff über rechts den im Zentrum freien Stürmer der Freunde zu vieler Genauer Zuspiele, nachdem Arne Jungjohann und Christian Griebenow nach dem Motto "Nimm du ihn, ich hab ihn sicher" doch noch einen Ball durchgelassen hatten. Jochen Hake ist weit aus seinem Tor geeilt, doch auch er kann den Schaden nicht mehr abwenden. Doch statt in das verwaiste Tor zu schießen, spielt der Stürmer seinen Sturmpartner den Ball in den Lauf. Die Abseitsregel verlangt zwei Verteidiger zwischen Gegner und Torlinie, der Linksaußen hatte keinen mehr zwischen sich und Tor und wurde so zum wiederholten mal zurückgepfiffen.

Kein Tulpenspieler, der an diesem Abend nicht gegen Kälte, Gegner und schmerzende Muskeln ankämpft. Die Bank nur noch mit invaliden besetzt. Da endlich die letzte Minute ist gekommen und es steht mirakulös noch immer 1:1. Ein letzter Freistoß aus dem Mittelfeld in den gegnerischen Strafraum geschlagen, Andreas von Beckerath wirft seinen wilden Haarschopf, zusammengehalten wie einst der von Björn Borg, in die Flanke, verlängert den Ball in den Rücken der Abwehr, wo Andre Bornstein sich selbst sein Geburtstagsgeschenk macht und kompromisslos zum 2:1 für die Tulpen den Ball ins, ja fast durchs Netz jagt.

Das Spiel ist auf den Kopf gestellt, David besiegt wieder einmal Goliath. Am Ende der Kräfte und am Ende des Spiels stehen elf wackere Tulpen und die Formidablen Giganten Zehlendorfs liegen geschlagen am Boden.

Fazit: Kein schönes Spiel, aber ein umso ruhmreicheres, das die Tulpen heute für ihre Historie gewannen.

SW

Aufstellung Grüne Tulpe gegen FGZ:

 

                                                     Kristoffer 'Toffi' Born

                                                          Mittelstürmer     

                            Tresfore Dambe                                  Ralf Südhoff

                              Linksaußen                                      Rechtsaußen

                                                     Andreas von Beckerath (später Andre Bornstein)

                                                        Zentrales Mittelfeld

                            Marek Dutschke                                         Manu Sharma

                        linkes def. Mittelfeld                        rechtes def. Mittelfeld

                                                            Hartwig Mayer

                                                               Vorstopper

            Christian Griebenow                                                   Sebastian Wienges

                L. V.                                     Stefan Witt                             R.V.    

                                                               Libero

                                                             Jochen Hake

                                                                  Tor